Direkt zum Hauptbereich

The Night Agent - Die dritte Staffel

Mittlerweile arbeitet Peter Sutherland (Gabriel Basso) in seiner Tätigkeit als "Night Agent" wie ein Wahnsinniger. Dadurch versucht er, die Schuld an mehreren Ereignissen, die er zu tragen glaubt, wettzumachen: So werden die USA von einer Reihe terroristischer Anschläge erschüttert und Peter ist der Ansicht, dass er durch seinen vorherigen Einbruch bei der UN und der Weitergabe von Informationen an den skrupellosen Jacob Monroe (Louis Herthum) eben diesen Terroristen in die Hände gespielt hat. Als der neu gewählte Präsident Hagan (Ward Horton) die "Night Action" bezüglich eines möglichen Drahtziehers für einen Anschlag aktiviert, wird Peter nach Istanbul geschickt. Dort heftet er sich an die Fersen des jungen Analysten Jay (Suraj Sharma), der zuvor seinen Boss ermordet haben soll. Zudem scheint eine Frau namens Isabel (Genesis Rodriguez) etwas mit den finsteren Machenschaften zu tun zu haben...

Im Januar ging mit Stranger Things Netflix' wohl gigantischstes Serien-Original mit einer riesigen Final-Staffel zu Ende. Im März erwarten uns zudem prunkvolle neue Piraten-Abenteuer mit der neuen Staffel von One Piece (meine Güte, sieht der Trailer spektakulär aus!) und es steht ein Film zu der bei Fans ungemein beliebten Peaky Blinders-Serie an. Neben all diesen Highlights und auch all der schlechten Publicity rund um eine Auseinandersetzung mit den (völlig zurecht) erzürnten Synchronsprecher*innen, die vielleicht bald durch eine KI ersetzt werden sollen und ihren beruflichen Niedergang dabei auch noch gleich selbst anschieben sollen, konnte man fast vergessen, dass in diesem Jahr auch noch eine weitere Staffel von The Night Agent anstand. Dieser Überraschungs-Hit war in der ersten Staffel, obwohl die Geschichte etwas hanebüchen war, so dermaßen spannend, dass man sich kaum daran sattsehen konnte. Die zweite Season hielt dieses Niveau nicht ganz, war trotz manch eines tumben Plot-Vehikels aber immer noch besser als das meiste, was Netflix in diesem Genre sonst hervorbringt.
Die dritte Season brachte für die eingefleischten Fans (und da zähle ich mich jetzt einfach mal zu) dann aber schon vor dem eigentlichen Start einen kleinen Schock mit, denn mit Luciane Buchanan fehlt die zweite Hauptdarstellerin in den neuen zehn Episoden. Das war zwar lange so geplant und ergab bezüglich der Ausrichtung des Charakters, die am Ende der zweiten Staffel doch schon einen kleinen Abgesang (inklusive Hintertürchen für eine sicherlich baldig geplante Rückkehr) auch Sinn, sorgte aber dennoch für Frust bei den Fans. Dabei hatten die Macher schon länger betont, dass man sich bei The Night Agent pro Staffel auf neue Geschichten mit weitestgehend neuen Figuren verlassen wolle, mit Gabriel Basso's Peter Sutherland als durchgehender Konstante. Und das funktioniert auch deswegen, weil Basso sich erneut mit enormer Vitalität einbringt, auch wenn über seine Figur praktisch nichts Neues mehr erzählt wird. Das Fehlen von Buchanan macht sich indes deutlich bemerkbar, weil es darüber hinaus an Figuren mangelt, an die man sich wirklich klammern kann. Besser oder schlechter hätte ihre Rose diese Staffel aber sicherlich nicht gemacht.
Denn das Problem dieser zehn Episoden liegt daran, dass nach einem sehr spannenden Auftakt erstmal mächtig auf die Bremse getreten wird und das Gaspedal anschließend nur noch sporadisch wiederentdeckt wird. Es muss natürlich nicht immer gleich eine solch (mörderisch packende) Hetzjagd wie in der ersten Season sein, doch es ist schon ein wenig bezeichnend, wie lange man diesmal braucht, um die zahlreichen Figuren und Handlungsstränge zu einem sinnigen Ganzen zu formen. Dabei ist die ganze Nummer eigentlich gar nicht so komplex, sondern wird einfach fortwährend immer umständlicher erzählt, mit allerlei Abzweigungen und etlichen Figuren, die den Plot künstlich aufblasen. Da die Geschichte aber im Grunde nur die klassische Erzählung einer Verschwörung bietet, bleiben echte Überraschungen diesmal aus. Die Actionszenen sind wieder brachial inszeniert, sind aber seltener geworden. Der Cast macht seine Sache ebenfalls wieder gut, doch mangelt es den neuen Figuren an Tiefe und bisweilen auch an Charme. Das führt dazu, dass man sich doch desöfteren langweilt, wenn die Geschichte selbst nach der Halbzeit noch nicht wirklich in Fahrt gekommen ist. Fans bekommen zwar genügend spannendes Material, doch gerade angesichts des Mangels an frischen Ideen muss man erkennen, dass dies hier die erste schwächere Staffel der Serie geworden ist, die ein wenig Enthusiasmus raubt.

Fazit: Mehr vom Gleichen - das muss nichts Schlechtes sein, sorgt bei der dritten Runde von The Night Agent aber gerade angesichts einer lange herummäandernden und kaum mit Überraschungen oder neuen Ideen aufwartenden Geschichte dafür, dass man doch eine Menge Sitzfleisch braucht, um hier durchzuhalten... und am Ende doch nicht mehr ganz so dolle vom Hocker gerissen zu werden.

Note: 4+



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das Ende dieses Blogs

 An all meine treuen Leser*innen, ich machs kurz: Dieser Blog hat an dieser Stelle sein Ende gefunden. Gut zwölf Jahre haben sich meine Film- und Serienreviews hier angesammelt, doch nun werden sie an einer anderen Stelle ausgelagert. Ich bin mit meinen Filmreviews auf Letterboxd umgezogen, mein Account dort lautet Flolli und ihr findet ihn unter diesem Link:  https://boxd.it/jOAkX Meine Serienkritiken findet ihr zudem unter dem gleichnamigen Account auf Serializd:  https://www.serializd.com/user/Flolli/profile Zudem gibt es auch (seltener, aber ebenfalls erwähnenswert) Kritiken zu storylastigen Videospielen auf Backloggd:  https://backloggd.com/u/Flolli/ Ich hoffe, einige meiner treuen Leser*innen auf diesen Plattformen wieder zu treffen und euch auch dort noch genügend Lesestoff bieten zu können - es hat sich dort jedenfalls schon einiges angesammelt :) Auf bald, euer Flo

Titanic (1997)

Eigentlich hätte "Titanic" kollossal floppen müssen. Der Dreh zog sich über viel mehr Tage hinweg, als eigentlich vorgesehen waren, die Produktionskosten explodierten, die Studios fürchteten einen massiven Verlust und überlegten sogar, Regisseur James Cameron noch während der laufenden Produktion wieder abzusetzen. Letzten Endes war sich sogar Cameron selbst eines Erfolges nicht mehr sicher... aber die Geschichte ist bekannt. Zwölf Jahre lang war das Katastrophen-Drama der erfolgreichste Film aller Zeiten, heimste elf Oscars ein, machte seine Hauptdarsteller über Nacht zu Stars. Und James Cameron, der erschuf ein unübertreffbares Meisterwerk der dramatischen Filmkunst, welche in Sachen Intensität und auch Schönheit auch noch heute recht allein dasteht in der Welt des Kinos. TITANIC Die über 100jährige Rose (Gloria Stuart) erzählt dem Schatzsucher Brock Lovett (Bill Paxton), der das Wrack der 1912 versunkenen Titanic nach einem wertvollen Diamanten absucht, von ihrer Ge...

The Dark Knight Rises

Nach Heath Ledgers Tod weigerte sich Christopher Nolan zuerst, einen weiteren Teil rund um den dunklen Ritter zu drehen. Erst, als eine fertige Geschichte im Raum stand, sagte Nolan zu und konnte so seine "Dark Knight"-Trilogie zu einem Abschluss bringen, welcher in puncto Einspielergebnisse sogar noch seinen direkten Vorgänger an den Kinokassen übertraf. Die Kritiker waren zwar nicht mehr so begeistert wie bei der Joker-Show, dennoch war auch hier der Tonus positiv. Und eigentlich ist Teil 3 dabei seinem Vorgänger doch ziemlich ebenbürtig... THE DARK KNIGHT RISES Acht Jahre nach dem Tod von Harvey Dent (Aaron Eckhart) hat sich Bruce Wayne (Christian Bale) in "Wayne Manor" zurückgezogen und auch sein Batman-Kostüm an den Nagel gehängt, da er mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen hat. Jedoch macht ihm auch sein schwindendes Vermögen Probleme und er wird von der Profieinbrecherin Selina Kyle (Anne Hathaway) bestohlen. Als sich der Verbrecher Bane (Tom Hardy) ...