Sechs Monate sind seit seiner Verhaftung vergangen und nun sieht Jack Dawkins (Thomas Brodie-Sangster) tatsächlich dem Galgen entgegen. Nur durch einen gewieften Trick seitens seines Ziehvaters Fagin (David Thewlis) gelingt Jack die Flucht, der nun aber als Flüchtiger erst recht seinen Kopf unten halten müsste. Das ist aber gar nicht so einfach, denn eigentlich möchte er vorerst dringend zu seiner geliebten Belle (Maia Mitchell) zurück... selbst wenn er davon ausgeht, dass diese ihn im Gefängnis im Stich gelassen hat. Zudem brauchen viele Menschen in der Stadt weiterhin die Hilfe des genialen Chirurgen und der kann sein Skalpell und seine flinken Finger ja nicht einfach ruhen lassen, nur weil deswegen sehr bald sein Kopf rollen könnte.
Na, da mussten doch jetzt aber einige Ideen drinstecken, oder? Eigentlich war ein Serienende für The Artful Dodger nach nur einer Staffel bereits beschlossene Sache, doch dann sollte es plötzlich doch noch weitergehen. Was auch irgendwie passt angesichts des etwas überhasteten Endes der ersten Season, aber trotzdem die Frage aufwirft, warum man denn nun zurückgekehrt ist. Es wird ja mitnichten einfach nur um das Geld gegangen sein, da die erste Staffel so beliebt war, dass sich damit eine ganze Menge Schotter machen ließ, oder? Gut, natürlich stehen finanzielle Gründe da an erster Stelle, doch man musste auch etwas bieten, um die Fans wieder hinter dem Ofen hervorzulocken.
Und um es kurz zu machen: Ebenjene Fans werden auch hier wieder ihre Freude finden. Alle bekannten Figuren, sofern noch lebendig, sind wieder dabei und tun auch genau die Sachen, für die man sie in der ersten Staffel so sympathisch und/oder interessant fand. Es gibt spannende, medizinische Wunder, allerlei Verrat und Gaunerei und natürlich auch eine Fortsetzung der Liebesgeschichte... die, wie es sich für solch ein Sequel gehört, natürlich noch um eine dritte Partei im Bunde erweitert wird. Ob man es nun packend oder doch eher öde finden darf, dass der größte Konflikt dieser Staffel nun schon wieder in der Frage liegt, für welchen Mann sich die clevere Belle entscheiden wird - es ist zumindest mehr, als man erwarten durfte, denn die Macher haben sich genügend Plots aus den Fingern gezogen, um mehr als locker wieder acht Folgen füllen zu können.
Für mich war die ganze Sache aber trotzdem deutlich uninteressanter als zuvor. Schon die erste Staffel hatte mich ja deutlich weniger begeistert als die meisten anderen, aber immerhin war der durchweg schwarze und ziemlich bittere, medizinische Humor noch für allerlei herrliche Momente gut. Dieser gerät nun aber, um deutlich mehr Schmachtereien und allerlei eher mau geschriebener Verratsspiele zwischen den verschiedenen Gangstern und hochwohlgeborenen Menschen einzufügen, eher ins Hintertreffen. Die dramatischen Entwicklungen der Figuren sind zwar alle sinnig, haben mich aber viel zu wenig in den Bann gezogen, um die Minderung der Leichtfüßigkeit zu rechtfertigen, die zuvor eigentlich das entscheidende Salz in der Suppe. Da nützt es auch nicht viel, dass die Serie nach wie vor sehr hübsch aussieht und gut inszeniert ist - wenn der Inhalt zu unspannend ist, nützen die schönsten Sets nichts. Auch der Cast wirkt diesmal eine Spur gelangweilter, auch wenn sie alle zumindest genug zu tun bekommen, damit ihre Charaktere sich nicht bloß im Kreise drehen.
Fazit: Es ist wohl einfach nicht wirklich mein Thema. Da nun über weite Strecken der zuvor so herrlich eingeflochtene Humor fehlt und man sich mehr auf dramatische, aber selten gelenk geschriebene, zwischenmenschliche Episoden bezieht, fällt der Unterhaltungsfaktor der nachgeschobenen, zweiten Staffel trotz allerlei Ereignissen eher gering aus.
Note: 4+
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