Das britische Königshaus ist in großer Sorge, als die irische Terrororganisation IRA erstarkt. Als es zu einem schrecklichen Anschlag kommt, welcher Queen Elizabeth (Olivia Colman) und ihre Familie in Trauer und Schockstarre zurücklässt, schaltet sich die neue Premierministerin Margaret Thatcher (Gillian Anderson) ein und schwört, dem Terror den Kampf anzusagen. Trotzdem hat sie Schwierigkeiten damit, sich in die Gepflogenheiten des Königshauses einzufügen - dicke Luft zwischen den beiden mächtigsten Frauen des Landes ist die Folge. Indes weiß auch Thronfolger Charles (Josh O'Connor) nicht mehr, wohin eigentlich mit sich und seine Familie sitzt ihm im Nacken, damit er endlich eine Frau findet. Charles hat diese Hoffnung eigentlich schon aufgegeben, als ein Mädchen in sein Leben tritt, welches ihn und seine ganze Familie bis in die Grundfesten verändern soll: Die achtzehnjährige Diana Spencer (Emma Corrin)...
"The Crown" bleibt auch in seiner mittlerweile vierten Staffel eine herausragende Serie, die alle Qualitäten mitbringt, die sie zuvor über Jahre besaß. Optisch berauschend, packend geschrieben und grandios inszeniert. Der in der dritten Staffel noch frische Cast hat sich bestens eingespielt und agiert noch stärker als zuvor - gerade Olivia Colman ist als das Zentrum der Besetzung zum erneuten Mal absolut umwerfend. Besonders in den Szenen gemeinsam mit Neuzugang Gillian Anderson, die hier eine großartige, weil unglaublich uneitel dargestellte Version der berühmten Premierministerin Margaret Thatcher darbietet, blüht Colman regelrecht auf. Die weltweit durch die Medien gepeitschten Konflikte der beiden Damen nehmen dabei viel Raum ein und sind, neben einigem süffisantem Witz, hochgradig spannend. Politisch regelrecht giftig lassen sich Colman und Anderson auf einige grandiose Dialogduelle ein, bei denen man nie weiß, wer hier nun am Ende die Oberhand gewinnen wird. Dabei arbeitet sich die Serie sehr clever an den verschiedenen, politischen Höhepunkten der Thatcher-Ära ab, um die Brisanz dieser Themen mehr als deutlich zu machen und dabei beiden Frauen sowohl Kritik als auch Achtung entgegenzubringen.
Doch wie im echten Leben all dieser Persönlichkeiten kommt nun auch die vierte Staffel mit einem weiteren Neuzugang daher, auf den das Publikum sehnlichst gewartet hat und der das Königshaus absolut auf den Kopf stellte und alle restlichen Handlungen überstrahlt. Schon den ersten Auftritt von Prinzessin Diana inszeniert "The Crown" mit solch einer Verve, dass es Gänsehaut verursachen kann... und nachfolgend war es eine mehr als kluge Entscheidung, die Dramaturgie der gesamten Staffel immer mehr mit Diana als Fixpunkt zu errichten. Auch wenn die Show die Prinzessin bisweilen ein bisschen aus den Augen verliert, bleibt sie der dramatische Fokus dieser zehn Folgen, was nur folgerichtig ist. Wie in den wahren Begebenheiten bringt diese neue Personalie nämlich einen frischen Schwung und echte, ungestellte Gefühle ein, die alles übertreffen, was man bislang mit der Serie verbunden hat. Dabei spielt "The Crown" mehr als erfolgreich, das aber auch wirklich jeder um Dianas Person und ihre tragische Zukunft weiß und spielt dieses Element deswegen genüsslich, aber niemals effekthascherisch, sondern mit einer elektrisierenden, schier magischen Atmosphäre aus.
Es verwundert daher nicht, dass Emma Corrin als neuer Fixpunkt alle anderen Cast-Mitglieder aussticht... auch das ist nur folgerichtig. Denn Corrin spielt Diana nicht, sie ist Diana. Sie verschwindet, auch dank grandioser Arbeit der Hairstyling- und Kostümbildner*innen, völlig hinter der historischen Persönlichkeit und hat sich mit akribischer Detailfreude die Körperlichkeit, Gestik und Mimik der echten Diana aufgeladen, ohne dass sie dabei aber ihren eigenen Stempel vergessen und die Rolle somit zu einer Kopie machen würde. Corrin ist die Idealbesetzung, begeistert von der ersten Szene an mit einer unglaublichen Authentizität und die Drehbücher, die ihren Charakter auf dramaturgisch äußerst wirkungsvolle Weise über die Staffel verteilen, spielen ihr dabei bravourös in die Hände. Da müssen dann sogar andere, große Stars wie "Harry Potter"-Star Helena Bonham Carter zur Seite treten, um Corrin und Colman das Feld zu überlassen. Allerdings halten die Drehbücher auch hinsichtlich Prinz Philip oder Prinzessin Margaret immer wieder Kniffe parat, wenn diese auch im realen Leben oftmals übersehenen Personen hier ebenfalls beinahe im Hintergrund zu verschwinden drohen... um dann im richtigen Moment so offensiv und überraschend wieder aufzuschlagen, dass einem Hören und Sehen vergeht.
Fazit: Es ist sicherlich der Verdienst der sagenhaften Emma Corrin und der schieren Verbeugung vor dem Einzug von Prinzessin Diana in die Serie, dass diese Staffel in ihrem Aufbau und der dramaturgischen, düsteren Verflechtung verschiedener Ereignisse die beste der bisherigen Serie ist. Endlich deutlich fokussierter, ungemein lehrreich, gnadenlos gut gespielt, packend bis zur letzten Minute - das ist Serienkino in bester Manier.
Note: 2+
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