The Crown - Die fünfte Staffel

1991: Queen Elizabeth (Imelda Staunton) sieht sich mit einem reißerischen und angriffslustigen Artikel der Sunday Times konfrontiert, welche mit harschen Worten ihre Abdankung fordert, um ihren Sohn Prinz Charles (Dominic West) nachfolgen zu lassen. Indes hadert Prinzessin Diana (Elizabeth Debicki) immer mehr mit ihrem Leben innerhalb des britischen Könighauses. All ihre Versuche, sowohl mit Charles als auch mit der Königin über etwaige Probleme zu reden, verlaufen im Nichts, was Diana in eine schwere Depression stürzt. Ohne weitere Auswege zu erkennen, beschließt sie an die Öffentlichkeit zu gehen und die wahren Hintergründe ihres Lebens im Palast durch ein Buch kundzutun. Der einzige, der noch ehrlich an Diana appellieren will, scheint dabei Philip (Jonathan Pryce) zu sein, doch auch er ist vorrangig darum bemüht, das Königshaus zusammenzuhalten... wenn es sein muss, auch über den Kopf der völlig im Stich gelassenen Prinzessin hinweg.

Zum zweiten (und wahrscheinlich letzten) Mal wird die Besetzung in "The Crown" ausgetauscht, um dem fortschreitenden Alter der zahlreichen, realen Persönlichkeiten gerecht zu werden... und diesmal war ich wirklich traurig. Dass ich mich irgendwann zwangsläufig von den großartig aufspielenden Olivia Colman oder Helena Bonham Carter würde verabschieden müssen, war mir klar, doch wer sollte diese beiden und all die anderen Ikonen ersetzen können? Mal wieder hatte das Team darauf aber eine mehr als beeindruckende Antwort, denn wer würde schon gegen die Besetzung von "Harry Potter"-Star Imelda Staunton in der Rolle der nunmehr gealterten Queen Elizabeth rebellieren? Tatsächlich ist Staunton, wie bereits Claire Foy und Olivia Colman vor ihr, die Idealbesetzung für die Verkörperung der ebenso rustikalen wie sensiblen Königin und glänzt dementsprechend durchweg. Auch neben ihr hat man namhafte Verstärkung an Bord holen können: So freute ich mich wahnsinnig darüber, dass die britische Schauspiellegende Jonathan Pryce hier mal wieder auftreten darf und seine Performance als Elizabeth's Gatte Philip ist erwartungsgemäß großartig. Zudem hat man den Cast um solch illustre Namen wie Lesley Manville, Jonny Lee Miller und Dominic West ergänzt, welcher nun das Erbe des grandiosen Josh O'Connor in der Rolle von Thronerbe Charles antritt.
Ein Abschied schmerzte aber besonders... und das nicht, weil die Macher keine stimmige Besetzung für die nun erwachsene Prinzessin Diana gefunden hätten. Ganz im Gegenteil, "Der große Gatsby"-Star Elizabeth Debicki kommt der englischen Ikone nicht nur optisch ungemein nahe, sondern überzeugt auch mit einer emotional packenden Performance, die regelrecht unter die Haut geht. Doch diese schier magische, ungezwungene und schlichtweg einmalige Ausstrahlung, welche Emma Corrin zuvor in dieser Rolle verkörperte, die lässt sich einfach nicht wiederholen - nicht einmal mit einer brillanten Mimin wie Debicki. Dementsprechend habe ich Corrin vermisst, obwohl mir klar war, dass ein Austausch der Besetzung in diesem Falle auf der Hand liegen musste und unvermeidbar war. Tatsächlich ist Prinzessin Diana auch diesmal wieder der weitestgehende Fixpunkt der Handlung, was weiterhin nur rechtens ist. Von ihr und ihrem derzeitigen Stand in der Serie gehen die größten Konflikte aus, was immer dann spürbar ist, wenn Diana in einzelnen Folgen mal keinen großen Auftritt bekommt.
Denn tatsächlich dreht sich die Serie abseits der ganz großen Brandherde diesmal ein bisschen im Kreis. Es ist zumindest zum jetzigen Zeitpunkt fraglich, ob wirklich alle dieser Nebenplots noch zu solch einer enormen Größe aufgeplustert werden mussten - so zum Beispiel die Geschichte eines Filmproduzenten, der im Konflikt mit seinem Vater steht. Auch Diskussionen rund um die königliche Yacht oder weitere Scherereien mit einem weiteren, neuen Premierminister wirken bisweilen ein bisschen zäh und sorgen dafür, dass die Geschichte abseits ihrer wirklich großen und gewichtigen Geschichten etwas zu unaufgeregt dahindümpelt. Immerhin sorgt der zeitliche Fortschritt aber auch für ein bisschen Humor, wenn sich die sonst so stocksteif gebende Königin plötzlich mit solch neumodischer Technik wie hunderten neuen Fernsehkanälen auseinandersetzen muss - sehr sympathische Einblicke in das heimliche Privatleben der königlichen Menschen, die so angenehm ungezwungen daherkommen. Am Ende dieser Staffel hat man erneut sehr viel erfahren über Elizabeth, Charles und Diana und gerade in der Staffelmitte gibt es dabei einige Momente, die uns richtiggehend aufrütteln. Zwischen diesen Highlights gibt es aber auch einige Hänger zu vermelden, die dazu führen, dass die Ruhe vor dem Sturm der finalen Season etwas schwächer ist als einige vorherige Staffeln.

Fazit: Abseits der großen Konflikt-Brandherde dümpelt die fünfte Staffel von "The Crown" manchmal zu lange an Situationen herum, die wir so ähnlich bereits aus früheren Folgen kennen und dreht sich hin und wieder ein bisschen im Kreis. Dank der wie gehabt großartigen Inszenierung und einer mal wieder fantastischen, neuen Besetzung ist die Serie aber nach wie vor erhellende und spannende Fernseh-Unterhaltung mit dem gewissen Etwas.

Note: 3+



Kommentare