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Bring Her Back

Als ihr Vater urplötzlich unter der Dusche stirbt, stehen der siebzehnjährige Andy (Billy Barratt) und seine jüngere, mit einer Sehstörung geplagte Schwester Piper (Sora Wong) alleine da. Eine Pflegemutter namens Laura (Sally Hawkins) möchte zumindest Piper aufnehmen, während Andy die Vormundschaft für seine Schwester beantragen möchte, sobald er in drei Monaten achtzehn geworden ist - bis dahin soll auch er gemeinsam mit Piper bei Laura leben. Sie teilen sich das großzügige Wohnhaus mit Oliver (Jonah Wren Phillips), einem weiteren Pflegekind Lauras, der vom ersten Tag an einige mehr als seltsame Verhaltensweisen an den Tag legt. Schon nach kurzer Zeit glaubt Andy, dass Laura ihn loswerden und gar Piper gegen ihn aufbringen möchte. Und da Andy mit dieser Vermutung richtig zu liegen scheint, bricht zwischen ihm und der Pflegemutter, die ein schockierendes Geheimnis bewahrt, alsbald ein echter Psycho-Krieg aus, der auch in Gewalt mündet...

Es gibt doch einige Dinge, die einen nachhaltig stören an dem zweiten Film der beiden vor rund zwei Jahren mit ihrem Hollywood-Debüt Talk to Me für allerlei Aufsehen sorgenden Philippou-Brüder. Die ehemaligen YouTuber, die nun als eine der großen Hoffnungen für die Zukunft des Horror-Kinos gelten (und das auch zurecht), hatten hier nämlich eine großartige Idee, die aber an einigen Stellen hapert. So entschließt sich auch Bring Her Back bezüglich des zentralen Horror-Mythos enorm vage zu bleiben und allerlei Antworten ziemlich grob auszusparen. Was im Horror-Kino oft gang und gäbe ist, um diverse Mythen und Antagonisten nicht zu entmystifizieren, stellt sich hier aber als fatal heraus, da eine gewisse Willkür bezüglich dem, um was es hier geht und wie das alles funktionieren soll, zu entstehen droht. Willkürlich kommen dabei auch die ungemein rabiaten Splatter-Einlagen daher, die gerade in der zweiten Hälfte so wirken, als würden sie die packende, im Kern aber nicht allzu gehaltvolle Geschichte mit ein paar Schockeffekten aufhübschen wollen. Diese Geschichte ist dann leider auch wenig subtil erzählt und speist seine Spannung mehr aus dem "Warum" als wirklich falsche Fahrten zu legen oder seine Figuren etwas doppelbödiger zu gestalten.
Das klingt nun alles ziemlich negativ, doch darüber hinaus ist Bring Her Back trotzdem ein guter, bisweilen auch sehr guter Vertreter des Genres geworden - er kann nur nicht ganz in die Sphären vorstoßen, in denen uns das Jahr 2025 in einer Tour mit hervorragenden Horror-Perlen wie Together - Unzertrennlich oder dem nun gar oscarnominierten Weapons versorgte. Aber das ist ja nicht weiter wild, denn wir können uns trotzdem noch über das freuen, was uns der Film gibt. Die Figuren sind durch die Bank weg spannend gezeichnet und die familiäre Dynamik zwischen den beiden als Identifikationsfiguren taugenden Geschwistern auf der einen und der offensichtlich emotional irgendwie entrückten Pflegemutter auf der anderen Seite sorgt für elektrisierende Spannung. Und ob man ihre Figur nun wahnsinnig anstrengend findet oder von ihrem irren Wahn gar völlig erschlagen wird: Was Godzilla-Star Sally Hawkins hier aufs Parkett legt, ist kein leises, aber dennoch brillantes Schauspiel. So versteht sich auch der Film an sich: Kein Film der leisen Töne, sondern eine ziemliche Gaudi aus Terror, der sich vor allem in der letzten halben Stunde ungemein heftig entlädt.
Denn obwohl ich zuvor noch darüber gemosert habe, dass die einzelnen Splatter-Effekte hier etwas willkürlich eingefügt wurden - sie sind trotzdem so dermaßen gut gemacht, dass man sich davor nur verbeugen möchte. Mit einigen hervorragenden Maskentricks und ohne künstlich wirkende CGI-Tricks entstehen hier einige Momente, die sich förmlich ins Hirn einbrennen. Und wer die Szene, die ziemlich direkt etwas mit einer Art Esszimmertisch zu tun hat, tatsächlich übersteht, ohne sich dabei abzuwenden, muss Nerven wie Drahtseile und einen starken Magen haben. Das ist schon wahnsinnig gut gemacht, so wie auch der gesamte Film hervorragend inszeniert ist. Denn auch wenn ich eher ein Fan des leiseren, schleichenden Horrors bin, so ist Bring Her Back durchgehend grandios gefilmt und geschnitten, sodass ich schnell eine starke Atmosphäre einstellt und einzelne Bilder ungemein gut durchkomponiert sind. Das gereicht dann locker, um Danny und Michael Philippou weiterhin zu den Hoffnungsträgern des modernen Horror-Kinos zu zählen, sodass man mehr als gespannt sein darf, was die beiden in diesem Genre wohl als nächstes anbieten. Man möge ihnen dabei bitte möglichst freie Hand lassen, denn die beiden scheinen durchaus zu wissen, was sie tun.

Fazit: Auch wenn die Geschichte im Kern nicht allzu gehaltvoll ist und der Film sehr brachiale, wenig subtile Töne anschlägt, so zieht einen die elektrisierende Atmosphäre, gepaart mit einer sehr treffsicheren und dynamischen Inszenierung, schnell in den Bann... und kreiert dabei bisweilen Bilder, die man so schnell nicht mehr vergisst.

Note: 3+



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