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Running Man

Dreißig Jahre in der Zukunft wird Amerika von einem Polizeistaat regiert. Unschuldige Menschen werden brutal behandelt, es kommt zu Ausschreitungen und Hungersnöten. Als menschenverachtendes Highlight unter den Teilen der bessergestellten Bevölkerung gilt die Show Running Man, in welchem Menschen gegen Geld um ihr Leben kämpfen müssen. Zu einem Kandidaten dieser Show soll auch der als Mörder verurteilte, in Wahrheit aber unschuldige, ehemalige Staatspolizist Ben Richards (Arnold Schwarzenegger) werden. Als von allen gehasster Massenmörder soll er die Einschaltquoten der Sendung auf ein neues Hoch bringen. Dass sich der muskelbepackte Hüne in dem Drängen darauf, seine Unschuld beweisen zu können, jedoch gegen die fiesen Jäger mehr als nur durchsetzen kann, ist von den Machern der Sendung nicht eingeplant worden...

Der 1982 erschienene Roman Menschenjagd mag vielleicht nicht zwingend Stephen Kings bester Roman sein, aber einer seiner eindringlichsten. Komplett fiktional und trotzdem nicht allzu unrealistisch skizziert er darin eine unheimliche Zukunft, in welcher die USA zu einem Polizeistaat werden und ein einzelner Mann um sein Leben rennen muss, um seine Familie zu retten... was auf alle Fernsehapparate im ganzen Land ausgestrahlt wird, damit sich die Zuschauer vor dem heimischen Fernseher schön darüber amüsieren können. Diese Medienkritik wurde heutzutage in großen Filmen und Franchises wie Die Tribute von Panem mehr als einmal unterstrichen... und in den heutigen Zeiten sind diese Geschichten wohl noch wichtiger als je zuvor. Was aber im Jahr 1987 verbrochen wurde, als Kings Roman zum ersten Mal verfilmt wurde, kann man sich kaum mehr vorstellen. Kings eindringliche und wichtige Geschichte wurde für die reine Massentauglichkeit zu einem banalen Action-Fest zusammengekürzt, welches allerhöchstens noch in Ansätzen etwas mit dem Buch zu tun hat.
Denn da Arnold Schwarzenegger aufgrund seiner Mega-Hits als Conan, der Barbar und der (damals noch böse) Terminator einfach voll in Mode war, beschloss man sich, Kings Roman auf den Kraftsportler umzuschreiben... und daraus eine typische 80er-Jahre-Schwarzenegger-Nummer zu machen, wie sie damals alle paar Monate aus dem Boden schossen. Das Ergebnis ist eine Beleidigung für die Buchvorlage, obwohl man Film und Buch angesichts der völlig anders ausgerichteten Geschichte praktisch nicht mehr vergleichen kann. Und selbst wenn man das nicht tut, dürfte einem bei der Sichtung von Running Man schon nach wenigen Minuten das Gehirn einschlafen. Bei einer wilden und völlig banalen Aneinanderreihung von (semi-)coolen Sprüchen des Hauptdarstellers, ständigen Nahaufnahmen seiner Muskeln und wilden Kostümen der albernen Gegenspieler bleibt die eigentliche Medienkritik nicht nur zurück, sie wird gleich ganz ausgelöscht. Ein ernsthafte Auseinandersetzung mit der Zukunft der Menschheit als Unterdrückte wird hier zu einer poppig-bunten Wrestler-Manie umgestaltet - auf so einen Blödsinn muss man erst mal kommen.
Dass der Film auch technisch schlecht gealtert ist und seine zahlreichen Actionszenen mittlerweile jedes Tempo und jeden Esprit vermissen lassen, ist dabei nicht das eigentliche Problem - viel schlimmer ist es, wie sehr sich alle Beteiligten (Schwarzenegger inklusive) hier der Lächerlichkeit preisgeben, wenn die bösen Jäger auf einem Eishockeyfeld (!) in hautengen Hosen (!!) mit explosiven Pucks (!!!) auf ihre in ebenfalls hautengen Ganzkörperanzügen (!!!!) Feinde schießen. Spätestens ab diesem Moment dachte ich, ich hätte mich in einen Looney-Tunes-Cartoon verirrt oder hätte einfach nur einen sehr, sehr merkwürdigen Fiebertraum. Aber nein, das ist schon ein echter Film, der zudem (ich kann es nicht oft genug wiederholen) auf einer sehr ernsten und düsteren Romanvorlage beruht. Dass Running Man zudem noch mit einer völlig schalen und zugleich toxischen Liebesgeschichte aufwartet und sich kaum kritisch mit dem Medienzirkus auseinandersetzt (stattdessen wird einfach alles abgefackelt), fällt da kaum noch ins Gewicht, ist aber ebenso ärgerlich. Zumindest freue ich mich nun aber so richtig auf das 2025 erschienene Remake von Edgar Wright, welches sich wohl näher an die Romanvorlage halten, dabei aber dennoch einen wilden Ton beibehalten soll. Das dürfte wahrscheinlich ziemlich gut werden - besser als dieser Schund ohnehin.

Fazit: Muskelbepackte Hünen hauen sich in bunten Klamotten auf die Schnauze und zwischendurch explodiert immer wieder etwas. Dass solch ein Schundfilmchen auf einer so wichtigen und intelligenten Romanvorlage beruht, klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber die furchtbare Realität.

Note: 6+



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