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Der kleine Vampir (2000)

Erst vor einigen Wochen ist der neunjährige Tony Thompson (Jonathan Lipnicki) gemeinsam mit seinen Eltern (Pamela Gidley, Tommy Hinkley) nach Schottland gezogen und hat bislang keinen Anschluss unter den Gleichaltrigen gefunden. Ganz im Gegenteil, aufgrund der sehr fantasievollen Geschichten über Vampire, von denen er zudem jede Nacht sehr lebendig träumt, wird er von seinen Mitschülern gar gehänselt. Tony ist deswegen traurig, ist jedoch auch überzeugt, dass an seinen Träumen etwas dran ist und diese Vampire tatsächlich existieren. Umso erfreuter ist er, als eines Tages der Vampir Rüdiger von Schlotterstein (Rollo Weeks) in seinem Zimmer auftaucht und ihn auf ein Abenteuer mitnimmt. Doch Rüdiger und seine Familie sind in Gefahr und brauchen zum Überleben einen verlorengegangenen Stein... und nur Tony scheint aufgrund seiner sehr realen Träume zu wissen, wo dieser sich befindet.

Gute Kinderfilme unterhalten die jüngeren Zuschauer nicht nur mit einer angemessenen Menge an kindgerechtem Spektakel, sondern halten auch ein paar feine Lehren für sie bereit, unterhalten ebenso die Erwachsenen und wissen gekonnt durch Herz und Witz zu überzeugen. Möchte man einen guten Familienfilm anhand dieses recht simpel gehaltenen Maßstabes bewerten, so würde die Realfilmvariante von Der kleine Vampir aus dem Jahr 2000 mit Pauken und Trompeten durchfallen. Dabei ist das geringste Problem noch, dass das Werk aufgrund der extrem plakativen Figuren und der mauen Inszenierung für Erwachsene kaum mehr schaubar ist. Stattdessen leistet sich der Film auch einen Bärendienst an den jungen Zuschauern, die zwar mit einer Menge (ziemlich schlecht gealterter) Spezialeffekte geblendet werden, darüber hinaus aber auch eine Hauptfigur vor die Nase gesetzt bekommen, die völlig daneben agiert.
Dass Jonathan Lipnicki trotz seiner Hauptrolle in den beiden Stuart Little-Filmen nie eine wirkliche Karriere in Hollywood aufbauen konnte, liegt angesichts einer ohnehin recht flachen Schauspielleistung und dem völligen Fehlen an kindlichem Charme (wovon ja beispielsweise die drei Harry Potter-Hauptacts in den ersten Zauberer-Filmen noch jede Menge hatten) auf der Hand. Es ist aber nicht nur das Fehlen von einer richtigen Ausstrahlung, sondern die sehr altkluge Art, mit der Lipnicki auftritt. Stets seine Mitmenschen verbessernd, mies grinsend und kreischend geht er den Erwachsenen ohnehin schon mächtig auf den Zünder. Das Drehbuch macht aus seinem Charakter (fast schon passend) dann einen echten Kotzbrocken, der als perfektes Negativ-Beispiel einer Vorbildfigur für Kinder dient. Besonders herausragend ist dabei die Storyline rund um zwei Mobber, die Tony in der Schule das Leben schwer machen. Kaum hat er den Spieß nämlich umgedreht, schlägt Tony die beiden Scharlatane nicht mit Freundlichkeit oder ignoriert sie zumindest einfach, sondern erklärt sie finster zu einer Art Sklave, piesackt sie genauso wie sie ihn zuvor und behält damit Recht. Rache als Form der Konfliktlösung empfinde ich jedoch als wenig kinderfreundlich.
Der Rest drumherum hält dieser Flaute durchaus stand. Die Kostüme sehen aus wie vom Mittelalterfest um die Ecke, die musikalische Untermalung lässt vermuten, dass das Dorftheater von der nächsten Kleinstadt kurz sein Mini-Orchester vorbeigeschickt hätte und die visuellen Effekte haben nicht nur Staub angesetzt, sondern waren auch schon im Jahr 2000 keinesfalls state of the art. Natürlich kann man bei Kinderfilmen hierbei durchaus ein Auge zudrücken, wenn dann darüber hinaus das Herz der Geschichte stimmt oder sympathische Figuren eben jenes erobern. Aber auch hier agieren die Macher nicht nur mit Klischees, sondern ausschließlich mit reinen Karikaturen, wobei gestandene Schauspieler wie Richard E. Grant oder die (damals noch unerfahrene) Anna Popplewell, die fünf Jahre später mit der Die Chroniken von Narnia-Reihe ihren Durchbruch feierte, so agieren müssen, als würden sie sich in der Augsburger Puppenkiste verirren... wobei die ja immerhin noch Charme hatte. Die Nummer hier bleibt hingegen völlig wertfrei, seelenlos und überkandidelt, langweilt und ärgert zu gleichen Teilen. Vielleicht schaue ich mir demnächst dann doch lieber mal den Animationsfilm aus dem Jahr 2017 an, um zu schauen, ob dieser mehr oder zumindest sympathischere Dinge zu dieser Geschichte zu erzählen hat.

Fazit: Ziemlich ätzender, weil vor allem moralisch arg seltsam ausgerichteter Fantasy-Film, der hinsichtlich seiner Optik wie eine schlechte Kindertheater-Vorstellung aussieht und aufgrund seines Hauptdarstellers, der hier einen wahren Kotzbrocken spielt, viel Nervpotenzial besitzt.

Note: 5+



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