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Servant - Die erste Staffel

Die Nachrichtensprecherin Dorothy Turner (Lauren Ambrose) hat vor einigen Wochen ebenso wie ihr Ehemann Sean (Toby Kebbell) eine schwere Familientragödie erlitten. Wie Dorothy mit dieser nun umgeht und sich somit bereits in eine Art eigene, die Tragödie ignorierende Realität flüchtet, stößt Sean zwar sauer auf, doch er lässt sie gewähren, in der Hoffnung, dass sie so damit umgehen kann. Um sie zu unterstützen, stellt Dorothy das junge Kindermädchen Leanne Grayson (Nell Tiger Free) ein, die sich um das gemeinsame Kind kümmern soll. Schon früh fallen Sean dabei ein paar merkwürdige Verhaltensweisen Leannes auf, die er jedoch Dorothy kaum beichten kann. Auch ihr Bruder Julian (Rupert Grint) nimmt Seans Sorgen nicht wirklich ernst. Doch als Sean eines Abends einen Blick in das Kinderbett wirft, kann er kaum fassen, was er dort erblickt und weiß, dass irgendetwas mit Leanne nicht stimmt...

Einen Film (oder in diesem Fall eine Serie) von M. Night Shyamalan zu schauen ist ein bisschen wie Hütchenspielen. Es besteht die realistische Möglichkeit, hier etwas richtig Gutes zu erwischen, wenn man bedenkt, dass Shyamalan besonders zum Beginn seiner Filmkarriere solch unvergleichliche Mystery-Klassiker wie Unbreakable oder vor allem The Sixth Sense erschuf. Zudem wurde Shyamalan aufgrund mehrerer, heftiger Flops aber auch schon mehrfach mit der Goldenen Himbeere ausgezeichnet - Flop und Top scheinen hier also nahe beieinander zu liegen. Mit der von Shyamalan produzierten Serie Servant, wobei der Meister himself für zwei Episoden auch selbst auf dem Regiestuhl Platz nahm, ist erstmal kein weiterer Totalausfall zu befürchten. Tatsächlich wird in der ersten von insgesamt vier Staffeln ein ziemlich spannendes Mysterium aufgemacht, dass anschließend gut bei der Stange hält. Typisch für eine Serie wie diese muss man sich die ganz großen Wendungen zwar für den Schluss aufsparen, weswegen die Show im Mittelteil etwas Schwung einbüßt, aber generell bleibt die Nummer eigentlich ziemlich spannend.
Das hat auch damit zu tun, dass hier auf ziemlich gute Art und Weise die von Shyamalan bekannte, hier aber recht einfallsreich abgewandelte Mystery-Nummer auch in ein Charakter-Drama verwandelt wird. Es gibt zwar nur wenige handelnde Figuren, die sind dafür aber gut geschrieben und wissen zu fesseln. Natürlich offenbart eine psychisch offenbar völlig neben sich stehende, weibliche Hauptfigur wie Dorothy Turner hin und wieder ein gewisses Nervpotenzial, doch das tiefe Drama ihrer Figur weiß dennoch zu fesseln. Und dann wäre da natürlich auch noch das mysteriöse Kindermädchen, welches für mehrere Überraschungen gut ist und dabei immer wieder packend zwischen möglicher Widersacherin oder einsamer Heldin pendelt - so wirklich sicher kann man sich bei ihr nie sein und Game of Thrones-Star Nell Tiger Free kann die Ambivalenzen dieser Figur auch passend übertragen. Nicht zu erwarten war jedoch, dass die reifste Leistung von einem Schauspieler abgeliefert wird, den man so kaum noch auf dem Schirm hatte: Rupert Grint, bekannt als Ron Weasley aus den Harry Potter-Filmen, agiert hier nämlich so leichtfüßig und mit enormer Ausstrahlung, dass seine Figur mit der Zeit zum Fanliebling aufsteigt.
Nein, das ist alles durchaus fesselnd, wenn auch nicht revolutionär und macht deswegen Lust auf die folgenden Staffeln... auch wenn abzuwarten bleibt, ob dieses an und für sich ja recht einseitige Konzept wirklich noch für drei weitere Seasons ausreicht. Indiskutabel ist aber ein optisches Problem, welches gerade bei Apple-Serien, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, immer wieder auftaucht. Denn die Serie ist nicht nur einfach äußerst dunkel gefilmt (was bei einem Thema wie diesem ja durchaus passen würde), sondern mal wieder extrem schlampig ausgeleuchtet. Dass man in dunklen Szenen vor lauter Graustufen praktisch nichts mehr erkennt, obwohl das Bild trotzdem nicht sattes Schwarz abbilden will, hat dabei auch nichts mehr mit irgendeinem hässlichen Stilmittel zu tun, sondern schlichtweg damit, dass hier äußerst faul gearbeitet wurde. Die Ausleuchtung am Set gerät so desaströs, dass man die Gesichter der Akteure bisweilen nicht mehr sieht und das finale Colorgrading setzt dem ganzen noch die Krone auf. Ich hoffe sehr, dass die Serie diese Probleme in den kommenden Staffeln ausbügelt, denn wenn eine Serie selbst auf meinem OLED, der solcherlei Dunkelstufen hervorragend abbilden kann, so bescheiden aussieht, dann weiß man, dass hier auf den Look kein Wert gelegt wurde.

Fazit: Das Mysterium ist spannend und hält, trotz einiger Durchhänger, aufgrund stetiger neuer Überraschungen und packender Figuren bei der Stange. Die Optik ist jedoch insbesondere hinsichtlich der schlampigen Ausleuchtung ein echtes Ärgernis, was so bei Apple-Serien schon mehrfach vorkam - man erinnere sich zum Beispiel an die zweite Staffel von Silo.

Note: 3



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