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Servant - Die dritte Staffel

Es scheint endlich ein gewisser Frieden in das Leben der Familie Turner eingekehrt zu sein. Jericho ist endlich wieder bei seiner ihn umsorgenden Mutter Dorothy (Lauren Ambrose) und auch ihr Bruder Julian (Rupert Grint) ist nach einem Entzug wieder auf den Beinen, hat in der ebenfalls cleanen Vera (Sunita Mani) sogar eine neue Freundin gefunden. Alles könnte gut sein, doch eine ist der trügerischen Sicherheit gegenüber mehr als skeptisch: Kindermädchen Leanne (Nell Tiger Free). Diese glaubt noch immer an eine Bedrohung für den kleinen Jericho und den Rest der Familie Turner und befürchtet tagtäglich, Mitglieder der Sekte, aus der sie entstammt, könnten sich Zugang zum Haus verschaffen. Julian hingegen glaubt, dass sich Leanne in ihrem Trauma diese Gefahr nur noch einbildet... auch weil sie in ihrem schieren Wahn damit beginnt, Dorothys Familienglück, wenn auch unabsichtlich, zu manipulieren.

Als die erste Staffel von Servant endete, gab M. Night Shyamalan einen Ausblick auf seine Pläne mit der Serie - nach seiner Vorstellung könnte diese über sechs Staffeln laufen, um dann zu enden. Eine solch lange Laufzeit ist mittlerweile kaum mehr vorstellbar, da man merkt, wie lang die Geschichte gezogen werden muss, um überhaupt auf die vier Seasons zu kommen, die es letztendlich wurden. Es passt zwar irgendwie zum Thema, ist aber mehr als auffällig, dass gerade die dritte Staffel über weite Strecken nur Babyschrittchen bezüglich des Handlungsfortschritts verübt... wobei eigentlich auch gar nicht mehr klar ist, wohin diese Handlung eigentlich laufen soll. Ein klares, festes Ziel gibt es immer noch nicht und im Grunde steht ein Konflikt im Raum, der sich ständig im Kreis dreht. Dabei ist entweder die Angst vor einer wenig greifbaren, möglichen Bedrohung der Faktor, aus dem sich die Spannung ziehen soll, oder man dreht das Vertrauensspielchen um eine weitere Runde, wobei entweder die junge Nanny oder die hyperventilierende Mutter abwechselnd zum neuen Sorgenfall, dem man nicht über den Weg trauen darf, auserkoren werden.
Doch nun folgt das große Aber. Denn obwohl es mehr als auffällig ist, dass die Serie mit wenigen Varianzen die gleichen Konflikte durchkaut und hinsichtlich der zentralen Mysterien gar nicht mehr vorankommt, sich sogar noch umständlicher verheddert, zieht einen die dritte Staffel wieder deutlicher in ihren Bann. Das liegt daran, dass der Nicht-Fortschritt der Handlung hier nicht, wie noch in der zweiten Season, mit allerlei komplettem Blödsinn gefüllt wird, sondern man die Zeit dafür nutzt, immer wieder ein bisschen Charakterarbeit zu leisten. Nicht alles davon ist notwendig und manchmal wird auch zu viel Zeit zum Aufbau eines potenziellen Subplots aufgewendet, aus dem sich dann gar nichts mehr speist - so zum Beispiel der kurzzeitige Auftritt einer neuen Konkurrentin für den angehenden Koch Tobe. Aber die Serie bleibt charakterzentriert genug, um zumindest bei der Stange zu halten und uns die bekannten Figuren immer wieder von Seiten zu zeigen, die interessant daherkommen und die ganze Chose, selbst wenn sie sich kaum von der Stelle bewegt, irgendwie lebendig hält.
Auch die Atmosphäre ist wieder deutlich dichter und vermeidet solch peinliche Trash-Ausrutscher wie in der direkten Vorgängerstaffel. Richtige Horror-Elemente finden sich zwar weiterhin nicht, aber Shyamalan und sein Team haben zumindest wieder eine ordentliche Stimmung geschaffen, die durchaus funktioniert. Hin und wieder gibt es dann einige Überraschungen, die Inszenierung ist wieder etwas gewagter und flotter und auch die Probleme mit dem seltsamen Look sind mittlerweile quasi vollständige Vergangenheit - tatsächlich sieht Servant nun auch trotz allerlei Stilmittel sehr hübsch aus. Der Cast macht seine Sache weiterhin gut, Rupert Grint ragt erneut heraus, bekommt diesmal aber auch deutliche Konkurrenz von Game of Thrones-Star Nell Tiger Free, die immer besser in die Rolle der mysteriösen Nanny hineinwächst. Keine Veränderung gibt es zudem bei der Figur der Mutter Dorothy, die immer noch genauso unausstehlich und hyperventilierend daherkommt wie zuvor und deswegen ordentlich an den Nerven zehrt. Mittlerweile bin ich jedoch davon überzeugt, dass dies pure Absicht ist und die Performance von Lauren Ambrose dementsprechend vielleicht nicht nervig ist, sondern sogar regelrecht genial... denn man muss schon wirklich talentiert sein, um eine Figur so zu spielen, dass man sie absichtlich und leidenschaftlich hasst.

Fazit: Auch wenn sich die Geschichte kaum bewegt und man auch gar nicht mehr weiß, auf welches Ziel diese nun eigentlich zusteuert, hat das Team die Figuren wieder besser im Griff, erschafft eine stärkere Stimmung und hält mit kleinen, feinen Ideen bei der Stange. Die Ruhe vor dem finalen Sturm hat also durchaus ihre für die Serie typischen Schwächen, aber auch viele, neue Stärken.

Note: 3



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