Direkt zum Hauptbereich

Während Du schliefst

Schon seit längerer Zeit hat sich die Ticketverkäuferin Lucy Moderatz (Sandra Bullock) in den attraktiven, ihr jedoch völlig unbekannten Peter Callaghan (Peter Gallagher) verliebt - jeden Morgen sieht sie ihn, wenn er ein Ticket für die U-Bahn an ihrem Schalter kauft, hat jedoch noch nie ein Wort mit ihm gewechselt. Als Peter eines Morgens auf die Gleise gestoßen wird, rettet Lucy ihm das Leben. Im Krankenhaus wird der Mann vorsorglich in ein Koma versetzt und Lucy versucht, irgendwie zu ihm zu gelangen. Als Peters Familie eintrifft, halten sie Lucy aufgrund einiger falscher Informationen des Krankenhauspersonals für dessen Verlobte. Lucy gelingt es nicht, das Missverständnis rechtzeitig aufzuklären und möchte erst mal irgendwie mit der Lüge weitermachen... bis sie Peters nicht minder attraktiven, aber gegenüber Lucy auch arg skeptischen Bruder Jack (Bill Pullman) kennenlernt.

Ohne nun allzu zynisch zu sein: In der heutigen Zeit würde man die Aneinanderreihung von mindestens unwahrscheinlichen Situationen und Hindernissen, die stets dazu führen, dass Lucy der Familie doch nicht die ganze Wahrheit über ihre wahre (praktisch nicht existente) Beziehung zu diesem mysteriösen Peter Callaghan mitteilen kann, als gnadenlos forciert bezeichnen. Aber so ist das nun mal irgendwie mit den Komödien der 90er Jahre - sie sind in ihren Handlungen nicht immer (aber natürlich trotzdem immer wieder) allzu galant oder logisch aufgebaut, haben jedoch ihren ganz eigenen Charme. Ohne etliche Rechenschieber im Hintergrund, die austüfteln, wie der Film denn nun bei welcher Zielgruppe ganz genau ankommen kann, sondern einfach ein bisschen mit dem Kopf durch die Wand... und mit einer ganzen Wagenladung an Herz und angenehm unaufdringlichem Humor im Gepäck. Es ist kein Wunder, dass sich der Film über die Jahre zu einem Weihnachts-Klassiker mauserte.
Nicht nur nicht unschuldig, sondern an dem Erfolg des Films wesentlich beteiligt ist natürlich Hauptdarstellerin Sandra Bullock. Die hatte ziemlich genau ein Jahr zuvor mit dem Action-Hit Speed ihren endgültigen Durchbruch in Hollywood gefeiert und führte nun sogar eine auch darüber hinaus prominent besetzte Komödie an, die ohnehin Hit-Potenzial hatte. Die Macher waren also bereit, alles auf die Karte Bullock zu setzen (na gut, nachdem Julia Roberts abgesagt hatte, aber das ist eine andere Geschichte) und gewannen damit haushoch: Der spätere Ocean's 8-Star bewies, dass er mehr als nur in der Lage war, eine solche Produktion auf den eigenen Schultern zu tragen und mit dem für Bullock typischen, rohen Charme auszustatten. Natürlich gibt es auch einige spaßige und herzliche Nebenfiguren, so nicht zuletzt auch den loyalen und mit allerlei Weisheiten um sich werfenden Saul, wunderbar gespielt von Altstar Jack Warden. Aber Bullock bleibt das herrlich natürliche und dennoch ungemein witzige Zentrum.
Aber natürlich hat der Film, der letztes Jahr sein dreißigjähriges Jubiläum feierte und da dann bestimmt auch unter zahlreichen Weihnachtsbäumen erneut gesichtet wurde, seine Schwächen... und diese liegen auch im Genre begründet, welches im Jahr 1995 noch nicht all zu gewagt angefasst wurde. So ist von Anfang an völlig klar, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen wird und welche Figuren am Ende welche Lehren gezogen haben werden. Das große Finale zeigt sich daher auch nicht als gewollter Knall, sondern als erwartungsgemäß kitschige Klimax. Apropos kitschig: Wenn es hier romantisch wird, kennt Cool Runnings-Regisseur Jon Turteltaub hier natürlich auch kein Halten und inszeniert vor allem das gegenseitige Gebaren zwischen Lucy und Jack so dermaßen zuckrig, dass es einen schütteln könnte... auch weil Pullman und Bullock nun nicht die allergrößte Chemie zueinander zeigen. Aber das macht wenig, denn drumherum ist es weiterhin ein sehr charmanter, sicherlich arg forcierter, aber deswegen auch witziger Film, der für viele Leute zum Festtagsbrauch dazugehört... und das durchaus zurecht.

Fazit: Ein Film, der über weite Strecken seiner herrlich charmanten Hauptdarstellerin gehört, die locker über Schwächen in der vorhersehbaren Geschichte und der kitschigen, unkritisch dargestellten Romanze hinwegtäuscht. Wenig überraschend, dafür aber witzig und mit genügend Herz im Gepäck, um kurzweilig zu unterhalten.

Note: 3+



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das Ende dieses Blogs

 An all meine treuen Leser*innen, ich machs kurz: Dieser Blog hat an dieser Stelle sein Ende gefunden. Gut zwölf Jahre haben sich meine Film- und Serienreviews hier angesammelt, doch nun werden sie an einer anderen Stelle ausgelagert. Ich bin mit meinen Filmreviews auf Letterboxd umgezogen, mein Account dort lautet Flolli und ihr findet ihn unter diesem Link:  https://boxd.it/jOAkX Meine Serienkritiken findet ihr zudem unter dem gleichnamigen Account auf Serializd:  https://www.serializd.com/user/Flolli/profile Zudem gibt es auch (seltener, aber ebenfalls erwähnenswert) Kritiken zu storylastigen Videospielen auf Backloggd:  https://backloggd.com/u/Flolli/ Ich hoffe, einige meiner treuen Leser*innen auf diesen Plattformen wieder zu treffen und euch auch dort noch genügend Lesestoff bieten zu können - es hat sich dort jedenfalls schon einiges angesammelt :) Auf bald, euer Flo

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...

Titanic (1997)

Eigentlich hätte "Titanic" kollossal floppen müssen. Der Dreh zog sich über viel mehr Tage hinweg, als eigentlich vorgesehen waren, die Produktionskosten explodierten, die Studios fürchteten einen massiven Verlust und überlegten sogar, Regisseur James Cameron noch während der laufenden Produktion wieder abzusetzen. Letzten Endes war sich sogar Cameron selbst eines Erfolges nicht mehr sicher... aber die Geschichte ist bekannt. Zwölf Jahre lang war das Katastrophen-Drama der erfolgreichste Film aller Zeiten, heimste elf Oscars ein, machte seine Hauptdarsteller über Nacht zu Stars. Und James Cameron, der erschuf ein unübertreffbares Meisterwerk der dramatischen Filmkunst, welche in Sachen Intensität und auch Schönheit auch noch heute recht allein dasteht in der Welt des Kinos. TITANIC Die über 100jährige Rose (Gloria Stuart) erzählt dem Schatzsucher Brock Lovett (Bill Paxton), der das Wrack der 1912 versunkenen Titanic nach einem wertvollen Diamanten absucht, von ihrer Ge...