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Klaus

Da er die ständige Faulenzerei seines Sohnes nicht mehr erträgt, stellt der oberste Anführer der Postboten seinem verzogenen Zögling Jesper ein Ultimatum: Er wird ins entfernte Inselstädtchen Zwietrachtingen geschickt. Dort soll er innerhalb eines Jahres für die Zustellung von sechstausend Briefen verantwortlich sein - gelingt ihm dies nicht oder weigert sich Jesper, dreht sein Vater ihm endgültig den Geldhahn zu. Mehr als unzufrieden gibt Jesper nach und findet in dem völlig heruntergekommenen Dörfchen eine Einwohnerschaft vor, die sich gegenseitig bekriegt. Dabei macht er jedoch auch die Bekanntschaft mit dem einsamen Holzfäller Klaus... und bindet diesen in einen cleveren Plan ein, der ihm dabei helfen soll, ausgerechnet die Kinder des Dorfes dazu zu bringen, etliche Briefe an diesen zu verfassen und um Geschenke zu bitten.

Ich bin spät dran, wenn es um Klaus geht. Nicht nur ist absolut nicht mehr Weihnachten, zudem ist der Film auch schon mehr als sechs Jahre alt. Damals hatte sich aber so ziemlich jeder in diesen originalen Netflix-Animationsstreifen aus Spanien verknallt, weswegen er heute schon als eine Art moderner Feiertags-Klassiker gilt... und von dieser Qualität wollte ich mich dann natürlich selbst überzeugen. Schon nach wenigen Minuten hatte mich dann der unglaublich beeindruckende Look vollends in seinen Bann gezogen. In einer ebenso seltsamen wie unglaublich schönen Mischung aus klassischem Zeichentrick, 3D-Animation und einer Art Stop-Motion-Technik aus dem Computer entstehen dabei Bilder, die zum schönsten gehören, was das Animationskino in den letzten zehn Jahren hervorgebracht hat. Durch den ebenso eigenwilligen wie originellen Stil entsteht zudem ein regelrechter Schwung, der vor allem die wenigen, dafür aber umso spaßigeren Actionszenen zu einem echten Rausch macht und sie mit enorm viel Tempo und optischer Wucht ausstattet.
Auch darüber hinaus ist Klaus rein technisch über jeden Zweifel erhaben, auch wenn diesmal kein Königsklasse-Studio wie Disney oder Illumination hinter den Animationen stand. Der Soundtrack ist dabei fantastisch und auch die deutsche Synchronisation kann sich mehr als hören lassen - so leiht ein ungemein sprechfreudiger und wie die Faust aufs Auge passender Ralf Schmitz dem anfangs faulenzenden, später aber immer arbeitswütigeren Jesper seine Stimme. Dieser Jesper ist dann natürlich auch der Dreh- und Angelpunkt dieses Films: Er durchläuft die zentralen Konflikte, bringt Veränderungen zu den Leuten um ihn herum, muss Lehren ziehen und am Ende den Tag retten. Neben ihm gesellen sich dabei noch zahlreiche, unglaublich originelle und liebenswürdige Figuren, die man allesamt schnell ins Herz schließt. Nur die Bösewichter bleiben in ihrer Cartoonhaftigkeit eher schal, was aber auch daran liegt, dass der Plot rund um die zwei verfeindeten Seiten des Dorfes nie so richtig in Schwung kommt.
So wird dann auch der typische Plotpoint, während welchem die unangenehme Wahrheit rund um den Protagonisten für eine von Streit verseuchte Trennung sorgt, eher halbgar abgefrühstückt, weil die Geschichte rund um die fiesen Dorf-Streithähne als solcher nicht so richtig taugt. Dafür ist drumherum aber noch so viel Herz und Witz, dass diese kleine, dramaturgische Störung nicht so wild ist: So wird man Zeuge einer herrlich unkitschigen und trotzdem wunderschönen Liebesgeschichte; einer Geschichte über eine merkwürdige und deswegen auch so herzliche Freundschaft; und eine Art Fantasy-Weihnachts-Story ohne wirklichen Fantasy-Einschlag. Und wie in letzterer die zahlreichen Mythen und Sagen rund um unseren bekannten Santa Clause eingewoben und auf eine realistischere Art und Weise verwurzelt werden, ist so kreativ, dass man davon gerne mehr sehen würde. Eine Fortsetzung macht aufgrund der durchaus abgeschlossenen Handlung aber keinen Sinn und ist auch nicht nötig, denn so rund und zufriedenstellend enden nur wenige Animationsfilme, die sonst ja mittlerweile schnell auf Franchises aufgeblasen werden. Dass es dazwischen dann auch mal solch ein kreatives, originelles Einzelwerk mit so viel Herz und Witz gibt, ist ja fast schon eine Seltenheit.

Fazit: Neben dem beeindruckenden Look, der für malerische Bilder und schwungvolle Actionszenen sorgt, gefällt auch die Geschichte, die vor Herz, Witz und Originalität nur so überquillt... auch wenn ein Handlungsstrang rund um eher cartoonhafte Bösewichter nicht so ganz zum Rest passen mag.

Note: 2-



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