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Caddo Lake

Die Gebiete rund um den Caddo Lake sind nicht die gemütlichsten - erst recht nicht für die junge Ellie Bennett (Eliza Scanlen), die dort mit ihrer Familie fast täglich im Clinch liegt und dabei vor allem ihrer Mutter Celeste (Lauren Ambrose) aus dem Weg zu gehen versucht. Nur zu ihrer kleinen Schwester Anna (Caroline Falk) bewahrt sie eine innige Verbindung. Zur gleichen Zeit verdaut der auf dem Lake arbeitende Paris (Dylan O'Brien) gerade eine familiäre Tragödie, die er jedoch nicht als solche wahrhaben möchte und deswegen verbissen nach Antworten sucht. Als die kleine Anna eines Tages auf dem See verschwindet und eine Suchaktion eingeleitet wird, werden sowohl Ellie als auch Paris in die Geheimnisse, die dieser Ort mit sich bringt, eingeweiht... und entdecken dabei Verbindungen zwischen verschiedenen Geschehnissen, die sie niemals für möglich gehalten hätten.

Dieser Film gehört zu der (mittlerweile äußerst seltenen) Sorte der Filme, von denen man zuvor am besten so gut wie nichts weiß. Ich habe mir Caddo Lake praktisch ohne jedes Vorwissen angesehen und wurde deswegen von einigen Enthüllungen zu Beginn des zweiten Drittels ziemlich unversehens erwischt. Online macht man leider keinen Hehl daraus, dieses Geheimnis rund um den See, welches nach gut einer halben Stunde gelüftet wird, bereits zu verraten und den ersten, zentralen Kniff der Geschichte somit als bekannt vorauszusetzen. Das ist aber schade, da der Film zu Beginn äußerst wirksam nicht nur ein, sondern gleich zwei Familiendramen spinnt, bevor der eigentliche Kriminalfall überhaupt losgeht. Eine spannende, oftmals sehr tiefgründige Milieustudie sehen wir hier, die vor allem aufgrund der heftigen Reibungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern ins Herz trifft. Wenn dann mit einem schieren Knall ein gänzlich anderes, von mir so definitiv nicht erwartetes Element Einzug in die Geschichte hält, dürfte man sich verwundert die Augen reiben.
Das habe ich auch getan und war zu Beginn sogar gar nicht so happy mit dieser... Enthüllung, passte sie für mich doch erst nicht zu dem, was der Film vorher so galant aufgemacht hatte. Doch in diesen Momenten heißt es, Geduld zu bewahren, denn anschließend darf man einigen wahren Künstler-Autoren, die dieses fabelhafte Skript verantwortet haben, bei ihrer Magie zusehen. Selten habe ich einen Film gesehen, bei dem am Ende jedes noch so kleine Detail, welches wir zu Beginn kaum als wichtig wahrgenommen haben, so dermaßen passend zusammenläuft. Und das wohlgemerkt trotz eines Themas, bei welchem sich schon andere, deutlich größere Filme so dermaßen verhoben und verzwirbelt haben, dass man die Logiklöcher gar nicht mehr mit der Lupe suchen musste, da sie einem so auffällig ins Gesicht sprangen. Aber Caddo Lake ist absolut meisterhaft darin, all seine Ideen, Hinweise, Charaktere und Orte zusammenzuführen, sodass das am Ende eine ebenso schockierende wie runde Sache ergibt, dass man davon wirklich begeistert sein darf. Mir ist zumindest kein Element des Films eingefallen, welches bei dieser schnörkellosen Auflösung irgendwie hintenüber gefallen wäre.
Trotzdem ruht sich der Film auf diesem Element nicht aus. Er versucht nicht, das Publikum auf Gedeih und Verderb zu überraschen (obwohl ihm gerade das deswegen so gut gelingt), sondern bleibt selbst während der größten Enthüllungen ganz nah an seinen Figuren. Hier merkt man eventuell den Einfluss von M. Night Shyamalan, der hierfür auf dem Produzentenstuhl Platz nahm. Auch wenn nicht klar ist, was genau der Signs-Regisseur für diesen Film beigetragen hat, so sprechen eine ungemein überraschende und dennoch runde Schlussauflösung so wie der Fokus auf den menschlichen Figuren, die dieses Mysterium dann erst so lebendig machen, viel für eine Verbeugung vor solch akribisch durchgetakteten Meisterwerken wie The Sixth Sense eben. Auch wenn diese Qualität aufgrund des manchmal zu gemächlichen Tempos und der langen Vorarbeit, die letztendlich in den Schlussakt münden muss, recht eindeutig nicht erreicht wird, was aber natürlich nichts heißt. Denn mit einem Meisterwerk verglichen zu werden, ist ohnehin schon ein Ritterschlag und den hat sich Caddo Lake bei solch einem Drehbuch definitiv verdient. Und wem das nicht reicht, der bekommt eine atmosphärisch dichte Inszenierung des sumpfigen Schauplatzes sowie zwei bärenstarke Performances von Dylan O'Brien und Little Women-Star Eliza Scanlen gleich obendrauf.

Fazit: Der Star dieses Films ist das Drehbuch, welches seine Muskeln aber erst offenbart, wenn es aufzeigen kann, wie sehr alle vorherigen Details klug platziert wurden, um sie am Ende ungemein rund und offenbarend zusammenzuführen. Was manchmal erst etwas wirr wirkt, bekommt später immer mehr Relevanz und begeistert im Schlussspurt schließlich ohne Unterlass... auch wenn es dafür zu Beginn etwas Geduld braucht.

Note: 2-



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