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Der Untergang des Hauses Usher (2023)

Roderick Usher (Bruce Greenwood), CEO eines riesigen Pharmaunternehmens, sieht sich und seine Firma einem schwierigen Rechtsstreit ausgeliefert... und der Anwalt der Gegenseite, Auguste Dupin (Carl Lumbly) scheint wie versessen darauf, diese Familie, die sonst stets selbst mit den finstersten Untaten davongekommen ist, endlich dranzukriegen. Als die Usher's von mehreren, äußerst merkwürdigen Schicksalsschlägen heimgesucht werden, setzt sich Roderick mit dem Ermittler zusammen, mit dem Versprechen, diesem alles zu erzählen und ihm gar ein Geständnis zu unterbreiten... wenn er zuvor auch die Geschichten seiner verstorbenen Kinder erzählen darf. Und so führt seine Erzählung zurück in die vergangenen zwei Wochen, aber auch hinein ins Jahr 1979, als Roderick vor einer folgenschweren Entscheidung stand...

Natürlich besitzt auch Der Untergang des Hauses Usher, die bisher letzte und womöglich auch populärste Netflix-Horrorserie von Mike Flanagan, all die Qualitäten seiner vorherigen Werke. Als da wären: Eine saubere und kreative Inszenierung; hundsgemeine, aber klug verteilte Schockeffekte; eine spannende Geschichte; gut geschrieben, wenn auch diesmal weniger ambivalente Figuren; wunderschön komponierte Bilder; und ein stark agierendes Ensemble. Gerade letzteres setzt sich aus so vielen bekannten Gesichtern zusammen, dass es völlig Sinn macht, zuvor alle anderen Serien aus der Feder Flanagans gesehen zu haben, auch wenn sie alle handlungstechnisch nicht zusammenhängen. So kann man sich hier an einem echten Klassentreffen erfreuen, bei dem große Teile der Ensembles der vier vorherigen Flanagan-Serien und sogar Stars aus seinen Kinofilmen The Life of Chuck und Doctor Sleeps Erwachen dabei sind. Und wenn sich spielfreudige Stars wie Henry Thomas, Ruth Codd oder Carla Gugino (um nur einige wenige zu nennen) nicht nur erneut die Klinke in die Hand drücken, sondern darüber hinaus auch noch von Hochkarätern wie I,Robot-Star Bruce Greenwood und Filmlegende Mark Hamill in tragenden Rollen unterstützt werden, dann weiß man, dass das hier schauspielerisch wieder ein feines Stück ist.
Schade, dass ausgerechnet angesichts eines solchen Ensembles die Figurenzeichnung diesmal nur gut und nicht mehr herausragend ausfällt. Das hat natürlich auch ein wenig mit der kultigen Vorlage von Edgar Allan Poe zu tun, mit welcher Flanagan und sein Team hier jedoch sehr, sehr frei umgehen, aber immer wieder Zeit für kluge Anspielungen haben. Deswegen haben wir es hier über weite Strecken mit einer Schar von Figuren zu tun, die durchweg unsympathisch, oftmals sogar richtig ekelhaft daherkommen. Da wir gezwungen sind, ihren Geschichten zu folgen, mag sich eine emotionale Komponente wenn überhaupt erst später einstellen, wenn die einzelnen Brotkrumen der Story zueinander finden und zu einer durchweg runden Auflösung beitragen - aber auch hier waren Flanagans vorherige Shows auf der Gefühlsebene einfach stärker. Im direkten Kontrast fallen die Horrorelemente dafür durchweg heftiger aus, was nicht nur für einige richtig fiese Jumpscares, sondern auch für ein Hochschrauben hinsichtlich der Brutalität gilt. Leider findet Flanagan innerhalb dieser acht rund einstündigen Folgen aber zu selten die Momente, die ihm so richtig liegen: Szenen, in denen eine schneidende Atmosphäre die Angst kreiert und nicht der nächste, blutige oder laute Schrei.
Wobei das Jammern auf sehr hohem Niveau ist. Denn obwohl die Geschichte diesmal etwas vorhersehbarer verläuft und die meisten der zentralen Figuren zu einseitig daherkommen, so gelingt Flanagan und seinem Team (er selbst verantwortete nur vier der acht Episoden als Regisseur) wieder ein inszenatorisches Meisterstück, welches einem großen Teil des modernen Horror-Kinos in Sachen Kreativität und Spannung weit voraus ist. Einzelne Szenen sind dabei so dermaßen packend, dass einem die Luft wegbleibt. Zudem hat Flanagan hier auch kaum Probleme mit dem Tempo und lässt seine Figuren nicht mehr zu redselig agieren, damit sie sich in minutenlangen Monologen verlieren können. Dadurch entsteht, auch aufgrund der mal wieder dreigeteilten Zeiten-Dynamik, ein schöner Flow, der einen ziemlich gut durch die acht Folgen trägt. Gelungen baut man einige Mysterien auf, verbietet sich diesmal auch einen erhöhten Kitsch-Faktor und bleibt einem deutlich finstereren, auch konsequenteren Muster treu. Und auch wenn ich Midnight Mass trotz seiner deutlichen Längen gelungener fand, da die Geschichte imposanter und die Charaktere spannender waren, verdient sich Der Untergang des Hauses Usher recht locker den zweiten Platz der Flanagan-Serien. Und das ist als der finale Höhepunkt seines Netflix-Serien-Schaffens wohl auch mehr als zufriedenstellend.

Fazit: Obwohl die Figuren diesmal deutlich weniger ambivalent sind und die Geschichte einer gewissen Formelhaftigkeit nicht entkommt, haben wir hier erneut ein packendes Stück Serien-Kino, mit starken Horrorszenen, aber auch allerlei interessanten Ideen und einer grandiosen Inszenierung, die bis zum Schluss mitreißt.

Note: 3+



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