Rund dreihundert Jahre vor Christus zieht der damalige mazedonische König Alexander (Colin Farrell) mit seiner griechischen Armee aus, um das Persische Reich einzunehmen. Als gefürchtete Kriegsherren gelten die Perser, doch Alexander lässt sich nicht einschüchtern - seine Ziel verlangt immer mehr Macht und er möchte die Grenzen seiner Herrschaft immer mehr ausweiten. Über viele Jahre hinweg gelang es ihm, bis nach Indien vorzudringen und somit den Grundstein für die späteren Siegeszüge des Römischen Reiches in der Welt zu setzen. Doch seine Herrschaft hat auch Schattenseiten. So lebte er schon zuvor im Schatten eines ständigen Kleinkrieges zwischen seinen Eltern (Angelina Jolie, Val Kilmer) und seine romantischen Beziehungen zeigten sich dahingehend kompliziert, dass ein Erbe für seine Nachfolge lange nicht das Licht der Welt erblickte...
Mit diesem Historien-Epos wollte Oliver Stone, einst ein viel beachteter und mehrfach mit dem Regie-Oscar gekrönter Filmemacher, sein großes Comeback nach einer scheinbaren Schaffenspause feiern. Wie wir heute wissen, ist er damit krachend gescheitert: Alexander gilt als einer der großen, finanziellen Flops des Blockbuster-Kinos, bekam weitestgehend verheerende Kritiken und wurde obendrein für ganze sechs goldene Himbeeren nominiert - darunter in allen Hauptkategorien. Das musste schon eine ziemliche Schmach für den Mann gewesen sein, der die Filmgeschichte mit solch gewichtigen und oftmals auch leidenschaftlich diskutierten Werken wie Platoon oder JFK gesegnet hatte. Aber was ist nun dran an dieser schlechten Presse? Ist Alexander auch rund zwanzig Jahre nach seiner Ersterscheinung noch so schlecht, wie alle sagen? Und wenn ja: Woran mag das liegen?
Um es kurz zu machen: Ja, Alexander ist schlecht. Seine Vorzüge lassen sich an einigen wenigen Fingern abzählen, so zum Beispiel dass manch ein bekannter Name in Nebenrollen seine Sache sehr solide macht. Zudem sind, wie für einen solch ausstattungswütigen Film passend, Sets, Kostüme und Locations prachtvoll gewählt und machen dementsprechend optisch viel her. Diese optischen Vorzüge werden jedoch desöfteren von Oliver Stones merkwürdigem Regiestil torpediert, den man besonders in den zwei wirklich großen Schlachten-Szenen sieht. Hier inszeniert Stone seine eigentlich so großen Sequenzen, die mit allerlei Pracht zurechtgemacht wurden, so wirr, als hätte sich Jason Bourne auf einen Sprung in Alexanders großen Krieg eingemischt. Ein Gewackel und wildes Herumgeschnipsel ist das, das von den prachtvollen Kostümen und Sets in all diesem Gewesel eigentlich kaum noch etwas zu erkennen. Da hacken dann also Männer gegenseitig auf sich ein, schreien und brüllen und verlieren Gliedmaßen, doch nach rund zwei Minuten hat man aufgrund dessen, dass ohnehin kaum zu erkennen ist, wer da gerade wo ist, mit leichten Kopfschmerzen aufgegeben. Wie man solche Szenen wirklich episch und kraftvoll inszeniert, hatte Wolfgang Petersen mit dem in dieser Hinsicht wesentlich beeindruckenderen Troja nur einige Monate zuvor bewiesen - von dem das Genre zu neuer Blüte gebrachten Gladiator vier Jahre vorher ganz zu schweigen.
Die Geschichte des großen Alexander zudem einigermaßen zu öffnen und mitreißend zu gestalten, gelingt Stone ebenfalls nicht. Mit ständigen Zeitsprüngen vor und zurück gaukelt er eine Komplexität vor, die der Stoff in dieser zurechtgerückten und versimpelten Version gar nicht hat. Stattdessen muss man sich einfach immer wieder neu orientieren und herausfinden, um welchen Teil von Alexanders Leben es nun eigentlich geht - um seine Eltern, seine Liebschaften, seine Kriege oder seine Feinde? Wobei das eigentlich auch keine große Rolle spielt, denn angesichts der leidlich peinlichen Dialoge, die der namhafte Cast hier aufsagen muss und die Alexanders Leben zu einer reinen Kitsch-Partie mit vielen Fremdscham-Momenten machen, kann uns die Erzählung fast schon egal sein,. Da kann einem Colin Farrell schon leidtun, der sich zwar redlich müht, die übergroße und beinahe mythische Ausstrahlung dieser Figur aber nicht passend transportieren kann und dementsprechend blass bleibt. Sicherlich nicht blass, sondern nur peinlich überdrehend agiert hingegen They Want Me Dead-Star Angelina Jolie als Alexanders stets fauchende und (warum auch immer) fast durchgehend mit Schlangen agierende Mutter, die so dermaßen überzeichnet, dass man sich an ihr schnell sattgesehen hat.
Fazit: Trotz opulenter Schauwerte, die aber ohnehin von der viel zu wackeligen und blassen Inszenierung fortgefegt werden, ein arg zäher, bisweilen sogar langweiliger Film, der Alexanders Leben auf eine Reihe von Kitsch-Dialogen und soapigen Verrätereien zurechtstutzt. Ohne Substanz, dafür aber ungemein lang und breit - ein Tiefpunkt des modernen Historien-Kinos.
Note: 4-
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