Im Jahr 1989 versucht die Außenseiterin Lisa Swallows (Kathryn Newton) noch immer den schrecklichen Tod ihrer Mutter zu verarbeiten, die zwei Jahre zuvor von einem Axtmörder hingerichtet worden ist. Aufgrund ihres für Außenstehende seltsamen Auftretens kann sie sich jedoch weder von ihren Mitschülern noch von ihrer neuen Stiefmutter Janet (Carla Gugino) Unterstützung erhoffen - nur ihre Stiefschwester Taffy (Liza Soberano) steht hinter ihr. In ihrer Einsamkeit langsam verzweifelnd sucht sie Trost auf einem nahen Friedhof, wo sie sich vor allem am Grab eines verstorbenen Pianisten (Cole Sprouse) aufhält, der Zeit seines Lebens von der Frau, die er liebte, für einen anderen Mann verlassen wurde. Als eines Tages jedoch ein Blitz in sein Grab einschlägt und ihn darauf hin wieder zum Leben erweckt, verändert sich für Lisa von einem Schlag auf den anderen alles...
Lisa Frankenstein stellt das Langfilm-Debüt von Regisseurin Zelda Williams, Tochter des verstorbenen Schauspielers Robin Williams, dar. Und sie zeigt, dass sie zumindest einige feine Ideen hat, auch wenn diese noch kein wirklich rundes Ganzes ergeben: Ihr Mut, auch mal schrägere Kamerawinkel auszuprobieren und das ohnehin ziemlich verrückte Treiben mit Comic-Sequenzen, seltsamen Gewalteinlagen und einem sehr bunten Look, der im direkten Kontrast zum eigentlichen Horror-Stoff steht, zu untermalen, verdient durchaus Lob. Allerdings wirken viele dieser Ideen immer wieder recht willkürlich eingestreut und scheinen einen Plot am Leben halten zu wollen, der sich über weite Strecken entweder gar nicht oder nur wenig nachvollziehbar bewegt. Denn zwar erschafft Williams einige interessante Figuren, die vor allem aufgrund ihres überzeichneten, absolut schrägen Auftretens auffallen und dabei entfernt an das alte Genie eines Tim Burton erinnern. Doch so richtig scheint sie anschließend nicht zu wissen, was sie dann noch mit ihnen anfangen soll.
Eine Charakterentwicklung der Hauptfigur verläuft daher extrem wirr. Wir wissen zwar, nach was es dieser Lisa eigentlich dürstet, doch interessiert man sich dabei weder für die ausgeprägten, düsteren Seiten des Charakters noch für ihre eigentlichen Traumata... und schiebt letztendlich alles wieder auf die Liebe. Auch diese Liebesgeschichte hätte durchaus das Zeug zu einem richtig schön-schrägen Romantik-Wirrsal gehabt, aber auch hier bleibt man im Klischee stecken. Diese aufkeimende Romanze zwischen Lisa und dem Zombie ihrer Träume kommt nur wie eine reine Behauptung daher - wie eine große Schwärmerei, die jedoch nie mehr als das wird. Das lässt dann vor allem die finale halbe Stunde, in welchem genau diese "große Liebe" hochdramatisch zu ihren Höhepunkten finden soll, äußerst seltsam daherkommen. Zum Glück konnte man allerdings Freaky-Star Kathryn Newton für die titelgebende Hauptrolle gewinnen, die diesen Film wie gewohnt mit einer ebenso verrückten wie spielfreudigen Darstellung adelt und der Hauptfigur, obwohl sie so unzureichend geschrieben ist, immer noch ein Stückchen Gravitas verleiht.
Das kann man von den restlichen Figuren aber kaum behaupten, denn diese sind so überdeutlich als bunte Klischees geschrieben, dass der Cast aus diesen auch nicht viel mehr herausholen kann. Dabei merkt man auch die Unentschlossenheit, mit welcher Lisa Frankenstein hier zwischen den einzelnen Genres segelt. Über die ziemlich banale Romantik haben wir schon gesprochen, doch auch als Horrorfilm mag der Film nicht zünden, da er in den entscheidenden Momenten doch zu inkonsequent ist und man ganz offensichtlich um eine zu hohe Altersfreigabe herumschneiden wollte, um die (ohnehin sehr kleine) Zielgruppe aus ebenso horror- wie romantikaffinen Teenager*innen nicht zu verschrecken. Am ehesten macht der Film dementsprechend noch als Komödie Sinn, doch fehlt es ihm auch hier am so wichtigen Timing und auch an einigen wirklich zündenden Ideen, um mehr als ein paar kleine Schmunzler zu erzeugen. Williams' erste, große Regiearbeit darf man deswegen zwar als eher gescheitert abtun, doch aufgeben sollte man sie deswegen nicht. Wie viele Regisseur*innen könnte nämlich auch dieses Nachwuchs-Talent noch von Drehbüchern abhängig sein, weswegen die Möglichkeit besteht, dass mit einer besseren Geschichte auch ein besserer Film herumkommt. Man darf also gespannt sein, was als nächstes kommt.
Fazit: Für eine gelungene Komödie fehlt es an Timing und zündenden Ideen - für eine Horror-Romanze traut sich der Film hingegen zu wenig in die eine oder andere Richtung und bleibt im bunten Gothic-Kitsch stecken. Kathryn Newton mag mit ihrer natürlichen Präsenz noch einige Momente retten, ansonsten verläuft der zähe und unfokussierte Plot mit seinen willkürlichen Inszenierungs-Einfällen aber recht schnell ins Leere.
Note: 4
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