Direkt zum Hauptbereich

Painkiller

Als das Pharmaunternehmen Purdue im Jahr 1998 das Medikament Oxycodon auf den Markt bringt, ahnen weder Ärzte noch Patienten, was dieses wirklich bewirkt. Als allgemeines, sehr stark wirkendes Medikament gegen Schmerzen jeglicher Art erfüllt es zwar seinen Zweck, entwickelt aber auch eine enorme Abhängigkeit. Jahre später versucht Edie Flowers (Uzo Aduba), Ermittlern der Staatsanwaltschaft, dem Unternehmen Straftaten nachzuweisen, um sie wegen ihrer Verbrechen vor ein Gericht zu stellen. Das Problem: Das Unternehmen rund um dessen Vorsitzenden Richard Sackler (Matthew Broderick) scheint nahezu unangreifbar. Unterdessen fallen immer mehr Menschen der Opioid-Krise zum Opfer, werden schwer abhängig und sterben zu tausenden... eine Krise, welche die USA noch über viele Jahre erheblich erschüttern soll.

Dem Skandal der Opioid-Krise hat sich schon einmal eine Mini-Serie angenommen - damals veröffentlichte Disney Star mit Dopesick eine ziemlich zermürbende, aber auch an dramaturgischen Schwächen leidende Show, die bei Kritikern in aller Munde war. Dass sich auch Netflix mit einer eigenen, diesmal sechsteiligen Mini-Serie dem Thema annahm, passt dennoch, denn der Skandal ist so weitreichend und mit so vielen, tragischen Einzelschicksalen verbunden, dass sich dadurch noch mehrere Serien machen ließen. Trotzdem fühlt sich hier einiges nach Wiederholung an, denn die Geschichte des intriganten und völlig wahnsinnig wirkenden Pharmaunternehmers Richard Sackler wird auch hier erzählt. Neu sind hingegen diverse Einzelschicksale und auch der Plot rund um eine mutige Gruppe von Ermittler*innen erzählt sich etwas anders, sodass Painkiller trotz des bekannten Themas rundum spannend bleibt und in vielen Momenten, die brutal ehrlich die grauenvolle Abhängigkeit von einem zugelassenen (!) Medikament aufzeigt, sehr erschütternd.
Netflix hat sich dafür wieder mal eine eindrucksvolle Starbesetzung eingekauft, wobei sich diesmal unter anderem Matthew Broderick, Lost-Star Sam Anderson oder der zuvor vor allem aus großen Blockbuster-Produktionen bekannte Taylor Kitsch die Klinke in die Hand drücken - allesamt agieren sie großartig. Die wirklich erinnerungswürdigen Performances kommen diesmal jedoch von der weiblichen Seite: Einerseits Orange is the new Black-Star Uzo Aduba, die als knallharte Ermittlerin im Kampf gegen Windmühlen eine eindrucksvolle Darstellung hinlegt, die zudem noch sehr passend mit persönlichen Motiven verknüpft wird. Und andererseits die seitdem leider nicht mehr mit größeren Filmrollen aufgefallene Newcomerin West Duchovny, die als junge Frau, die in den Strudel des Geldes und des Ruhmes gerät und sich dabei fragen muss, ob sie für ihre neue Position auch über Leichen gehen kann, absolut brilliert. Darüber hinaus wartet die Serie mit zahlreichen Nebenfiguren und -geschichten auf, die ans Herz gehen und uns gleich mehrmals den Boden unter den Füßen wegziehen.
Sicher, viele dieser Geschichten sind fiktiv oder zumindest dramaturgisch überhöht, doch der reale Hintergrund tut sein Übriges, um bei diesen tragischen Einzelschicksalen mitzuleiden. Dabei verliert die Serie über sechs Folgen ihr großes Ensemble niemals aus den Augen, bleibt an allen Figuren einigermaßen gleichmäßig dran und hält dadurch auch das Tempo sehr hoch. Durch einen schier rasanten Schnitt, der angesichts der Action-Vergangenheit von Regisseur Peter Berg ziemlich einleuchtet, kommt keine Langeweile auf, doch verliert man dabei auch nicht die Not, die einzelnen Geschichten atmen zu lassen. Erst während der letzten beiden Episoden hat man das Gefühl, dass ein oder zwei Folgen mehr vielleicht nicht geschadet hätten, denn gerade auf der Zielgeraden wirken einige Erdrutschmomente doch etwas gehetzt und bekommen nicht mehr genug Luft. Das Schicksal einiger Figuren bleibt dabei etwas unbefriedigend offen, an anderer Stelle verzettelt man sich ein bisschen. Das sind insgesamt aber nur marginale Kritikpunkte für eine ansonsten sehr spannende und ziemlich zermürbende Mini-Serie, welche die gewaltigen Schrecken der Opioid-Krise in den USA in harten Bildern und mit allerlei schmutzigen Details greifbar zu machen versucht.

Fazit: Auch wenn das Tempo manchmal zu hoch ist und gegen Ende einige Geschichten zu rasch abgehandelt werden, ist Painkiller eine packende Drama-Serie über reale, erschütternde Skandale, getragen von einem bockstarken Cast und mit einigen schlichtweg schockierenden Enthüllungen.

Note: 3+



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das Ende dieses Blogs

 An all meine treuen Leser*innen, ich machs kurz: Dieser Blog hat an dieser Stelle sein Ende gefunden. Gut zwölf Jahre haben sich meine Film- und Serienreviews hier angesammelt, doch nun werden sie an einer anderen Stelle ausgelagert. Ich bin mit meinen Filmreviews auf Letterboxd umgezogen, mein Account dort lautet Flolli und ihr findet ihn unter diesem Link:  https://boxd.it/jOAkX Meine Serienkritiken findet ihr zudem unter dem gleichnamigen Account auf Serializd:  https://www.serializd.com/user/Flolli/profile Zudem gibt es auch (seltener, aber ebenfalls erwähnenswert) Kritiken zu storylastigen Videospielen auf Backloggd:  https://backloggd.com/u/Flolli/ Ich hoffe, einige meiner treuen Leser*innen auf diesen Plattformen wieder zu treffen und euch auch dort noch genügend Lesestoff bieten zu können - es hat sich dort jedenfalls schon einiges angesammelt :) Auf bald, euer Flo

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...

Titanic (1997)

Eigentlich hätte "Titanic" kollossal floppen müssen. Der Dreh zog sich über viel mehr Tage hinweg, als eigentlich vorgesehen waren, die Produktionskosten explodierten, die Studios fürchteten einen massiven Verlust und überlegten sogar, Regisseur James Cameron noch während der laufenden Produktion wieder abzusetzen. Letzten Endes war sich sogar Cameron selbst eines Erfolges nicht mehr sicher... aber die Geschichte ist bekannt. Zwölf Jahre lang war das Katastrophen-Drama der erfolgreichste Film aller Zeiten, heimste elf Oscars ein, machte seine Hauptdarsteller über Nacht zu Stars. Und James Cameron, der erschuf ein unübertreffbares Meisterwerk der dramatischen Filmkunst, welche in Sachen Intensität und auch Schönheit auch noch heute recht allein dasteht in der Welt des Kinos. TITANIC Die über 100jährige Rose (Gloria Stuart) erzählt dem Schatzsucher Brock Lovett (Bill Paxton), der das Wrack der 1912 versunkenen Titanic nach einem wertvollen Diamanten absucht, von ihrer Ge...