Steve Taylor (Michael Fassbender) fährt gemeinsam mit seiner Freundin Jenny Greengrass (Kelly Reilly) auf einen Trip an den Eden Lake im englischen Hinterland - dort plant er, ihr endlich einen Heiratsantrag zu machen. Einiger kleiner Pannen zum Trotz verläuft der kleine Urlaub zu Beginn auch ziemlich gut, bis es am See selbst zu einer Begegnung mit mehreren Jugendlichen kommt, die erst pöbeln und dann zu drastischeren Mitteln greifen. Jenny versucht die Situation herunterzuspielen, während Steve darauf aus ist, die Sache endgültig zu klären. Dabei geraten die beiden jedoch in die Fänge von Menschen, deren Grausamkeiten sie sich niemals hätten ausmalen können...
Vor allem während der ersten halben Stunde erschafft Die Frau in Schwarz-Regisseur James Watkins, der 2008 hiermit sein Regie-Debüt gab, eine ungemein schneidende Atmosphäre. Diese ist vor allem deswegen so intensiv, weil Watkins einigermaßen clever darin ist, unangenehme Situationen zu erzeugen, die wir durchaus nachfühlen können. Hier mal ein Wort gesagt, welches beim wenig humorvollen Gegenüber schlecht ankam oder der Anblick eines romantischen Dates am See, welches durch mehrere, wahnsinnig proletenhafte Jugendliche ziemlich fies gestört wird. Michael Fassbender und Sherlock Holmes-Star Kelly Reilly agieren dabei sehr überzeugend als junges Paar, die eigentlich nur ihre Ruhe und ihre gegenseitige Liebe haben wollen. Die damaligen Jungdarsteller, die die Jugendclique darstellt, fesseln weitestgehend durch sehr glaubwürdige, wenn auch stark überzeichnete Darstellungen, die dem Drehbuch geschuldet sind.
Dieses versucht sich nämlich ziemlich halbgar an dem Versuch, ein Sozialdrama innerhalb eines Gewaltpornos zu erzählen und möchte dabei wahrscheinlich ein paar Dinge über die Verrohung der Jugend sagen. Leider ist den Autoren zu diesem heißen Eisen aber nichts eingefallen, weswegen sie im Grunde einfach nur die Gewalt- und Psychoschrauben immer weiterdrehen und recht zahnlos ein paar Bilder fallen lassen, die suggerieren, dass die Gewalt stets aus der Familie kommt. Das ist ziemlich platt, wäre aber an und für sich nicht so schlimm, wenn Eden Lake niemals einen Hehl daraus machen würde, dass er ausschließlich auf oberflächliche Spannung ist. Da er jedoch auf Gedeih und Verderb versucht, diesem Exzess aus extremer Gewalt irgendeine tiefere Note zu geben, dabei aber nur auf bloße Klischees und Effekthascherei setzt, leistet der Film förmlich einen Bärendienst.
Das ist dann schon ein bisschen ärgerlich, auch wenn man über lange Zeit gar nicht dazukommt, über diese vertanen Chancen nachzudenken. Denn die Fähigkeit Watkins', die Spannungsschrauben wirklich immer weiterzudrehen und jeglichen Lichtblick bezüglich einer möglichen Rettung mit Anlauf zu zerstören, ist schier makellos. Mehrfach habe ich mich förmlich in die Lehne gekrallt, weil die Intensität verschiedener Situationen kaum zu ertragen war. Dass der Film bis ins Jahr 2022 hinein indiziert war, ist ebenfalls nicht schwer zu glauben. Man hat sicherlich schon ekligere Gewaltakte gesehen, aber nur wenige, die auf solch einer psychotischen Ebene so drastisch und gnadenlos dargestellt wurden. Auch auf dieser Ebene ist es schade, dass dieser schiere Gewalt-Krimi im Grunde nur noch auf Schockeffekten aufbaut, die einer nach dem anderen abgespult werden - irgendeine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema oder eine Kritik an einer bestimmten Situation findet praktisch nicht statt. Deswegen fühlt man sich am Ende gar ein wenig besudelt und bleibt auch recht ratlos bezüglich des Finales zurück, welches in dieser Form ebenso antiklimaktisch wie enttäuschend daherkommt... aber deswegen vielleicht auch zum Rest des Werks passt.
Fazit: Zügellos, in Einzelszenen geradezu unerträglich spannend und in Sachen psychischer und physischer Gewalt ebenfalls kaum auszuhalten. Leider gereicht der Film nur zu oberflächlicher Spannung, da die Auseinandersetzung mit einem kritischen Thema hier nur dazu genutzt wird, um die Gewaltschrauben aufs Maximum zu drehen. Das hinterlässt deswegen einen faden Beigeschmack.
Note: 3
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