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Ballerina (2016)

Das verarmte Waisenkind Felicie träumt schon seit ihrer Geburt davon, eine große Tänzerin zu werden. Deswegen büchst sie gemeinsam mit ihrem Freund Victor aus, um nach Paris zu gehen. Dort wollen sich beide endlich ihre jeweiligen Träume erfüllen: Felicie möchte an der Pariser Oper als Ballerina tanzen, Victor hingegen ein großer Erfinder werden. Durch einen Trick gelingt es Felicie sich tatsächlich in die Oper einzuschleichen, wo sie an den Elite-Proben für das große Abendstück Der Nussknacker teilnimmt. Doch nur einer jungen Tänzerinnen ist die Rolle vergönnt und die Konkurrenz ist schier gnadenlos und durchgehend erfahrener als die niemals in die Lehre gegangene Felicie. Ihr Traum scheint also zu enden, bevor er überhaupt begonnen hat... bis sie auf die ehemalige Profi-Tänzerin Odette trifft, die das junge Mädchen nach langer Skepsis schließlich unter ihre Fittiche nimmt.

Im Animationskino sind wir mittlerweile technisch ja ziemlich verwöhnt. Disney und Pixar übertreffen sich jedes Jahr förmlich selbst mit neuen Animationsdetails und grandioser Technik - sogar so sehr, dass wir die Verbesserungen bei jedem neuen Film kaum noch richtig wahrnehmen. Wenn dann also weder ein richtig großes Studio noch das enorme Budget der Pixar-Konkurrenz zu haben ist, sieht das technisch schon schlechter aus. Das sieht man auch Ballerina aus dem Jahr 2016 an, der zwar mit seinen animierten Hintergründen und Landschaften immer wieder richtig schick aus, aber ausgerechnet bei den Figuren und den Bewegungen deutlich steifer bleibt. Das ist natürlich gerade bei einem Film, der sich so sehr auf die Tanzbewegungen seiner Charaktere konzentriert, etwas schade, ist in dieser Hinsicht aber noch nicht einmal das größte Problem.
Auch die vorhersehbare und in jeder Form klischeehafte Handlung ist eigentlich nicht so wild, wir befinden uns hier schließlich immer noch in einem Film, der zu weiten Teilen an Kinder gerichtet ist. Und auch wenn wir durch Pixar und Co. wissen, dass Kinderfilme und die Unterhaltung von Erwachsenen sich keinesfalls ausschließen, sollte man an einer eher unbedarften Geschichte nun nicht zwingend herummäkeln - weniger das Was als viel mehr das Wie sind hier entscheidend. Dabei hat Ballerina im Grunde ein paar feine Ideen im Gepäck, die im Nachhinein von wieder anderen Entscheidungen in ein schlechteres Licht gerückt werden. So freut man sich eingangs darüber, dass mit der jungen Felicie eine starke Mädchenfigur im Fokus steht, die trotz aller Schwächen und Ängste über sich hinauswächst und ihren eigenen Weg geht. Diese Progressivität wird dann aber von einer Twilight-typischen Liebesgeschichte aus der Bahn geworfen, wenn sich die junge Frau, die eigentlich am besten mit sich selbst beraten wäre, doch wieder für einen von zwei Kerlen entscheiden soll. Da war Disney mit dem im selben Jahr angelaufenen Vaiana schon deutlich weiter, als sie bewiesen, dass eine Frau als Hauptfigur absolut keine Romanze mehr braucht, solange sie nicht ein wesentlicher Teil der Geschichte ist.
Auch in Sachen Musik (für einen Film mit diesem Thema sicherlich nicht unwichtig) gibt es tolle Ansätze, wenn Felicie die ersten Tanzszenen in der Oper mit der Untermalung eines Stücks von Schwanensee betrachtet. Umso unverständlicher, dass man später doch noch auf moderne Popsongs setzt, obwohl der Film im Jahr 1886 spielt, was einen erheblichen Bruch darstellt. Das negative Highlight ist in dieser Hinsicht ein Ballerina-Tanzkampf (!), der zu den Klängen von Demi Lovato's Confident erklingt, was in keiner Hinsicht auch nur irgendwie passt und offensichtlich nur dazu dient, dem jungen Publikum irgendwas zeitgemäßes an die Hand zu geben... aber warum den Film dann nicht gleich in der Gegenwart spielen lassen? Solcherlei fragwürdige Entscheidungen kosten Ballerina immer wieder den herzlichen Stil, den er definitiv hat: So gibt es einige bewegende Momente, ein bisschen Witz und viele gefühlvolle Momente. Den Vogel abschießen tun die Macher dann aber noch mit einer solch karikaturesken Antagonistin, die letztendlich sogar einen Mord an einem Kind zu begehen versucht - da wähnt man sich dann wirklich im falschen Film. Solcherlei Übertreibungen stehen im harten Kontrast zur eigentlich sonst sehr bodenständigen, menschlichen Geschichte.

Fazit: Ballerina trifft nur selten den richtigen Ton - menschliche, bewegende Szenen wechseln sich mit modernem Popkultur-Trash ab, die Songauswahl sorgt für Verwirrung und auch die Animationen sind nicht zeitgemäß. Innerhalb der recht schematischen Handlung lassen sich gerade für jüngere Zuschauer*innen aber trotzdem einige schöne Momente finden.

Note: 4+



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