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Eins und Eins macht Vier

Die kleine Amanda Lemmon (Mary-Kate Olsen) lebt in einem Waisenhaus. Obwohl sie besonders zu ihrer Betreuerin Diane Barrows (Kirstie Alley) ein sehr gutes Verhältnis pflegt, fühlt sie sich in dem ständigen Trott aus Besuchen von potenziellen Eltern nicht wohl. Ganz anders hingegen die junge Alyssa Callaway (Ashley Olsen), die aus reichem Hause stammt und eigentlich alles hat, was sie sich wünscht. Als sich jedoch die kinderhassende und finstere Pläne ausheckende Clarice Kensington (Jane Sibbett) an ihren alleinstehenden Vater Roger (Steve Guttenberg) heranmacht, droht auch ihr Leben, einen unbequemen Verlauf zu nehmen. Die beiden Mädchen, die sich zuvor nie begegnet sind, sich aber bis aufs Haar gleichen, treffen während eines Ausflugs des Waisenhauses in ein Freizeit-Camp, welches direkt neben dem Haus der Callaway's gelegen ist, aufeinander und beschließen dann, zumindest für einen Tag ihre Leben zu tauschen. Denn was für die eine die Hölle zu sein scheint, könnte für die jeweils andere die Erfüllung ihrer sehnlichsten Wünsche bedeuten.

Besonders in den 90ern führte kaum ein Weg an den Olsen-Zwillingen vorbei. Zuvor mit der beliebten Sitcom Full House zu enormem Ruhm gelangt, eroberten sie schon bald mit zahlreichen Familienkomödien auch die Leinwände. Heute hört man von den beiden praktisch nichts mehr, im Gegensatz hat ihre jüngere Schwester Elizabeth durch vielseitige Kinorollen, darunter den festen Platz als Wanda Maximoff im Marvel Cinematic Universe, den Olsen-Ruhm für sich beansprucht. Dass aber noch vor rund dreißig Jahren Hollywood völlig verrückt nach Mary-Kate und Ashley war, ist leicht nachzuvollziehen, wenn man sich Eins und Eins macht Vier aus dem Jahr 1995 ansieht. In diesem Film glänzen die Zwillinge bereits mit einer enormen Präsenz, auch wenn für eine seichte Familien-Komödie wie diese natürlich kein oscarreifes Schauspieltalent verlangt wurde. Dafür überzeugen beide mit einer gewissen Natürlichkeit, starkem Comedy-Timing und Glaubwürdigkeit, was sie damals zu zwei der bestbezahltesten Kinderdarstellerinnen machte.
Die Geschichte, die hier wirklich nur sehr lose auf dem Romanklassiker Das doppelte Lottchen basiert und mit diesem eigentlich nur noch die Grundidee teilt, ist natürlich vollkommen vorhersehbar. Von Anfang an weiß man, wie die potenziellen Probleme der beiden Mädchen gelöst werden und auch die erwachsenen Figuren sind sehr klar gezeichnet - wie deren persönliches Happy End (oder auch mal ein Bad Ending) aussieht, kann man sogleich an einer Hand abzählen, sobald diese die Bühne betreten. Das macht aber bei diesem Genre erstmal gar nichts, solange man diese Vorhersehbarkeit durch viel Witz, Charme und Herz tilgt... und das gelingt diesem Film ohne Wenn und Aber. Natürlich ist der Humor eher auf der harmlosen Ebene anzusehen, doch ein gewisser, frecher Ton schwingt dennoch mit. Der Slapstick-Witz ist treffsicher, ohne dabei seine Ideen auszureizen, die Gags sind ebenso kinderfreundlich wie auch für erwachsene Zuschauer ansprechend und die Figuren, so schematisch sie auch angelegt sind, wissen durch die Bank weg durch Charme und Sympathie zu überzeugen.
Besonders Kirstie Alley legte als alles für ihre Waisenkinder in Bewegung setzende Betreuerin eine hervorragende Performance aufs Parkett, während sich Hitch-Star Philip Bosco als gutmütiger und auch ziemlich cleverer Butler als echter Szenendieb erweist. Auf dem Regiestuhl saß dabei übrigens Andy Tennant, der auch Jahre später noch der Komödie treu blieb und dabei starbesetzte Hits wie Sweet Home Alabama inszenierte. Und dass er flotte Inszenierungen beherrscht, beweist er auch hier - der Film hat quasi keinerlei Hänger, ist in seinem sympathischen Chaos stets temporeich, witzig und immer wieder auch angenehm gefühlsduselig. Dass hier kein großes Oscar-Kino wartete, dürfte allen Beteiligten bewusst gewesen sein, dafür agieren sie aber durchweg mit viel Spaß und besonders die vorhersehbaren, aber in ihrer Umsetzung sehr charmanten Verwechslungsszenen machen große Freude. Ein klassischer Sonntag-Vormittag-Film für die ganze Familie - Kinder werden klug unterhalten und auch Erwachsene langweilen sich trotz der typischen Klischees zu keiner Sekunde.

Fazit: Charmante Verwechslungskomödie für die ganze Familie. Dementsprechend brav und schematisch inszeniert, aber durchweg witzig, toll gespielt und mit viel Herz ausgestattet. Kein Komödienklassiker, aber ein kurzweiliger Abenteuertrip, der die Lachmuskeln durchaus fordert.

Note: 3+



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