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Down Cemetery Road - Die erste Staffel

Als in einem verschlafenen Städtchen bei Oxford ein Familienhaus explodiert und zwei Menschen in den Tod reißt, glauben die meisten Einwohner an einen tragischen Unfall. Doch die Nachbarin Sarah Tucker (Ruth Wilson) ist skeptisch, zeigt sich vom Verhalten der Ärzte und Polizisten verwirrt und stellt zudem fest, dass ein kleines Mädchen, welches die Explosion überlebt hat, offensichtlich vollkommen von der Außenwelt abgeschirmt werden soll. Sarah kontaktiert das Privatdetektiv-Pärchen Zoe (Emma Thompson) und Joe (Adam Godley), die sich der seltsamen Umstände annehmen sollen. Und dabei scheint Sarah den richtigen Riecher gehabt zu haben, denn alsbald wird sie von äußerst dubiösen Männern verfolgt... und es kommt schließlich zu einem weiteren Todesfall, der Sarah beweist, dass sie hier in ein Wespennest gestochen hat und einer echten Verschwörung auf der Spur ist.

Dass diese neue Apple-Serie von den Leuten stammt, die mittlerweile auch für fünf Staffeln der Krimi-Show Slow Horses verantwortlich zeichnen, sieht man sofort. Wieder geht es ins vernebelte England, wieder steht ein ziemlich obskurer Kriminalfall im Fokus und wieder spielt ein englischer Topstar die Hauptrolle eines Ermittlers (bzw. diesmal natürlich Ermittlerin), der auf Konventionen scheißt. Dabei ist Emma Thompsons Charakter zwar längst nicht so herrlich abgefuckt und widerwärtig aufgelegt wie der kongeniale Gary Oldman, aber dennoch macht ihre Performance Spaß: Mit abgerockter Igelfrisur, allerlei lakonischen Sprüchen, cooler Lederjacke und "Fuck you"-Attitüde macht sie echte Freude, vergisst dabei aber auch nicht, dass dieser Charakter auch Herz haben muss. Neben ihr wirkt Sarah Tucker, gespielt von Ruth Wilson, dann eigentlich in ihrer seltsamen Heldinnen-Attitüde niemals wie ein echter Mensch und erfüllt den unpassenden, cartoonigen Charakter der Show.
Womit wir bei den Schwächen wären, die man so eben auch aus den schlechteren Seasons von Slow Horses kennt. So hat man sich hier zwar für eine recht spannende Ausgangssituation ergeben, die allerlei Fragezeichen aufmacht, denen man anschließend gern hinterher jagen möchte. Schon früh stellt sich jedoch heraus, dass die gesamte Geschichte rund um mysteriöse Auftraggeber, einem verschwundenen Kind, Auftragsmördern und außer Kontrolle geratenen Hünen sowas von an den Haaren herbeigezogen ist, dass im Grunde keine echte Crime-Atmosphäre entstehen kann. Was kein Problem wäre, wenn man sich hier durchaus dem Comedy-Genre verschreiben würde. Doch dafür ist Down Cemetery Road tonal viel zu wechselhaft und schneidet ultra-brutale Morde an unschuldigen Zivilisten mit äußerst goofy-gen Slapstickmomenten und einer absolut cartoonhaften Verschwörungsgeschichte zusammen, sodass das am Ende kaum zusammenpassen mag. Mit einigen höchst zweifelhaften Wendungen soll wohl kaschiert werden, dass die Story äußerst dünn ist - immerhin gibt es zwischendurch aber manch einen launigen Dialog.
Die Inszenierung gerät dabei wechselhaft. Gerade wenn sich die Serie im späteren Verlauf plötzlich in einem schieren Rambo-Film wähnt und mit (völlig unpassenden) Actionszenen protzen will, wirkt die ganze Shotgun-Ballerei und das Fliehen über einen verminten Strand einfach nur lächerlich. Lächerlich geraten indes auch viele Nebenfiguren, bei denen das Wort "Karikatur" noch eine Untertreibung wäre. Gerade die völlig klischeehaften Bösewichter wirken wie aus einem Comicheft für Zehnjährige entsprungen und es hätte an einigen Stellen nur noch ein diabolisches Lachen gefehlt, um diese Figuren zu zeichnen. Obwohl es später einige durchaus intensive Spannungsspitzen und auch einige Überraschungen gibt, geht der Puls aufgrund dieser äußerst merkwürdigen Entscheidungen bezüglich Inszenierung und Figuren niemals nach oben... sodass die Serie trotz einer starken Emma Thompson doch nur ein äußerst maues Vergnügen bleibt.

Fazit: Wer auch die etwas trashigeren Slow Horses-Staffeln mochte, kommt hier ebenfalls auf seine Kosten. Wer damit jedoch fremdelte, wird sich hier trotz einer herrlichen Emma Thompson an den unsinnigen Übertreibungen, der fahlen Geschichte und den völlig banalen Nebenfiguren stören.

Note: 4+



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