Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben, welches die Kleinstadt Hawkins förmlich in der Mitte entzweite, hat das Militär die betreffenden Bereiche strikt abgeriegelt. Für die Gruppe rund um Mike (Finn Wolfhard), Elfi (Millie Bobby Brown), Hopper (David Harbour) und Co. bleibt dabei nur die Arbeit im Geheimen, um sich in das "Upside Down" zu schleichen und endlich den fiesen Vecna (Jamie Campbell Bower) aufzuspüren und endgültig zu erledigen. Allerdings fehlt seit Monaten jede Spur von dem Strippenzieher, weswegen unter den Freunden bereits die Möglichkeit besprochen wird, dass Vecna womöglich seinen Verletzungen erlegen ist. Dass dem nicht so ist, wird aber schnell klar, als Mikes kleine Schwester Holly (Nell Fisher) angegriffen wird. Um Vecna ein letztes Mal auszutricksen, muss die gesamte Gruppe all ihre Tricks und Kenntnisse anwenden... und damit rechnen, das letzte Gefecht nicht zu überleben.
Hier ist wirklich etwas ganz Großes zu Ende gegangen: Zweifellos ist Stranger Things die deutlich größte Serie auf dem ebenso deutlich größten Streamingdienst und wenn diese weltweit umjubelte Fantasy-Show nach zehn Jahren zu ihrem Abschluss kommt, dann spielt das fast schon in einer Riege mit großen Kino-Showdowns wie Der Herr der Ringe. Aber nicht qualitativ natürlich, denn da liegen doch noch ein paar Welten zwischen dem Mystery-Horror der Duffer Brothers und Tolkiens epischem Fantasy-Werk. Auch weil ausgerechnet die fünfte Staffel rein dramaturgisch nun einige Probleme hat, mit denen man so nicht unbedingt gerechnet hat. Wir erinnern uns: Der ungemein wirkungsvolle Cliffhanger der vierten Staffel hatte im Grunde das Brett bereitet und die finale Schlacht zwischen Gut und Böse konnte beginnen. Dass die Geschichte nun jedoch einfach ein Jahr nach vorne springt und den großen Kampf erstmal verschiebt, hat sicherlich auch mit der langen Produktionsdauer zu tun - irgendwie muss man das weiterhin fortschreitende Alter der (mittlerweile deutlich nicht mehr) jugendlichen Schauspieler*innen ja erklären. Auf der Handlungsebene bringt das aber erhebliche Einschnitte mit sich.
So merkt man, dass die Drehbücher sich fürchterlich strecken müssen, um nicht einfach mit einer gigantischen Monsterkloppe loszulegen, sondern stattdessen sieben Episoden zu präsentieren, bevor es wirklich zum finalen Schlagabtausch kommt. Keine Frage, acht Folgen voller Fantasy-Action hätten wir auch nicht sehen wollen, aber das stattdessen hier Präsentierte wirkt in seiner arg wirren, bisweilen auch ziemlich dünnen Erzählung nicht sonderlich eindringlich. Im Grunde kann hier aber auch gar nicht mehr viel erzählt werden, wurden die dringlichsten Fragezeichen doch bereits in der vierten Staffel geklärt, sodass hier nun nur noch ein paar offene Fragen hier und da bleiben - offene Themen rund um den Zustand von Max Mayfield oder einige Figuren, die wir schon lange nicht mehr gesehen haben, hätten da aber nicht nochmal acht Folgen benötigt, die zudem fast alle die 1-Stunden-Marke überdeutlich knacken. Und um das zu kompensieren, fährt man einfach einen erheblichen Action-Anteil auf, wobei die Figuren mittlerweile bis an die Zähne bewaffnet gegen Monster und Menschen (!) in den Krieg ziehen, während alle fünf Minuten neue Pläne für das konkrete Vorgehen besprochen werden. Irgendwann blickt man angesichts der stetig neuen Informationen über Parallelwelten, Superkräfte und paranormale Monster zwar nicht mehr durch, aber das scheint egal, sofern am Ende all unsere geliebten Charaktere in eine große finale Schlacht ziehen können, bis die CGI-Abteilung vor Überarbeitung den Hut ziehen will.
Aber stopp: Wir reden hier schließlich immer noch von Stranger Things und nicht von einem neuen, CGI-getrieften Blockbuster ohne Sinn und Verstand. Dementsprechend gibt es hier immer noch handelnde Figuren, die wir schon lange begleiten und deren Schicksal uns natürlich interessiert. Und ja, die Macher kreieren neben etlichen, arg schwammigen Monsterszenen und diffusen Dialogen über Metaphysik dann auch wieder einige echte Highlights, bei denen man sich vor Anspannung schier in den Sitz krallen möchte. Wenn es denn mal passt, dann sitzen die emotionalen Knackpunkte wie eh und je, in den meisten Momenten sehen die CGI-Schlachten erneut grandios aus und es gibt auch mal wieder einige sehr feine Charaktermomente zu bewundern. Neben diesen wirklich meisterhaften Szenen stechen aber auch jene deutlicher hervor, die wirklich gar nicht funktionieren. So wird mittlerweile deutlich, dass einige Figuren einfach auserzählt sind und im Grunde nur noch mitgeschleift werden, weil sie bei den Fans beliebt sind und nicht, weil man sie für die (ohnehin reichlich überzogene) Handlung noch braucht. So wird zwei Fanfavoriten zum Beispiel ein völlig banaler Konflikt angedichtet, um für ein paar Spannungen zu sorgen und ein Liebesdreieck, welches schon vor zwei Staffeln abgehakt war, wird auch noch mal (aus fadenscheinigsten Gründen) hervorgekramt.
Und während all dieser Holperei zwischen großartigen und arg behämmerten Momenten fragt man sich, ob das überhaupt noch das Stranger Things ist, in welches wir uns verguckt hatten. Der wunderbar charmante Mystery-Faktor der ersten Staffeln ist jedenfalls nur noch eine neblige Erinnerung, das hier hat mehr etwas von Starship Troopers oder dem nächsten Marvel-Abenteuer, wobei es möglichst an allen Ecken und Enden rummst und kracht. Keine Frage, das ist immer wieder höchst beeindruckend und zaubert dabei auch Wendungen aus dem Ärmel, die man so nicht mal ansatzweise kommen sieht. Aber es stolpert auch einige Male, bevor man schließlich zum ganz großen Tusch bläst und während eines finalen Showdowns, bei dem einem Hören und Sehen vergeht, alles auffährt, was die Rechner noch mal hergegeben haben. Und nach gefühlt tausenden Rettungen in letzter Minute und einigen äußerst befriedigenden, bisweilen mutigen Entscheidungen auf dem Weg zum Finale und während diesem naht der Abschied. Und obwohl ich bis dahin nur leidlich zufrieden war mit dem, was mir die letzte Staffel dieser einst wirklich brillanten Serie gegeben hatte, so sind die letzten vierzig Minuten, in denen wir Die Rückkehr des Königs-like von allen noch lebenden Figuren Abschied nehmen dürfen, so rührend, so bewegend, aufrichtig und vor allem rund, dass die ein oder andere Träne durchaus kullert und man dennoch sehr zufrieden aus der ganzen Nummer hinausgeht. Es war schon eine ziemliche Achterbahnfahrt mit Stranger Things und auch wenn die Serie ähnlich wie die Netflix-Originals You oder House of Cards nun mit ihrer insgesamt schwächsten Staffel enden, so darf man sich dennoch darüber freuen, dass am Ende die großen Gefühle gegenüber der Mega-Action gewinnen. Denn die schönsten Momente dieser Staffel gehören weder den CGI-Monstern noch den Greenscreens, sondern den ganz leisen und deswegen so beeindruckenden Charakterszenen.
Fazit: Der finale Tusch hält ebenso viele brillante wie ernüchternde Momente bereit und hat vor allem Probleme mit einer ebenso dünnen wie aufgebauscht-übertriebenen Geschichte, bei denen auch die feinen Charaktermomente bisweilen verloren gehen. Dem gegenüber stehen jedoch großartige Momente voller Euphorie, Emotionen und Frohsinn, wenn die Serie zwar nicht ohne Schrammen in ihr Ende segelt, aber dennoch einen sehr runden und befriedigenden Abschluss kreiert.
Note: 3
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