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Tron: Ares

Fünfzehn Jahre sind seit der gemeinsamen Flucht von Cora und Sam Flynn aus dem Raster vergangen. Mittlerweile liefern sich die beiden Technikriesen Encom, geführt von Eve Kim (Greta Lee), und der stetige Konkurrent Dillinger, nun vertreten von Julian Dillinger (Evan Peters), Enkel des verstorbenen, ehemaligen Geschäftsführers Ed Dillinger, einen gnadenlosen Schlagabtausch um eine gewisse Technik, die die Welt verändern könnte. Um einen Vorteil zu erhaschen, kennt Dillinger keinerlei Grenzen und erschafft deswegen ein neues Master Contral Program namens Ares (Jared Leto), welches er selbst kontrolliert. Dieses soll dabei helfen, an einen gewissen Code im Besitz seiner Konkurrentin Eve zu gelangen. Doch je mehr Ares über die Welt der Menschen lernt, desto menschlicher wird er selbst... was seinem Schöpfer so gar nicht in den Kram passt.

Während man Tron: Ares sichtet, könnte man einer Verschwörungstheorie anheim fallen - nämlich jener, dass Disney mit diesem Film (dem ersten Beitrag zur Reihe seit beinahe fünfzehn Jahren) mutwillig versucht, ihr eigenes Franchise zu zerstören. Über etwaige Gründe ließe sich zwar nur spekulieren, aber es scheint wie die eigene Vernichtung einer ehemals sehr namhaften Marke... denn wirklich nichts, was man hier tut, scheint mit gutem Gewissen getan worden zu sein. Spinnen wir das also fort und suchen nach Indizien für diese Verschwörungstheorie: Einerseits hat Disney ein so hundsmiserabel schlechtes Drehbuch schreiben lassen, dass hier niemand auch nur ansatzweise von einem achtbaren Werk sprechen kann, ohne dabei knallrot anzulaufen. Zudem verärgert man insbesondere die zahlreichen Fans des Sequels Tron: Legacy, indem man deren Handlungen und Plotpoints innerhalb seiner eigenen, völlig wirren Geschichte verdreht oder sogar negiert, sodass nichts mehr Sinn ergibt. Was dann aber auch irgendwie passt, denn bei Ares gehts zwar um irgendwas, aber es wird nie wirklich klar, um was. Zwei konkurrierende Tech-Genies im Kampf um... ja, was eigentlich? Das scheint aber egal zu sein, denn diese Mücke von einer völlig banalen Geschichte scheint eh nur dazu gut zu sein, um alle paar Minuten hochdramatisch etwas in die Luft zu jagen.
Um aber wirklich auf Nummer sicher zu gehen, dass der dritte Tron-Film eine völlige Bruchlandung wird, holte man sich noch zwei Personen hinzu, bei denen unumstößlich klar war, dass sie diesen Untergang selbstständig mit einleiten würden. Einerseits durfte Joachim Ronning auf dem Regiestuhl Platz nahmen, der vor rund acht Jahren schon eindeutige Erfahrung darin aufzeigte, eine große Franchise Schiffbruch erleiden zu lassen, als er mit dem fünften Pirates of the Caribbean-Film eine riesige Reihe beerdigte. Und dann wurde natürlich Jared Leto als neuer Hauptdarsteller an Bord geholt, denn der ist seit einigen Jahren schier berüchtigt dafür, in großen Blockbustern aufzutreten und diese auf eigene Faust schier zu torpedieren. Wobei man konstatieren muss, dass sich Suicide Squad-Star Leto hier nun deutlich zurückhält. Generell sind die Schauspieler nicht das große Problem, denn selbst wenn man jemanden wie Evan Peters im Gepäck hat, der sich halt immer bemüht, irgendetwas abzuliefern, so sind diese Mühen angesichts solch holpriger Dialogzeilen, die ihm und dem Rest des Casts in den Mund gelegt werden, eh sinnlos. Ronning beweist indes, dass er kaum in der Lage ist, mal ansatzweise Szenen sinnvoll aneinanderzureihen, während seine stillose Inszenierung nur eine völlig missratene Nachahmung dessen zu sein scheint, was Joseph Kosinski noch an echter Bildgewalt aus Tron: Legacy gemacht hatte.
Und das ist dann ein schwerwiegender Punkt, denn offensichtlich hat man sich bei Disney einfach darauf verlassen wollen, dass die Wiedererweckung einer großen Marke alleine schon reichen würde, um einen Hit zu garantieren (sofern sie nicht willentlich einen Flop hinlegen wollten, wie gesagt). Dass das aber nicht reicht, zeigt nicht nur das desaströse Einspiel an den Kinokassen, welches die gesamte Reihe zum jetzigen Zeitpunkt beendet, sondern auch die Tatsache, dass das gesamte Werk einfach keinen Stil hat. Natürlich sind die visuellen Effekte beeindruckend, doch wenn diese wie hier einfach nur zwei Stunden in orangenen und weißen Lichtern aneinandergereiht werden, ohne dass dazwischen irgendetwas Relevanz hat, dann ermüdet die ganze Nummer schon nach wenigen Minuten... auch weil sich dazwischen einige Bilder eingeschlichen haben, die selbst innerhalb einer künstlichen Welt zu künstlich daherkommen. Regisseur Ronning ist einfach kein Bilder-Künstler wie sein Vorgänger Kosinski und verliert maßlos die Kontrolle über ein wirres Werk, welches von Anfang bis Ende keine klare Linie fährt und diese Leere unter Tonnen an CGI zu ersticken versucht - das Paradebeispiel eines absolut seelenlosen und superteuren Blockbusters. Am Ende bleibt es Fans nur übrig, sich an dem (aber auch nicht mehr so genialen) Soundtrack und an einer wirklich gelungenen Reminiszenz an den originalen Tron aus dem Jahr 1982 zu erfreuen, vor dem man sich hier wirklich sehr fein verbeugt. Etwas eigenes hat dieser dritte Film aber nicht beizutragen.

Fazit: Irgendwo zwischen dauerhaftem CGI-Feuer ohne Stil, Sinn und Wucht versteckt sich eine solch banale und blödsinnige Geschichte, dass die Vorgänger dagegen wie ganz große Story-Kunstwerke daherkommen. Als würde Disney sein eigenes Franchise mutwillig torpedieren wollen, werfen sie hier alles in einen Korb, was einem modernen Blockbuster nicht steht... und beenden die Tron-Reihe somit mit einem echten Flop, der richtig wehtut und zudem allerlei Kopfschmerzen verursacht.

Note: 4-



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