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Together - Unzertrennlich

Sie wollen den großen Schritt wagen: Das Pärchen Tim (Dave Franco) und Millie (Alison Brie) ziehen von der Großstadt New York in ein friedliches Häuschen auf dem Lande. Dabei verlassen sie ihre Familien und Freunde, alles Vertraute... und behalten praktisch nur noch einander. Während einer Wanderung durch die nahen Wälder, während welcher sie die beinahe menschenleere Umgebung erkunden wollen, stürzen die beiden in eine im Boden verborgene Höhle. Nach dem ersten Schrecken verbringen sie dort die Nacht und stellen am nächsten Morgen mehr als irritierende, körperliche und letztlich auch psychische Veränderungen aneinander fest. Besonders Tim scheint es nicht gut zu gehen, da er sich plötzlich mehr als nur extrem zu Millie hingezogen fühlt, obwohl die Beziehung zwischen den beiden zuletzt besonders von seiner Seite aus zu kriseln schien. Doch ist dies erst der Anfang eines grausamen, physischen Prozesses, der nicht aufzuhalten ist und dessen Ursprung scheinbar in den einsamen Wäldern zu finden ist...

Mein Gott, das Jahr 2025 ist wirklich ein großartiges Jahr für Horror-Fans. Und für mich ist es noch lange nicht zu Ende, habe ich solch aussichtsreiche Kandidaten für die Schocker-Perle des Jahres wie Blood & Sinners, den neuen Conjuring-Teil oder den zuletzt für allerlei Aufsehen gesorgten Bring Her Back ja noch gar nicht gesehen. Doch auch so geht dieses Jahr wohl in die Horror-Annalen ein: Mit dem sechsten Final Destination-Film erhielt die Reihe nach vielen Jahren ihren besten Teil, zuletzt brachte uns der brillante The Ugly Stepsister zeitgleich zum Nachdenken und drehte uns den Magen um und dann war da natürlich noch der von allen Seiten umjubelte Weapons. Und in diese absolute Hochphase des aktuellen Horror-Kinos fügt sich auch Together qualitativ nahtlos ein: Er ist in seinen grauenerregenden Body-Horror-Bildern nicht so intensiv wie The Ugly Stepsister und in seiner Ausformulierung eines fiesen Schocker-Wahns nicht so ausgefuchst wie Weapons, aber in sämtlichen Kategorien dennoch so herausragend, dass man über ihn in den Bestenlisten des Jahres sicherlich noch einige Male wird sprechen müssen.
Die Horror-Parts gelingen Regisseur Michael Shanks dabei ausgesprochen gut: Schon die allererste Szene ist bemerkenswert treffsicher und nur wenige Minuten später lehrt Shanks uns mit einem Moment im gemeinsamen Bett so dermaßen das Fürchten, dass man im Grunde während des gesamten, nachfolgenden Films völlig angespannt ist, da man stets damit rechnet, dass die schaurige Absurdität des Streifens sehr bald Bahn brechen könnte. Dabei verstreut Shanks zwar auch ein paar Nebelkerzen, um hier und da noch einige Schocks einbauen zu können, baut diese aber zumindest inszenatorisch sinnig ein. Später kann er sich mit der Hilfe von zumeist praktischen und hier und da einigen digitalen Tricks damit rühmen, einige der erinnerungswürdigsten Body-Horror-Bilder der letzten Jahre kreiert zu haben, die uns noch lange nachhängen dürften. Dank einer ungemein intensiven Tonspur und der perfekten Austarierung dessen, was man nun an äußerst heftigen Bildern wirklich zeigt oder nur andeutet, gelingen insbesondere während des völlig abgedrehten und hochspannenden Finales gleich mehrere Momente, die sich praktisch in die Netzhaut brennen.
Wobei das alles nur die inszenatorische Oberfläche ist, bei der ich, damit ich niemandem die Überraschungen von dem, worum es hier eigentlich im Kern geht, vorwegnehme, ausgesprochen vage bleiben möchte. Unter dieser Oberfläche sehen wir nämlich eigentlich eine Beziehungsgeschichte, beinahe schon ein romantisches Drama, welches hier innerhalb des Horror-Genres einfach mal auf links gedreht wird. Die zentrale Message ist dabei klar zu erkennen und lässt uns das Thema rund um monogame Beziehungen, in denen man sich völlig verlieren oder auch mehr als eingesperrt fühlen kann, von einer ganz anderen, äußerst schmerzhaften Seite betrachten. Dabei gelingt Shanks das Kunststück, dieses vieldiskutierte Thema sowohl von einer negativen als auch von einer sehr romantischen Seite zu beleuchten - und sogar für ein wenig düsteren Humor ist dabei noch Platz. Dave Franco und Scream-Star Alison Brie geben das junge Pärchen ungemein überzeugend und halten selbst in den skurrilsten Momenten noch mit sehr viel Glaubwürdigkeit dagegen. Was insofern nicht verwundert, aber dennoch begeistert, da beide auch im wahren Leben ein Paar sind und der Film somit noch eine weitere Meta-Ebene erhält, die einen förmlich in die Handlung hineinzieht. Die letztendliche Auflösung des ganzen Spuks ist nicht so austariert wie in Weapons, genügt aber vollkommen und lässt auch noch Raum für eigene Gedanken. Und diese Gedanken werden nach der Sichtung sicherlich noch einige Tage um diesen Film kreisen, denn der berührt, schockiert und verfolgt einen in mehrfacher Hinsicht... und lässt uns (wortwörtlich) so bald nicht mehr gehen.

Fazit: Ekstatischer Body-Horror im Gewand eines äußerst cleveren, durchdachten und bisweilen regelrecht berührenden Liebes-Dramas, bei dem sowohl die schaurige und oftmals eklige Inszenierung und auch die beiden Hauptdarsteller zu begeistern wissen. Auch wenn hier und da noch etwas mehr Intensität drin gewesen wäre, ist das hier ein weiterer, ganz starker Horrorfilm aus dem Jahr 2025, der sich somit in bester Gesellschaft befindet und sich hinter den weiteren Vertretern aufgrund seiner ganz eigenen Art definitiv nicht verstecken muss.

Note: 2



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