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North Hollywood

Teenager Michael (Ryder McLaughlin) steht kurz vor seinem High-School-Abschluss. Was er danach machen will, weiß er ganz genau: Er will ein berühmter Skateboarder werden. Deswegen trifft er sich in seiner Freizeit mit seinen Freunden, um Videos für ein Demoband zu drehen, welches er dann an die jeweiligen Talentscouts schicken möchte. Dieser Traum steht aber konkret dem im Wege, was sein strenger Vater Oliver (Vince Vaughn) möchte - der will seinen Sohn entweder auf einem guten College, wofür seine Zensuren aber kaum ausreichen, oder in einem sicheren, einfachen Job sehen... ähnlich, wie er selbst sein Leben verbracht hat. In dem ständigen Kampf darum, sowohl seinen Vater glücklich zu machen als auch seinen eigenen Zielen nachzujagen, muss sich Michael entscheiden, was ihm am wichtigsten ist und welche Menschen er vor den Kopf stoßen muss, um das zu erreichen, was er braucht.

Das liest sich natürlich erstmal wie eine weitere, typische Hollywood-Fabel, die uns rät, definitiv unseren Träumen zu folgen, auch wenn es noch so unwahrscheinlich ist, dass diese letztendlich in Erfüllung gehen. Was per se ja nichts Schlechtes ist, denn wer sehnt sich in diesen dunklen Zeiten unserer Realität nicht nach einer Flucht in eine Welt, in der Figuren tatsächlich das erreichen, wovon sie ihr Leben lang träumen. Trotzdem ist North Hollywood nicht solch ein Film, denn der stellt uns zwar eine Hauptfigur vor, die einen Traum hat und diesen verfolgt, dabei aber auch mit der schnöden Realität konfrontiert wird, die am Ende seines Weges womöglich auf ihn warten könnte. Der Film will zwar durchaus die Message erzählen, dass es wichtig ist, das zu tun, was man wirklich will - so werden die Menschen, die zwar mal Träume hatten, diesen aber letztendlich nicht nachgejagt sind, doch eher als einsame, mit sich und ihrer Engstirnigkeit bestrafte Menschen gezeigt. 
Wirklich entschlossen wirkt man aber auf keinem der Wege. Es gibt durchaus düstere Momente, die mit ziemlicher Intensität aufzeigen, dass Michael aufgrund dieses Traumes auch in einer Ecke enden könnte, die alles andere als schön ist... oder einer, die ihn einfach nur aufgrund ihrer Einfachheit enttäuscht. Zeitgleich hält der Film aber auch an der Message fest, dass man diesen Wünschen nacheifern muss. Beide Seiten versucht man hier zu präsentieren, sowohl düster als auch aufbauend, entscheidet sich aber letztendlich für keinen der beiden Wege und macht deswegen nichts so richtig. Wir ahnen zwar, was uns North Hollywood mit auf den Weg geben will, doch da man sich hier in keine der beiden Richtungen so wirklich traut, bleibt vieles zu arg an der Oberfläche haften. So haben die verschiedenen Konflikte eigentlich viel Dampf, doch richtig tiefgründig werden sie nie behandelt, was sowohl für Streitereien unter Freunden als auch für die recht maue Liebesgeschichte gilt.
Am spannendsten ist dabei noch der Konflikt zwischen Vater und Sohn, der so etwas wie die große, übergestülpte Konklusio daherkommt. Dass diese Handlung überzeugt, hat aber auch mit der grandiosen Performance von Fighting with my Family-Star Vince Vaughn zu tun, der das Herz ebenso am rechten Fleck hat wie er mit seinen bedrückend-fiesen Dialogzeilen ungemein flott umzugehen vermag. Im direkten Zusammenspiel mit Vaughn überzeugt auch Newcomer Ryder McLaughlin, auch wenn er darüber hinaus nicht immer große Akzente zu setzen vermag. Das passt aber auch zu einem Film, der in seiner Inszenierung eher still und leise agiert, um eine durchaus realistische, beinahe sogartige Atmosphäre aufzubauen. Das ist dann definitiv nicht immer spektakulär oder spannend, was hier geschieht, hat aber einen gewissen, rohen Style, der durchaus gefällt. Zudem sind die einzelnen Skate-Szenen, auch weil sie ebenfalls so roh und unperfekt sind, kleine Highlights in einem Film, der sich darüber hinaus zu selten entscheiden kann, was er eigentlich genau sein will.

Fazit: Besonders der zentrale Konflikt zwischen Vater und Sohn hat vor allem dank Vince Vaughn richtig Dampf. Darüber hinaus gibt es schicke Skate-Szenen und eine stimmige 90s-Atmosphäre, aber auch viel zu wenig Entschlossenheit gegenüber den dringlichen Themen, die hier zu oberflächlich abgehandelt werden.

Note: 3-



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