Direkt zum Hauptbereich

Halston

Noch in den 60er Jahren krähte kaum ein Hahn nach dem extravaganten Mode-Designer Roy Halston Frowick (Ewan McGregor). Der ist sich jedoch von Anfang an bewusst, dass nur eine prominente Person seine Sachen tragen muss, um alles von jetzt auf gleich zu ändern. Und so kommt es tatsächlich: Schon bald verbindet ihn eine enge Freundschaft zu der aufstrebenden Sängerin Liza Minnelli (Krysta Rodriguez) und nur wenige Jahre später ist der Name Halston eine echte Marke in der Modeindustrie. Doch mit dem Erfolg kommen auch die Schattenseiten des Ruhms zu Tage: Halston, schon zuvor kein einfacher Mensch, wird immer jähzorniger und wütender, Geld und Drogen verderben seinen Charakter, bis sein unmittelbarer Sturz von ganz oben bevorsteht...

Von dem Mode-Designer Roy Halston hatte ich zuvor noch nie bewusst gehört, doch tut mein Wissen und meine Meinung in diesem Thema nichts zur Sache - von Mode verstehe ich ungefähr so viel wie von höherer Mathematik, man mag mir da also bitte nicht zu böse sein. Da Biopics zudem in Hollywood seit einigen Jahren schwer in Mode sind (auch wenn der Trend, der dank Bohemian Rhapsody und Co. rund ums Jahr 2018 seinen Höhenflug hatte, mittlerweile wieder abzuflauen scheint), gräbt man sich kreuz und quer durch möglichst extravagante und auffällige Künstler und Künstlerinnen, um deren Lebensgeschichte in filmischer Form, oder wie hier als Mini-Serie für Netflix, zu erzählen. Das hat fast immer irgendwie seinen Reiz, da gerade solche wahre Geschichten über unerreichbar scheinende Künstler-Seelen stets überraschen können. Doch da man sich an die realen Fakten halten muss, fühlen sich viele von ihnen in ihrer Dramaturgie stets etwas gleich an, denn die spektakulärsten Geschichten dieser Art halten sich im Grunde an einen klaren Konsens.
Und dieser besagt: Wir sehen erst den spektakulären Aufstieg des Künstlers und anschließend seinen spektakulären Fall - je nachdem rappelt sich der "Held" ganz zum Schluss dann doch nochmal für einen richtigen Sieg auf oder er bleibt am Boden. Hüben wie drüben kennen wir diese Geschichten bereits und das ist bei Halston nicht anders. Da spielt es praktisch keine Rolle, ob es sich nun um einen Schauspieler, einen Musiker oder eben einen Mode-Designer handelt, denn die Dramaturgie ist abseits der Kunst stets recht gleich. Was nicht heißt, dass das hier Gezeigte nicht interessant ist, denn der Kampf, um in dieser verbissenen Industrie endlich die nötige Anerkennung zu erhalten, ist gerade zu Beginn durchaus spannend gestaltet und spart auch nicht mit bissigem Humor. Die späteren Akte fallen dagegen aber deutlich ab, da der typische Sturz des Künstlers, der hier natürlich auch wieder mit Drogen und sexuellem Tohuwabohu zu tun hat, so halt schon oft erzählt wurde und diese Serie dieser Dramaturgie (ob auf realen Fakten beruhend oder nicht) auch nicht mehr viel Neues abringen kann.
Schwer fällt zudem, sich auf die Hauptfigur einzulassen. Denn Tausendsassa Ewan McGregor spielt diesen zwar mit herrlichster Lakonie, ungemein packend und bewegend... aber dieser Roy Halston war eben schon vor seinem Durchbruch ein ziemliches Arschloch. Oder zumindest suggeriert es uns die Serie so. Da wünscht man diesem Typen beinahe schon den später folgenden Absturz, was ein wirkliches Mitfühlen angesichts dieser menschlichen Dramen aber zumindest bei der Hauptfigur ziemlich schwierig macht. Natürlich hat eine solche Figur, die im Grunde von Anfang an jeden um sich herum wie Scheiße behandelt (es sei denn, die jeweils andere Person könnte ihm noch irgendwie nützlich sein) und stets nur auf sein eigenes, egomanisches Ziel stiert, eine gewisse Faszination und dementsprechend gerne sieht man dabei auch zu. Emotional involviert wird man trotz der späteren, bisweilen ziemlich harten Tiefschläge gegen die Figur aber nicht. Spektakulär gerät dafür jedoch die Ausstattung, welche die detaillierten Sets stets dem jeweiligen Zeitkolorit angemessen anpasst. Und bei diesem Thema sind natürlich auch die Kostüme ein echter Hingucker, die vor allem bei diversen, groß aufgezogenen Mode-Schauen für allerlei Prunk und Staunen sorgen.

Fazit: Es fällt schwer, einer Hauptfigur zu folgen, die quasi von Sekunde 1 an zwar faszinierend, aber auch ungemein unsympathisch ist. Ewan McGregor agiert hervorragend und die gesamte Stimmung ist atmosphärisch höchst einnehmend, doch die recht durchsichtige Dramaturgie eines typischen Sturzes eines extravaganten Künstlers sorgt hier kaum für echte Highlights oder gar Überraschungen.

Note: 3-



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eraser

Arnold Schwarzenegger, wohl neben Sylvester Stallone die Action-Ikone der 80er und 90er Jahre schlechthin, ist endlich zurück. Nachdem er sein Amt als Gouverneur von Kalifornien niedergelegt hat, dürfen wir ihn seit einiger Zeit endlich wieder in genügend rauen, spaßigen Actionfilmen wiedersehen. Auch wenn in der heutigen Zeit ganz klar Statham, Diesel und Co. die Actionhelden sind, macht es aber dennoch Spaß, den "Terminator"-Star wiederzusehen. Und natürlich auch seine vergangenen Filme, von denen ich bislang kaum einen gesehen habe und die ich nun mal nachholen möchte. Angefangen habe ich nun mit "Eraser" aus dem Jahr 1996... ERASER US-Marshall John Kruger (Arnold Schwarzenegger) arbeitet in einer geheimen Vereinigung der USA im Zeugenschutzprogramm. Darin beschützt er die Leben von Kronzeugen, welche vor Gericht Aussagen tätigen sollen und verschafft ihnen eine neue Identität, um sie vor dem Tod zu bewahren. Sein neuester Job ist eine junge Mitarbeiterin bei...

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...

London Boulevard

Es gibt Filme, die lassen sich schlichtweg nicht in ein festes Genre pressen. Das kann ab und an richtig spannend sein, wenn sich ein Film nicht einem Stil hingibt, kann überraschen und fesseln, aber auch außer Kontrolle geraten und so irgendwann ziellos oder gar anstrengend und ungekonnt wirken. "London Boulevard" ist so ein Mischkind, welches über Thriller, Komödie, Drama und Gangster-Krimi alles mögliche abdecken will, dabei aber immer wieder unangenehm ins Trudeln gerät. LONDON BOULEVARD Mitchel (Colin Farrell) saß drei Jahre wegen gewalttätiger Vergehen im Gefängnis. Nach seiner Entlassung will er der kriminellen Szene, in welcher ihn sein ehemaliger Partner und Freund Billy (Ben Chaplin) immer wieder hineinzudrängen versucht, absagen und nimmt anstattdessen einen ehrlichen Job an: Als Personenschutz der berühmten Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley) hält er der Frau aufdringliche Papparazzi vom Leib... und schnell kommen sich die beiden näher. Doch die Krimina...