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Das Signal

Gespannt warten Sven Groth (Florian David Fitz) und seine kleine Tochter Charlie (Yuna Bennett) auf die Rückkehr ihrer Frau und Mutter Paula (Peri Baumeister). Diese war für eine längere Zeit im All unterwegs, um dort nach einem potenziellen Heilmittel zu forschen und landet schließlich gemeinsam mit dem Rest der Crew in Chile. Als Sven und Charlie Paula am Flughafen in Empfang nehmen wollen, geschieht jedoch das Undenkbare - das Flugzeug verschwindet urplötzlich. Zudem erhielt Sven zuvor seltsame Anrufe und Nachrichten seiner Frau, die für ihn keinen Sinn ergeben. Während er sich gegen den Medienrummel wehrt, hat Charlie die Vermutung, dass Paula womöglich noch irgendwo ist... und dass sie vielleicht oben im All eine Entdeckung gemacht hat, die nicht publik werden durfte.

Ich bin mehr als froh, dass das deutsche Kino (bzw. in diesem Fall das deutsche Streaming) mehr und mehr versucht, aus seiner üblichen Bubble auszubrechen. Und auch wenn die Versuche in Genres wie Science-Fiction oder Horror nicht immer gelingen, wie zuletzt beim etwas zu ambitionierten "Brick", dann ist das trotzdem ein gutes Zeichen, dass Deutschland mehr wagen möchte als die üblichen (wenn auch nicht zwingend schlechten) Romantic Comedys oder historische Dramen. 2017 machte es die international höchst beachtete Serie "Dark" aus deutschen Landen ja bereits vor - warum da also nicht weiter drauf bauen? "Das Signal", eine vierteilige Mini-Serie, versucht nun in eine ähnliche Kerbe zu schlagen, hat dabei aber nicht genug Erfolg. Das liegt allerdings nicht an den cineastischen Fähigkeiten, denn die Serie sieht von vorne bis hinten nach großem Kino aus. Überzeugende Spezialeffekte, eine tolle Bildgestaltung, eine fesselnde Kamera, ein feiner Soundtrack - hier müssen wir uns definitiv nicht mehr vor Hollywood verstecken. Problematisch wird es leider nur, wenn es um den Inhalt geht, obwohl "Das Signal" da eigentlich einen guten Start hinlegte.
Der Aufbau des großen Mysteriums (oder sogar mehrerer?) gelingt nämlich noch sehr atmosphärisch. Während der ersten beiden Folgen scheint förmlich alles möglich zu sein in diesem Plot, weswegen man sehr aktiv miträtselt und einige Male gar staunt. Ist alles nur ein großer Schwindel? Hat die Regierung etwas zu verbergen? Sind Außerirdische mit von der Partie oder geht es um andere Dimensionen? Die Serie hält sich dabei viele Möglichkeiten offen, was für Spannung sorgt und atmosphärisch in vielen Szenen richtiggehend intensiv ist. Leider verliert dieses mystische Spiel mit der Zeit an Reiz, was nicht nur an der etwas banalen Auflösung liegt, die das ganze Brimborium zuvor im Grunde ziemlich unnütz erscheinen lässt. Es liegt auch daran, dass der Plot später signifikante Löcher aufweist, zuvor gestellte Fragen irgendwann nicht mehr befriedigend beantworten kann und es aufgrund der streckenweise völlig hirnrissig handelnden Figuren auch an der inneren Glaubwürdigkeit zu kranken beginnt. Dabei tappen die Macher dann mit der Zeit auch in einige tumbe Klischees, die sie zuvor noch recht gut vermieden haben, wenn sie zum Beispiel mit der Etablierung einer diffusen Verschwörungs-Omi auf einen klamaukigen Zug aufspringen, der nicht nur kaum Bedeutung für den Rest der Handlung hat, sondern innerhalb der recht düsteren Atmosphäre auch ziemlich unpassend daherkommt.
Ähnlich verhält es sich mit dem Schauspiel, denn auch hier gibt es zeitweise herbe Kontraste zwischen richtig guten und ziemlich unpassend gewählten Darsteller*innen. Die größte Überraschung ist aber tatsächlich Florian David Fitz, der sich mit seiner durchweg überzeugenden Performance auch für Auftritte in Genres fernab von Dramen und leichten Komödien empfiehlt. Sehr stark auch seine Filmtochter Yuna Bennett, die in ihren jungen Jahren bereits eine enorme Ausstrahlung vorweisen kann; und "Feuchtgebiete"-Star Peri Baumeister als undurchsichtige Astronautin, deren Rolle zwar verantwortlich ist für einige ziemlich herbe Blendgranaten innerhalb des Plots, aber dennoch eine markante Performance hinlegt. Etwas schwieriger sieht die Sache bei den Nebenrollen aus, denn auch hier finden sich zwar durchaus echte Könner wie die immer großartige Nilam Farooq oder Meret Becker. Aber eben auch einige echte Fehlbesetzungen: So kalauert sich Katharina Thalbach in ihrer Rolle viel zu unpassend durch die eigentlich finstere Atmosphäre und scheint den mutigen Schritt der Filmemacher in ein neues Genre doch wieder nur mit einer harmlosen TV-Komödie zu verwechseln. Auch Uwe Preuss muss in seiner Rolle als Vorgesetzter der verschollenen Astronautin bisweilen gehörig chargieren, was ihm das inkonsistente Drehbuch aber immer wieder auch vorgibt.

Fazit: "Das Signal" beginnt atmosphärisch dicht und packend, implodiert aber letztendlich, da es seine zuvor aufgebauten Mysterien nicht sinnig zusammenflechten kann und sich vieles am Ende als Luftblase entpuppt. Cineastisch herausragend gefilmt, inhaltlich aber leider recht durchwachsen. Trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung für das deutsche Kino abseits seiner üblichen Stoffe.

Note: 3-



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