Ercell Bodden (Priyanka Chopra Jonas) hat ihrer Zeit als Piratin den Rücken gekehrt und sich auf den Cayman Islands ein neues Leben aufgebaut. Gemeinsam mit ihrem Ehemann T.H. (Ismael Cruz Cordova), ihrem Sohn Isaac (Vedanten Naidoo) und ihrer Schwägerin Elizabeth (Safia Oakley-Green) genießt sie eine Phase der Ruhe, fernab von Gewalt und alten Loyalitäten. Doch die fragile Sicherheit gerät ins Wanken, als ihr früherer Kapitän Connor (Karl Urban) unerwartet auftaucht. Von Rache getrieben, zwingt er Ercell, sich den Konsequenzen ihrer Vergangenheit zu stellen. Mit Connors Ankunft rückt auch die Bedrohung für ihre Familie näher. Um sie zu schützen, greift Ercell erneut auf Fähigkeiten zurück, die sie eigentlich hinter sich lassen wollte.
Es ist schon irgendwie erstaunlich, dass niemand anderes jemals wirklich versucht hat, aus dem Piraten-Genre so richtig Kapital zu schlagen, nachdem sich die Pirates of the Caribbean-Filme zu solch einem gigantischen Erfolg mauserten. Deswegen wirkt es jetzt auch nicht unbedingt wie eine Verspätung, sondern einfach nur wie irgendein Versuch, in dem Genre noch ein bisschen was anderes zu machen, wenn Regisseur Frank E. Flowers nun mit einer Geschichte um die Ecke kommt, bei dem zwar ganz oft "Aye" gesagt wird und allerlei Pistolen und Kanonen abgeschossen werden, darüber hinaus aber nichts an den Charme dieses Genres erinnert. Das soll aber auch nicht so sein, denn die Macher nehmen das Genre diesmal sehr ernst und wollen Piraten als das zeigen, was sie damals waren: Grausame Mörder und Folterer. Das macht die ganze Geschichte aber leider auch nicht spannender.
Denn außer der groben Idee, den filmischen Piraten hier wieder eine echte Grausamkeit zu geben, nachdem sie unter den Flaggen von Disney ja vergleichsweise sanft (dafür aber ungemein charmant) agierten, kommt hier nicht viel. Die Geschichte als solche ist so dünn, dass sie locker auf eine Papier-Serviette passt. Die Charaktere bleiben reine Staffage und sogar aus der nicht gerade originellen, aber immerhin mit gewissem Potenzial ausgestatteten Idee, aus der weiblichen Hauptfigur ebenfalls noch eine Piratin zu machen, die dieses Leben aber hinter sich lassen wollte, wird im Grunde nichts mehr gemacht. Auch um offensichtlich Kosten zu sparen, filmte man das ständige Weglaufen und Verstecken dann an den immer gleichen Sets ab und erzählte dazwischen nichts, weswegen sich The Bluff trotz einer knackigen Laufzeit von nur 100 Minuten ungemein zäh anfühlt.
Darüber hinaus gibts noch einige typische Ärgernisse: The Bluff ist schon wieder einer dieser Streaming-Filme, die grottenschlecht ausgeleuchtet sind - für einen Streifen, der gut die Hälfte seiner Zeit in der Dunkelheit verbringt, ist das ziemlich fatal, da man hier oftmals außer mauem Grau kaum noch was erkennt. Die Actionszenen sind mal wieder arg zerschnitten, weswegen die eigentlich angepeilte, realistische Brutalität auch nur noch zu erahnen ist. Und Karl Urban verleiht seinem Bösewicht zwar die typische Ausstrahlung, die der The Boys-Star naturgemäß immer im Gepäck hat, kann dieser ansonsten wahnsinnig öden Figur aber auch keine frischen Seiten abgewinnen. Das ist alles wahnsinnig nach Schema F inszeniert und man spürt, dass hier an allen Ecken und Enden Abstriche gemacht werden mussten. Von einem prunkvollen Abenteuer, mit schönen Bildern und großen Actionszenen, ist hier jedoch so gut wie nie etwas zu spüren.
Fazit: Nicht mal Karl Urban kann hier noch etwas retten - ohne Schwung inszeniert und mit einer äußerst dünnen Geschichte ausgestattet, entstehen hier 90 Minuten Langeweile, von denen man aufgrund der zerschnittenen Action und der miesen Ausleuchtung aber ohnehin kaum etwas erkennen kann. Eine (leider typische) Streaming-Gurke, wie wir sie dieser Tage gerade von Prime Video zu oft vorgesetzt bekommen.
Note: 4-
Kommentare
Kommentar veröffentlichen