Das Ehepaar Mirco (Florian David Fitz) und Fatime (Aylin Tezel) hat sich voll und ganz auf den Alltag ihres zehnjährigen Sohnes Jason (Cecilio Andresen) eingeschossen. Als Autist muss sein Alltag sehr strengen Routinen und Regeln folgen, was immer wieder zu Problemen führt, so auch in der Schule oder mit anderen Kindern. Da Mirco in seinem Job oft auf Reisen ist und Fatime somit ständig mit ihrem Sohn und seinen Problemen alleingelassen wird, ist die junge Frau schon bald am Ende ihrer Kräfte. Schließlich ist es Mirco, der womöglich eine Lösung parat hat, um seinem Sohn ein echtes Ziel zu bieten, auf welches er hinarbeiten kann: Jason hat es sich in den Kopf gesetzt, unbedingt einen Lieblings-Fußballverein zu finden. Um diesen auszuwählen, muss er sich jedoch alle deutschen Mannschaften in ihren heimatlichen Stadien angesehen haben. Mirco begleitet seinen Sohn zu den Spielen und baut somit, trotz aller kräftezehrenden Probleme, langsam eine echte Bindung zu ihm auf...
Ein Thema wie dieses hätte in filmischer Hinsicht richtig in die Hose gehen können. Wie schon so oft in seinen Werken beweist "Mein Blind Date mit dem Leben"-Regisseur Marc Rothemund aber erneut das richtige Gespür, um seine problembehafteten Figuren ebenso ambivalent wie nachvollziehbar zu zeichnen. Am stärksten fällt dies bei Jason auf: Er macht seine Probleme, die für andere Menschen um ihn herum kaum verständlich sind, durchaus greifbar, auch in visueller Hinsicht, und lässt uns förmlich spüren, was für eine gewaltige Last auf dem kleinen Jungen liegt, wenn er nur die Straße entlanggeht. Gleichzeitig begeht Rothemund aber auch nicht den Fehler, Jason zu einem durch und durch sympathischen Charakter zu machen: Er zeigt auch die Fehltritte des Jungen auf, lässt ihn wachsen und reifen, ohne dabei jedoch seine tief verwurzelten Probleme mit einem kitschigen Fingerschnippen lösen zu wollen. Untermalt von einer durchweg beeindruckenden Leistung des jungen Nachwuchsschaupielers Cecilio Andresen zeichnet man hier das Bild eines verstörten Jungen, der alle Menschen um ihn herum fordert, gleichzeitig aber auch nicht in der Lage ist, dieses Verhalten abzulegen.
Die zweite, große schauspielerische Leistung gehört dann Florian David Fitz. Obwohl dieser nach meinem Geschmack im deutschen Kino deutlich zu oft eingesetzt wird, sodass man das Gefühl hat, der "Oskars Kleid"-Star würde in jedem zweiten Kinofilm mitspielen, ist er dennoch immer wieder für Überraschungen gut. So weiß Fitz hier, wann er sich eher unterstützend im Hintergrund zu halten hat und somit eher durch kleine Gesten glänzen kann - das haben wir von ihm auch schon deutlich anders gesehen, weswegen es eine Freude ist, den Schauspieler hier so nuanciert zu erleben. Auch Fitz' Figur wird dabei sehr ambivalent angelegt, was ihn nahbar macht, da er niemals die perfekte Vaterfigur verkörpert, sondern ebenfalls Fehler macht und an seine Grenzen gelangt. Diese Szenen spiegeln sich in einer stimmigen Mixtur aus Drama und Komödie wieder. Auch hier hätte man schnell entweder auf eine sehr zuckrige oder zu alberne Spur geraten können. Stattdessen kommt "Wochenendrebellen", trotz einiger inszenatorischer Klischees, ohne große Sentimentalitäten daher und auch der Humorgehalt zeigt sich von stimmiger Seite. Wir lachen wenn mit oder wegen den Figuren, niemals über sie. Dabei vollbringt der Film das Kunststück, dass wir über einige prekäre Situationen lachen können, ohne sie jedoch auszulachen oder gar zu Klamauk zu machen.
Im letzten Drittel leistet sich "Wochenendrebellen" dann zwar doch einige dramatische Überspitzungen, wenn einige reichlich vorhersehbare Konflikte angeschoben werden müssen, um für eine größere Fallhöhe zu sorgen. Dies hätte der Film nicht nötig gehabt, doch wirklich böse sein muss man ihm deswegen auch nicht. Denn selbst in den etwas klischeehafteren Momenten spricht weiterhin ungemein viel Herz aus der Geschichte, werden die Figuren ernstgenommen und dennoch nicht auf ein überhöhtes Podest gestellt. Der Film nimmt sich ausreichend Zeit, um die Lebensumstände seiner zwei bzw. drei zentralen Figuren darzustellen und auszuführen, sodass wir später gebannt sind, wenn diese schließlich entweder aus den Angeln gehoben oder doch noch vertieft werden. Dabei leistet der Film einen erheblichen Beitrag, um Verständnis für Kinder wie Jason zu schaffen und sich darüber klar zu werden, wie man mit solchen Menschen umgehen sollte: Mit Respekt und Akzeptanz. Auch wenn man es sich gegen Ende mit einigen Konfliktlösungen dann doch zu einfach macht und die reale Welt so (leider) nicht ganz aussehen wird, ist "Wochenendrebellen" ein ebenso bewegender wie ermutigender Film, der auf stimmige Art und Weise über ein schwieriges Thema spricht und noch dazu sehr gut unterhält.
Fazit: Stark besetzt und in seinem Thema außerordentlich sicher inszeniert. Ohne große Kitschkeulen, dafür aber mit viel Feingefühl für die schwierigen Themen ist "Wochenendrebellen" ein bewegendes Stück deutsches Kino, welches erheitert, zum Nachdenken anregt und uns noch länger beschäftigt.
Note: 2
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