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Wunderschöner

Vicky (Nora Tschirner) arbeitet noch immer als Lehrerin und hat es sich diesmal zur Aufgabe gemacht, in einem Kurs über die Unsichtbarkeit von Frauen in der Geschichte vor allem jungen Schülerinnen deren Position in der Gesellschaft klarzumachen - und was sie dagegen tun können. Indes hadert Vickys Schwester Sonja (Karoline Herfurth) mit der Trennung von ihrem Mann Milan (Friedrich Mücke) - hat ihre Liebe nicht vielleicht doch noch eine Chance? Julie (Emilia Schüle) hat sich derweil von ihrer Modelkarriere verabschiedet und arbeitet als Aufnahmeleiterin für eine prestigeträchtige Fernsehshow, wo sie eine grauenvolle Erfahrung machen und zudem lernen muss, mit dieser umzugehen und für ihre Rechte einzustehen. Zudem deckt Nadine Hansen (Anneke Kim Sarnau) ein Geheimnis ihres Ehemannes auf, welches noch große Kreise ziehen soll... 

Um es gleich vorab zu sagen: Wunderschöner ist nicht ganz so gut wie sein direkter Vorgänger Wunderschön, was angesichts dessen enormer Qualität aber auch nicht erstaunen muss. Trotzdem ist auch die Fortsetzung ein sehr guter und vor allem ein wichtiger Film, der nur deswegen nicht ganz so viel Freude macht (oder machen kann), weil die Themen, mit denen er sich hier auseinandersetzen lässt, ungleich dunkler ausfallen. Ging es im ersten Film noch weitestgehend um Einzelschicksale, die sich so oder so ähnlich auch auf Milliarden andere Frauen lesen lassen, so ist Wunderschöner nun weitreichender und beschäftigt sich mit Situationen und gar historischen Ereignissen, die richtiggehende Knalleffekte haben. Das ist mehr als richtig so, doch leiden darunter natürlich einige der Qualitäten, die der Vorgänger noch so stark hatte. Die Leichtfüßigkeit, sich ebenso kämpferisch wie auch humorvoll mit wichtigen Themen auseinanderzusetzen, fehlt hier über weite Strecken. Der Humor (so zum Beispiel Nora Tschirners herrliche Wortgefechte) wird sparsamer eingesetzt, über lange Strecken bleiben Lacher sogar vollständig aus, weswegen die Fortsetzung auch gar nicht mehr als Komödie bezeichnet werden sollte, sondern definitiv in die Kategorie eines Dramas fällt.
Was aber auch gut so ist, denn ein Fokus auf Humor wäre angesichts der sehr düsteren Geschichten, die hier teilweise abgehandelt werden, auch völlig fehl am Platze gewesen. Waren im ersten Film aber noch alle Storys, die weitestgehend nebeneinander liefen, sich aber hier und da auch überschnitten, von nahezu gleicher Qualität, gibt es nun deutliche Ausschläge nach oben und auch mal hier und da einen nach unten. So ist die Geschichte rund um Anneke Kim Sarnau's Nadine so dermaßen intensiv und aufgeladen, dass sie den anderen Storys, die dagegen fast kleinlich wirken, absolut die Show zu stehlen drohen. Gerade die doch eher kitschige Fortführung rund um Sonja und ihren (Noch-)Mann Milan bremst die anderen Plots in ihrer Vorhersehbarkeit spürbar aus und auch das über lange Strecken eh kaum relevante Liebesgesäusel der selbstständigen Vicky und des an die wahre Liebe glaubenden Fritz wirkt dagegen eher spröde. Dafür weiß die Fortführung der Geschichte um das ehemalige Model Julie aber mit einer weiteren, intensiven Spitze zu gefallen - und Traumfabrik-Star Emilia Schüle liefert hier erneut eine echte Wahnsinns-Performance ab, die richtig unter die Haut geht. 
Weil die generelle Stimmung angesichts von Themen wie sexuellem Missbrauch, Me-Too-Aktivismus und der Mundtotmachung von Frauen ohnehin düsterer ist, ist es mit der herzlichen Romantik lange weit her. Das ist kein Kritikpunkt an sich, da sich die Reihe hier deutlich weiterentwickelt und andere, wichtigere Wege geht... trotzdem hat Wunderschöner im direkten Vergleich wesentlich weniger Szenen, die so richtig ehrlich ans Herz gehen und auf schöne Art und Weise berühren. Stattdessen hat die Anzahl an Szenen, die eine echte Schockwirkung haben, zugenommen - man darf selbst entscheiden, was man in einem Film wie diesem nun besser und wichtiger findet. Angesichts von mehr Ernsthaftigkeit wäre es aber zumindest hier und da wichtig gewesen, gewisse Szenen von Effekthascherei noch einmal zu überarbeiten. Viele Momente funktionieren gerade aufgrund ihres emotionalen Realismus sehr gut, doch mehr als einmal übertreibt es Regisseurin Karoline Herfurth auch und lädt gewisse Szenen so arg auf, dass sich ihre Schockwirkung aufgrund gewisser Überzeichnungen nicht mehr transportieren will. Ein perfektes Beispiel dafür ist der Charakter von Anja Kling, die hier ein regelrechtes TV-Biest jenseits von Gut und Böse so dermaßen überspitzt und widerlich darstellt, dass man ihre Figur zwar leidenschaftlich hasst, sich aber trotz der wichtigen und realen Themen in solchen Überspitzungen auch zu weit von der klinischen Realität entfernt, um simplere Schwarz/Weiß-Konflikte unter den Charakteren zu erschaffen. Das ist längst nicht immer so, aber gerade da der Film die meisten seiner Geschichten so ambivalent erzählt, fällt es auf, wenn er an einigen Stellen doch so arg mit dem Holzhammer zuschlägt.

Fazit: Die Schockwirkung wurde erhöht, Humor und Herz wurden auf sparsame Dosen zurechtgestutzt. Das ist angesichts der mehrheitlich düsteren Themen nur folgerichtig, sorgt aber auch hier und da für ein paar dramaturgische Ungereimtheiten. Das gesamte Ensemble macht seine Sache aber weiterhin so gut und weiß in intensiven Einzelszenen regelrecht aufzurütteln, dass ein paar schwächere Plots im direkten Vergleich zu verkraften sind.

Note: 2-



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