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Gänsehaut um Mitternacht

Die junge Ilonka (Iman Benson) steht kurz vor ihrem Abschluss an der High School, hat bereits weitreichende Pläne... und dann reißt ihr eine Diagnose den Boden unter den Füßen weg. Ilonka leidet an Schilddrüsenkrebs und hat nur mit Glück noch wenige Jahre zu leben. Nachdem eine Chemotherapie nicht anschlägt, scheint nur noch ein mysteriöser Ort gewisse Hoffnung zu bieten: Das "Brightcliff" Manor verspricht, jungen, todkranken Menschen unter sich einen Platz zum Leben zu geben, den sie selbst unter sich bestimmen können. Ilonka jedoch ist vor allem deswegen von diesem Ort fasziniert, da es einer Patientin vor rund fünfundzwanzig Jahren gelungen ist, geheilt zu werden und wieder nach Hause zu können. Fest davon überzeugt, somit ebenfalls ihr eigenes Leben zu retten, macht sich Ilonka als neue Patientin daran, die Geheimnisse von Brightcliff zu lüften... und spannt nach und nach die anderen, gleichaltrigen Patienten ein.

Die vierte (und vorletzte) Serie, die Mike Flanagan für Netflix machte, war eigentlich niemals als Mini-Serie konzipiert. Tatsächlich hatte Flanagan noch weitere Staffeln geplant, was Netflix so aber kaum zu interessieren schien: Sie setzten die Show nach nur einer Season ab, was dazu führt, dass am Ende nicht zahlreiche, aber doch einige prägnante Fragen offenbleiben. Und das wusste ich vorher tatsächlich nicht, denn in der Überzeugung, hier eine weitere Mini-Serie aus Flanagans Feder zu sehen, war ich doch ziemlich überrascht, wie offen die ganze Nummer "endet"... wo seine vorherigen Geschichten ja eigentlich immer zu einem runden Abschluss kamen. Natürlich möchte man der Serie daraus keinen Strick drehen, denn dass sie zumindest auf filmischer Ebene niemals einen Abschluss bekam, dafür kann sie nichts. Flanagan selbst hat seine Ideen für die Fortsetzungen aber auf Tumblr geteilt, sodass die Fans zumindest wissen, wie die ganze Sache wirklich ausgegangen wäre, wenn Netflix nicht (wie es bei diesem Streamingdienst ja üblich ist) den Kahlschlag durchgeführt hätte.
Wobei es schon so etwas wie einen Abschluss gibt - es gibt keinen schier wahnwitzigen Cliffhanger am Ende und das große Geheimnis rund um diese Staffel wird ebenfalls gelöst. Und auch ohne am Ende alle Fragen beantwortet zu bekommen, bleibt eine ziemlich emotionale Reise, die vor allem aufgrund ihres originellen Konzepts überzeugt. Die Haupthandlung ist ein Teil davon und wie für Flanagan üblich, arbeitet er eher auf der Drama-Ebene als einen reinen Horror-Thriller zu kreieren. Da man sich aufgrund der Tatsache, dass die meisten Figuren hier Teenager*innen sind, auch eine neue Zielgruppe erarbeiten wollte, wurde Flanagans Stil hier und da etwas angepasst. Das Tempo wurde ein bisschen erhöht (wenn es auch aufgrund der zehn Episoden wieder zu einigen Hängern kommt, besonders im Mittelteil der Staffel) und die einzelnen Horrorszenen wirken etwas geradliniger, nicht ganz so experimentell. Was nicht heißt, dass einige Schocker nicht wieder ordentlich sitzen, doch aufgrund der ohnehin eher seichteren Geschichte wird man als Angsthase diesmal deutlich weniger gefordert.
Was aber im Grunde in Ordnung ist, denn im Mittelpunkt stehen nach wie vor einige wirklich fein geschriebene Figuren, auch wenn man hier und da gern noch etwas mehr in die Tiefe hätte gehen können. Der dramatische Hintergrund der Charaktere wird zudem mit einem feinen Kniff ausgeleuchtet, indem sich die Figuren immer wieder einzelne, fiktive Geschichten erzählen, die auf einer kreativen Ebene etwas über das emotionale Innenleben und die Vergangenheiten von Ilonka und Co. erzählen. Und auch wenn nicht alle dieser Geschichten, die hier quasi als eine Art Kurzfilm inmitten der Episode untergebracht sind und sich erstaunlich gut einbinden, rundum gelungen sind, so funktionieren sie ziemlich gut als für sich geschlossene, bisweilen sehr spannende Storys, die auch in Sachen Look und Erzähldynamik andere Wege gehen als die Hauptgeschichte. Das ist dann schon recht originell, auch wenn sich dieser Absatz nach zehn Episoden etwas abgenutzt hat und es doch deutliche Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Folgen gibt. Auch das Finale enttäuscht vor allem dahingehend dessen, wie viel Aufbau man zuvor in Kauf genommen hat - immerhin trifft man dabei jedoch (auch aufgrund des rundum aufgeweckten Casts) in Sachen Gefühl mehrmals voll ins Schwarze und auch auf inszenatorischer Ebene gibt es nichts zu meckern.

Fazit: Mit dem etwas seichteren Tonfall, der dann auch nur wenig echten Schrecken bereithält, müssen sich Flanagan-Fans erstmal anfreunden. Belohnt werden sie mit einer wendungsreichen, gefühlvoll erzählten und durch ihre lebendigen Charaktere gewinnenden Geschichte, die aber im letzten Drittel ordentlich abbaut und zudem immer wieder einige Hänger hat, wenn einzelne Plots deutlich in die Länge gezogen werden.

Note: 3



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