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One Battle After Another

Die linksradikale Demonstrationsbewegung "French 75" befreit während einer hochgefährlichen Mission rund zweihundert Häftlinge der skrupellosen United States Immigration and Customs Enforcement. Als hemmungsloses Liebespaar haben sich Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio) und Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) ganz und gar dem Widerstand verschrieben... bis eine plötzliche Schwangerschaft und die Gründung einer Familie diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung macht. Zumindest Bobs Teilnahme an den Widerstandskämpfen findet, seiner Tochter zuliebe, ein Ende, während Perfidia weiterhin nicht zu bremsen ist. Dass sie sich damit in Gefahr begibt, weiß sie: Der gnadenlose ICE-Colonel Steven J. Lockjaw hat einen Narren an dem Pärchen gefressen und sich mit voller Inbrunst an ihre Fersen geheftet...

Räumen wir erstmal den Elefanten aus dem Weg und verlieren ein paar ganz klare Worte zu Beginn: Nein, One Battle After Another ist nicht der beste Film der letzten zwanzig Jahre. Er ist nicht einmal der beste Film des vergangenen Jahres und auch nicht der beste Film in der beeindruckenden Vita von Regisseur Paul Thomas Anderson - das bleibt weiterhin Magnolia. Trotzdem ist der Film, der momentan in sämtlichen Award-Seasons beeindruckt und für viele Kritiker, aber auch etliche Mainstream-Zuschauer das Nonplus Ultra der komplexeren Kinounterhaltung darstellt, ein beeindruckendes Kunstwerk, insbesondere in inszenatorischer Hinsicht. Man merkt Regisseur Anderson den grundsätzlichen Spaß am Filmemachen an und wie er hinter der Kamera immer wieder Dinge ausprobiert, mit Licht, Schnitt und Kamerafahrten spielt, das ist ungemein spannend zu sehen. Gerade die Actionszenen, hier gänzlich anders inszeniert als in herkömmlichen Blockbustern, gehen Anderson grandios gut von der Hand - eine Autoverfolgungsjagd wie jene gegen Ende haben wir so sicherlich noch nie gesehen und die komödiantisch angehauchten Setpieces in der Mitte lassen den Puls ebenso schnell steigen wie das Zwerchfell treffen.
Zudem darf natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass Anderson hier in ein Wespennest sticht. Obwohl er One Battle After Another in vielen Momenten als skurrile Komödie zeichnet, so ist der Unterton ungemein ernst und die Parallelen oder viel mehr deutlichen Bezüge auf die aktuelle Situation in den USA werden arg brisant thematisiert. Ein aktueller und wichtiger Stoff, bei dem eben jene Thematik aber zu oft nur der reine Aufhänger für eine Verfolgungsjagd durch mehrere Setpieces bleibt. Hochspannende und ungemein unterhaltsame, brillant gefilmte Verfolgungsjagden wohlgemerkt, aber keine, die mit dem Terror in Amerika so wirklich aufräumen wollen. Und das ist ein bisschen schade, da man von Anderson in dieser Form vielleicht noch einen drastischeren Kommentar erwartet hätte - so zeichnet er die gnadenlosen ICE-Soldaten als moderne Nazis (so weit, so richtig), macht aus ihnen aber auch nicht mehr, weswegen sie als Bösewichter etwas konturlos bleiben... und das wird dem grundsätzlichen Thema in seiner real viel heftigeren Boshaftigkeit nicht ganz gerecht. Zudem setzt man auf Oscarpreisträger Sean Penn als Oberbösewicht, der eine sichtlich kreative Performance darbietet, die seine Figur in ihrer Überhöhung aber auch immer wieder zu einer Karikatur zu machen droht. So werden die Szenen rund um Penn's Figur oft zu Showstoppern, in denen offensichtlich wichtige und knallharte Themen besprochen werden sollen, die dann aber doch wieder wie arg überzeichnete Villain-Drops daherkommen. Alles gut gemeint, aber auf den letzten Metern nicht gut genug ausgeführt.
Über die restlichen Darstellerleistungen gibt es aber rein gar nichts zu meckern. Leonardo DiCaprio auf dem Weg zu seinem zweiten Oscar (auch wenn Timothee Chalamet gehörige Konkurrenz darstellen wird) agiert mit solch einer Wucht und einer komödiantischen Treffsicherheit, dass einem Hören und Sehen vergeht. Die Highlights stellen dabei seine gemeinsamen Szenen mit Sicario-Star Benicio Del Toro dar. Jeder Filmfreund kann sich ungefähr vorstellen, was für wunderbare Dinge geschehen, wenn man zwei Ausnahme-Schauspieler dieses Ausmaßes in wilde Szenen steckt, die in Sachen Skurrilität, aber auch in Sachen Hochspannung ohnegleichen sind - einfach nur herrlich, wobei Del Toro seinem Co-Star bisweilen sogar den Rang abzulaufen droht. Newcomerin Chase Infiniti weiß zudem nachhaltig als knallharte Teenagerin zu beeindrucken, die blitzschnell auf neue Situationen reagieren muss. Was bleibt noch zu erwähnen? Die 162 Minuten vergehen recht flott, auch wenn der Plot rund um Sean Penns Figur bisweilen herbe Löcher schlägt und auch zu einer eher banalen Konklusio kommt. Die Schauspieler agieren besser, als es ihre oft eher halbgar gezeichneten Figuren eigentlich zulassen würden, was Bände über diesen grandiosen Cast spricht. Und die Inszenierung ist so experimentell und makellos, dass diverse Schwächen hinsichtlich der packenden, aber zu wenig Tiefe beinhaltenden Handlung locker verzeihbar sind. Das ergibt in der Summe einen sehr guten Film... aber nicht das zeitlose Meisterwerk, auf das wir alle gewartet haben.

Fazit: Andersons Regie ist kreativ und ohne Makel, der Cast macht seine Sache hervorragend und besonders die komödiantisch angehauchten Elemente sind wahres Kinogold. Leider stimmt die Austarierung zwischen einem ernsten Skandal-Thema und einer skurrilen Komödie nicht immer, weswegen hier und da Chancen liegen bleiben, die diesen Film mehr als zeitlos gemacht hätten.

Note: 2-



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