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The Rip

Bei der Drogen- und Waffenschmuggelfahndung der Polizei in Miami herrscht reger Aufruhr. Gerade erst kam es zu einem tragischen Mordfall, bei dem ein hochrangiges Mitglied des Teams getötet wurde - Gerüchte besagen, dass der Täter ein korrupter Polizist gewesen sein könnte. Als Lieutnant Dane Dumars (Matt Damon) kurz darauf einen Einsatz leitet, bei dem eine gewisse Geldsumme in einem Wohnhaus sichergestellt werden soll, nachdem er einen Tipp für dieses erhalten hat, eskaliert die Situation. Denn nach einer typischen Suche finden Dumars und sein Team dort nicht die erwartete Geldsumme von rund 150.000 Dollar vor, sondern gleich mehrere Fässer voller Bargeld, jedes von ihnen in Millionenhöhe. In dem Wissen, dass das Kartell bei solch einer Summe mit Sicherheit hinter ihnen her sein würde und befürchtend, dass Vorgesetzte oder sogar Teamkameraden angesichts der momentanen Korruption ebenfalls auf das Geld schielen, muss Dumars umdenken... oder möchte er sich die enorme Summe vielleicht sogar selbst einstecken?

Oftmals darf man den Januar-Originals in Netflix' Filmbereich nicht so recht über den Weg trauen. Es ist allgemein bekannt, dass Netflix seine wirklich prestigeträchtigen Filme gern über den November und Dezember verteilt, um sie möglichst nah an der Oscar-Saison zu platzieren - was dann nachträglich im Januar kommt, fühlt sich gern mal ein bisschen wie die Überreste an, die für eine Bereitstellung bei den Awards einfach nicht gut genug waren und bei denen sogar Netflix vorab wusste, dass es keinen Sinn macht, diese dafür zu bewerben. Sollte das nun also heißen, dass ausgerechnet ein solch prominent besetzter und sogar (so sagt es zumindest der Trailer) auf einer wahren Begebenheit beruhender Thriller wie The Rip nun eigentlich eine ziemliche Niete ist? Und das obwohl sich hier mit Matt Damon und Ben Affleck erneut zwei absolute Hochkaräter vor der Kamera und auf dem Produzentenstuhl versammeln, bei denen die Kassen gerne klingelten und auch die Kritiker angesichts solch starker Dramen wie Air - Der große Wurf jauchzten? 
Die klare Antwort ist: Nein. The Rip ist ein guter Film und dass man diesen trotz der großen Prominenz nicht in die Award-Saison stecken wollte, hat einfach damit zu tun, dass es kein Award-Film ist. Es handelt sich hier um einen recht geradlinigen Thriller, der niemals vorgibt, mehr als das zu sein und dementsprechend in keiner Kategorie Chancen auf irgendwelche Preise hätte. Und die braucht er auch gar nicht, denn als das, was er sein will (nämlich ein spannender Cop-Thriller), schlägt er sich durchweg gut. Die ständige, schneidende Atmosphäre des möglichen Verrats in der ersten Hälfte sorgt durchweg für Spannung. Man spürt förmlich den Atem der unbekannten Widersacher im Nacken unserer Helden (oder doch Bösewichter?), wenn sich die Schlingen um ihre Hälse mit jeder Minute enger ziehen - hier vollführt durch bedrohliche Telefonanrufe oder seltsam blinkende Lichter. Das große Rätselraten um vermeintliche Verräter wird auch dadurch angefeuert, dass wir hier natürlich einige echte Hochkaräter in Haupt- und Nebenrollen bestaunen dürfen... und dass Damon, Affleck und The Walking Dead-Star Steven Yeun in den zentralen Parts dementsprechend abliefern, überrascht nicht, macht aber auch große Freude.
Natürlich ist das im Kern ein simples Konzept und führt dann auch recht vorhersehbar zu einem ebenso simplen Showdown. Immerhin sind die wenigen und klug über die Laufzeit verteilten Shoot-Outs aber von Das A-Team-Regisseur Joe Carnahan so brachial und intensiv inszeniert, dass man sich auch nicht daran stört, wenn gegen Ende doch noch die ein oder andere Blockbuster-Formel hinsichtlich möglichst großer Spektakel angewendet werden muss. Über weite Strecken geht es hier aber darum, einen Verräter zu entlarven und auch wenn man dahingehend schon viel, viel cleverere Genre-Vertreter gesehen hat, hält Carnahan die Spannung mit ebenso simplen wie effektiven Mitteln aufrecht. Wir bleiben am Ball, da die zentrale Ausgangssituation einfach zu packend ist, um wirklich abzuschalten - auch wenn es drumherum nun keinerlei großartige Tiefen gibt und die große Auflösung arg erklärbärig daherkommt. Dank knackiger Action, einer feinen Regie und allerlei motivierten Schauspielgrößen ist es aber irgendwie erleichternd, dass auch ein solch einfach gestrickter, geradliniger Thriller noch solch virtuose Unterhaltung bieten kann.

Fazit: Weder ist die Prämisse allzu tiefgründig oder komplex, aber gerade aufgrund seiner Geradlinigkeit zieht Joe Carnahan aus diesem Thriller jede Menge Spannung, die erst leise und letztendlich sehr laut eskaliert. Mit einem motivierten Cast, intensiver Action und vor allem einer Menge Rätselraten ist das hier durchweg kurzweilige Netflix-Unterhaltung.

Note: 3+



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