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Bob Marley: One Love

Im Jahr 1976 wird Jamaika von Unruhen erschüttert. Zwei bitterlich verfeindete Parteien kämpfen um die Macht und sind damit kurz davor, einen Bürgerkrieg auszulösen. Obwohl der berühmte Reggae-Sänger Bob Marley (Kingsley Ben-Adir) sich stets davor gescheut hat, einen politischen Standpunkt zu vetreten, möchte er in diesen schweren Zeiten dennoch mit einem Konzert ein Statement setzen. Er ist überzeugt, dass seine Musik selbst die so zerrütteten Bürger und Bürgerinnen seines Landes wieder zusammenbringen und dass er so Liebe in dem von Gewalttaten beherrschten Ort bringen kann. Dann jedoch kommt es zu einem verheerenden Anschlag auf Bobs Leben, den er nur mit Glück überlebt... und nun muss er sich darüber klarwerden, ob sein Konzert es wert ist, sein eigenes Leben und das seiner Mitmenschen zu riskieren.

Normalerweise stehe ich Biopics zu großen Musikkünstlern, die sich gleich ihrem gesamten Leben zu widmen versuchen, immer etwas skeptisch gegenüber - in den wenigsten Fällen gelingt es, mehrere Jahrzehnte in zwei Stunden abzubilden, ohne dass die Handlung dabei bisweilen von den einzelnen, bekannten Eckpunkten zu anderen großen Momenten springen muss. "One Love" konzentriert sich nun aber vor allem auf einen bestimmten, vergleichsweise kurzen Teil aus Bob Marleys Leben. Dabei wäre gerade hier der Ansatz, sich tatsächlich auf den kompletten Werdegang dieses Ausnahme-Künstlers zu konzentrieren, interessant gewesen. Wie Marley während seinen Anfängen für seine Musik belächelt wurde, diese aber schließlich auf ihre eigene, provokante Art die Welt eroberte, wäre nicht nur spannend, sondern auch wichtig zu sehen gewesen. Leider spart man daran, Bob Marley als bisweilen kontroverse Person zu zeigen und geht Konflikten aus dem Weg, was aus "One Love" eine recht leidenschaftslose, weil viel zu brave Angelegenheit macht.
Das geht schon bei den zugrundeliegenden Konflikten in Jamaika los, von denen wir kaum etwas zu sehen bekommen - schwierig, im Nachhinein noch ein Gefühl für dieses brodelnde Pulverfass zu bekommen. Auch im späteren Verlauf weicht der Film schwierigen Momenten immer wieder aus, so zum Beispiel in der Geschichte zwischen Marley und seiner Frau. Es wird nie ganz klar, worin hier das Konfliktpotential liegt, bis "The Woman King"-Star Lashana Lynch schließlich in einem längeren Monolog ausbricht und alles auf einmal auf den Tisch haut. Das geschieht allerdings erst spät im dritten Akt und zündet insofern nicht mehr richtig. Dass Bob Marley eine musikalische Ikone war, ist klar und wird von dem Film auch quasi als Huldigung einer Legende angemessen portraitiert. Ein paar Blicke mehr in seine Hintergründe, abseits seines musikalischen Schaffens, wären aber wichtig gewesen, um ihn auch als Mensch zu zeichnen und nicht nur als solche etwas glatte, schier übergroße Legende, der ungemein viel in seinem Leben bewegt hat.
In den Konzertszenen trifft "One Love" dafür immer wieder den richtigen Ton, was einerseits an der in diesen Momenten ziemlich packenden Inszenierung, andererseits aber auch am Hauptdarsteller liegt. Kingsley Ben-Adir hat die Musiklegende nicht nur physisch, sondern scheinbar auch psychisch in sich aufgenommen und wirkt durchweg mindestens glaubhaft, in vielen Szenen auch schier vulkanisch. Und natürlich wäre da noch die Musik, auch wenn man diese nicht dem Film an sich positiv anschreiben kann. Denn Marleys Song sind bis heute wahre Meisterwerke und natürlich schürt dies gewisse Emotionen, wenn diese an speziellen Eckpunkten der Handlung eingespielt werden. Aber das ist natürlich der einfachste Weg, die Fans zu überzeugen und ist deswegen auch etwas zu simpel. So punktgenau "One Love" in seiner atmosphärischen Ausstrahlung und dem detaillierten Nachbau von Sets und Kostümen ist, so schwerfällig agiert er in der Dramaturgie und macht dieses Biopic somit zu einer verschenkten Angelegenheit in gleich mehrfacher Hinsicht.

Fazit: "One Love" verpasst die Chance, den musikalischen Taten Bob Marleys wirkliches Gewicht zu verleihen und bleibt zu arg an der Oberfläche. Die schleppende Inszenierung wird ansatzweise von einer starken Leistung Kingsley Ben-Adir's und den atmosphärisch dichten Konzertszenen ausgeglichen.

Note: 4+



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