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Das Kanu des Manitu

Abahachi (Michael Bully Herbig) und sein Blutsbruder Ranger (Christian Tramitz) stecken mal wieder mächtig in der Klemme: Sie werden des mehrfachen Zugraubes verdächtigt und sollen deswegen am Galgen aufgeknüpft werden. Abahachi, der mittlerweile mit seiner eigenen Identität als Häuptling der Apachen zweifelt, ist dabei jedoch auch das Ziel der eigentlichen Zugräuber: Eine siebenköpfige, namenlose Bande aus Dieben, angeführt von einer furchtlosen Frau, die nur "Der Boss" (Jessica Schwarz) genannt wird, braucht seine und Rangers Hilfe, um das mysteriöse "Kanu des Manitu" aufzuspüren. Dafür müssten beide aber erstmal vor ihrem Schicksal durch den Galgen gerettet werden... wozu dann auch gleich Dimitri (Rick Kavanian) zu Hilfe eilen will, der seine beiden alten Freunde natürlich nicht einfach so sich selbst überlassen kann.

Vor diesem Film fürchteten sich wohl selbst die allergrößten Bully-Fans: Beinahe fünfundzwanzig Jahre nach seinem größten Kino-Erfolg bringt er also eine Fortsetzung zum Schuh des Manitu heraus. Fünfundzwanzig Jahre, in denen sich besonders die Comedy maßgeblich weiterentwickelt hat und gerade Gags, die Bully früher in seinen Filmen verbaute, heute mehr als kritisch gesehen werden. Sogar Bully selbst sagte aus, dass er einen Film wie Der Schuh des Manitu heute keinesfalls mehr so machen würde. Aber was bleibt dann noch übrig? Wozu braucht es eine Fortsetzung zu einem Film, dessen Humor und Inhalt heute nicht mehr zu transportieren ist? Bully findet darauf in dem Sequel durchaus Antworten, die zufriedenstellen - gerade hinsichtlich des Themas der kulturellen Aneignung äußert man sich konsequent, ohne dass dieses den Film nun überschatten würde. Und auch Winnetouch darf erneut in rosa Klamotten herumlaufen, auch wenn seine Rolle deutlich kleiner ausfällt.
Und was dann noch übrig bleibt, ist eigentlich gar nicht mal so wenig. Bully kümmert sich um die Kritik zu seinen vorherigen Werken, lässt sie aber nicht das Ruder übernehmen. Stattdessen verbeugt er sich mit einigen (meist sehr treffsicheren) Referenzen emsig vor seinem eigenen Werk und auch vor Pierre Brice, lässt alte Figuren erneut auftauchen, bekannte Szenen zitieren oder sogar ganze Handlungs-Arcs noch einmal wichtig werden. Wobei man angesichts dieser Story im Grunde nicht von einer Handlung reden sollte, denn noch weniger als im direkten Vorgänger kümmert man sich darum, dass das alles hier irgendwie zusammenpasst. Und da die Gags im direkten Vergleich auch nicht ganz so oft auflachen lassen, spürt man hier und da dann auch einige Durchhänger, die entstehen, weil man sich nicht allzu sehr darum gekümmert hat, was die Figuren hier jetzt gerade treiben. Natürlich würde es reichen, Tramitz, Herbig und Kavanian einfach nur wieder einem Schatz oder (wie in diesem Falle) einer mystischen Legende nachjagen zu lassen, aber dann muss die Dynamik schwungvoll genug sein, um diese Mücke einer Geschichte auszugleichen. Und da dies nicht mehr vollumfänglich gelingt, wird das ein bisschen zum Problem.
Aber nicht zu einem großen, denn auch wenn einige lang geplante Witze hier nicht mehr ganz so gut sitzen und gerade Rick Kavanians Slapstick-Eskapaden reichlich müde ausfallen, gibt es dennoch mehr als genug zu lachen. Es gibt sie immer noch, die herrlich absurden Szenen, die wie aus dem Nichts kommen und das Zwerchfell treffen. Und auch wenn man ihnen die vergangenen fünfundzwanzig Jahre natürlich ansieht, so agieren Michael Herbig und Christian Tramitz noch immer so herrlich verschroben miteinander, dass es eine wahre Freude ist. Die neuen Figuren, von denen es einen ganzen Haufen gibt, fügen sich indes sehr solide ein - gerade Jessica Schwarz müht sich redlich, kann aber zwangsläufig nur im Schatten des großen Bösewichts aus dem ersten Teil, Santa Maria, stehen. Ein paar alte Bekannte, die man hier locker noch hätte unterbringen können, habe ich aber dennoch vermisst. Ein großer Vorteil gegenüber dem ersten Film zeigt sich aber natürlich im Handwerk, denn auch wenn Bully hier und da ein bisschen Dynamik in den prunkvollen Szenen vermissen lässt, so ist das hier Aufgefahrene bisweilen sehr spektakulär: Aufwendige Sets, erstaunlich solide Spezialeffekte und eine Optik, die sich definitiv nicht hinter Hollywood verstecken muss, lassen den auch bereits sehr gut gefilmten Erstling in dieser Hinsicht natürlich locker hinter sich.

Fazit: Natürlich ist solch ein Mega-Überraschungs-Hit nicht zu wiederholen - und man merkt Das Kanu des Manitu hier und da eine gewisse Bemühung an, wenn manch ein Gag nicht so sehr sitzt und die Handlung seltsame Pirouetten dreht. Trotzdem versprüht auch die späte Fortsetzung noch sehr viel nostalgischen Charme und hat genug Lacher sowie letztendlich auch ein bisschen Herz zu bieten, um runde 90 Minuten gut zu unterhalten.

Note: 3



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