In Ägypten plant der kaltblütige Waffenhändler Richard Roper (Hugh Laurie) einen riesigen Deal mit dem während des Arabischen Frühlings höchst einflussreichen Freddie Hamid (David Avery). Da sie diesem gefährlichen Wahnsinn nicht länger tatenlos zusehen will, wendet sich Ropers Geliebte Sophie (Aure Atika) an den Nachtmanager des Hotels, in welchem sie untergekommen ist. Dieser junge Mann namens Jonathan Pine (Tom Hiddleston) ist jedoch in Wahrheit ein britischer Soldat, der die kritischen Informationen sogleich an Freunde in der englischen Regierung weiterleitet, um Schlimmeres zu verhindern. Vier Jahre später trifft Pine erneut auf Roper, der für ein weiteres Geschäft in der Schweiz gelandet ist... wo Pine erneut als Nachtmanager unter Tarnung in dessen Hotel residiert. Nun ergibt sich für ihn die Chance, mit dem britischen Geheimdienst zusammenzuarbeiten und Roper endlich dingfest zu machen, auch wenn er diesem dafür mehr als nur nahe kommen muss.
Im Jahr 2016 gab es zwar bereits mehrere große Serien, die mit riesigen Stars in den Hauptrollen aufwarteten - die Zeiten, in denen TV-Serien nur die kleinen Geschwister der großen Kino-Blockbuster waren, waren damals bereits vorbei, wie große Fantasy-Shows wie Game of Thrones oder starbesetzte Thriller-Meisterwerke wie David Finchers House of Cards aufzeigten. Eine besondere Art der Serie war zwar auch 2016 bereits im Umlauf, aber längst nicht so hochfrequentiert wie heute: Die Mini-Serie. Deswegen kann man schon nachvollziehen, warum die achtteilige Serie The Night Manager solch hohe Wellen schlug, tummelten sich darin doch viele, meist von den Kinoleinwänden bekannte Stars wie Tom Hiddleston, Hugh Laurie und Olivia Colman. Wie wir heute wissen, ist The Night Manager aber keine Mini-Serie mehr, sondern bekam neun Jahre später doch noch eine Fortsetzung. Das ändert nichts daran, dass die erste Staffel an und für sich aber durchaus abgeschlossen ist... auch wenn ich den großen Hype rund um diese Show heute nicht mehr ganz so arg nachempfinden kann.
Das mag daran liegen, dass der Beststeller von John le Carre, auf dem diese Serie beruht, ein durchweg reinrassiger Thriller ist. Einer mit vielen Abzweigungen, überraschenden Wendungen, ambivalenten Figuren und vielen Täuschungen, aber letztendlich eben doch ein Thriller, wie man ihn schon diverse Male gesehen hat. Dementsprechend bleiben Überraschungen eher aus und man hat das Gefühl, hier eine sehr klassische Serie zu sehen, die das zum Thema macht, was hier und da durchaus schon kennt. Das muss aber natürlich nichts Schlechtes sein und The Night Manager verbaut die klassischen Themen rund um einen Geheimagenten, der under cover direkt in die Höhle des Löwen marschieren und das Vertrauen des direkten Gegenspielers unter falschem Namen gewinnen muss, durchaus packend. Über acht Episoden baut sich hier ein feiner Spannungsbogen auf, der in der Mitte ein bisschen durchhängt und am Ende zudem ein Finale bietet, welches nicht nur klassisch, sondern fast schon etwas dröge daherkommt. Aber: Man bleibt am Ball und will stets wissen, wie es weitergeht.
Und solcherlei war 2016 in Form einer in sich geschlossenen und nicht gleich auf etliche Staffeln ausgelegten Mini-Serie zumindest noch recht neu und dementsprechend aufsehenerregend. Das kann ich durchaus nachvollziehen, auch wenn es neun Jahre später zahlreiche Mini-Serien gibt, die auf ähnlich packende Weise ähnlich gute Geschichten erzählen. Wenn auch zumeist nicht so starbesetzt, wobei Thor-Star Tom Hiddleston als titelgebender Fake-Nachtmanager so charmant und gewitzt agiert, dass man ihm gerade in seiner Hotelposition noch lange zuschauen könnte... schade, dass er genau diesen Job in der Serie nicht allzu oft ausführen darf. Sein direktes Gegenüber wird zudem von Hugh Laurie gespielt, der zwar einen recht simplen, dafür aber enorm bedrohlichen Gegenspieler abgibt, den man leidenschaftlich gerne hasst. Als regelrechter Szenendieb erweist sich zudem Pirates of the Caribbean-Star Tom Hollander, der als fiese, rechte Hand des Bösewichts so dermaßen hassenswert agiert, dass er dabei glatt seiner Paraderolle als intriganter Lord Cutler Beckett Konkurrenz macht. In herrlich scharfzüngigen Dialogen darf Hollander dabei gar noch mehr auftrumpfen als die in den starren Fesseln ihrer leider recht mauen Rolle zu selten von der Leine gelassene Olivia Colman.
Fazit: The Night Manager ist ein rundum spannender Thriller, der vor allem durch seine aufgeweckte Starbesetzung gewinnt. Darüber hinaus gewinnt die Geschichte, die im Mittelteil spürbar durchhängt, aber keine Originalitätspreise, sondern wirkt in jeder Hinsicht klassisch... im Guten wie im weniger Guten.
Note: 3
Kommentare
Kommentar veröffentlichen