Im September 2012 soll das dreiköpfige Tiefseetaucherteam um Chris Lemons (Finn Cole), Dave Yuasa (Simu Liu) und Duncan Allcock (Woody Harrelson) ein Unterseekabel auf dem Meeresgrund von Aberdeenshire reparieren. Aufgrund eines schweren Sturms wird die Mission erschwert und sogar das Schiff, welches die Taucher in extra dafür gebauten Glocken transportiert, hat mit den Wetterkapriolen schwer zu kämpfen. Der Sturm ist bis in 90 Meter Tiefe zu spüren, was schließlich dazu führt, dass Taucher Chris auf dem Meeresgrund verloren geht - nur noch zehn Minuten seines Sauerstoffs bleiben ihm. Für Dave und Duncan kommt es jedoch gar nicht in Frage, ihren Kameraden zurückzulassen, auch wenn dessen Überlebenschancen aufgrund der rapide sinkenden Luftreserven in seinem Anzug kaum messbar scheinen...
Der auf einer absolut unglaublichen, wahren Begebenheit beruhende Last Breath hat ein ganz klares, großes Problem: Er kann niemals über die Tatsache hinwegtäuschen, dass wirklich jeder weiß, wie diese Geschichte angesichts seiner wahren Hintergründe ausgehen wird. Und das liegt, anders als noch beim Weltraum-Thriller Apollo 13, eben nicht daran, dass jeder diese historische Geschichte kennt. Ich zum Beispiel hatte von dem hier beschriebenen Vorfall bislang nichts gehört und beschloss auch, mich vor der Sichtung des Films nicht über diese und ihren genauen Ausgang zu informieren. Aber trotzdem: Wenn sich Hollywood dazu entschließt, eine solch offensichtlich kaum zu glaubende, heroische Geschichte nach Tatsachen zu verfilmen, dann kann wohl jeder Zuschauer an drei Fingern abzählen, worauf das hinauslaufen wird. Und da man dementsprechend wirklich genau weiß, was hier wann passieren wird, fällt das Mitfiebern irgendwann recht schwer.
Das liegt auch daran, dass die Mittel der Inszenierung natürlich reduziert sind und die Vorhersehbarkeit der Handlung dabei kaum durch allerlei gewiefte Tricks hinsichtlich der Regie ausgeglichen werden kann. Beim bereits erwähnten Apollo 13, der ebenfalls eine Survival-Story mit sattsam bekannten Ausgang präsentierte, aber trotzdem mörderisch spannend war, konnte man da deutlich mehr rausholen: Mehr Protagonisten, mehr Konfliktstoff, spektakuläre Bilder des Weltalls. Da kann Last Breath schon aufgrund der von der Realität vorgegebenen Konzeption nicht mithalten und muss deswegen das eigentliche Unfall-Geschehen recht lange hinauszögern und am Ende auch noch einen recht langen Abschluss drantackern, um irgendwie auf Spielfilmlänge zu kommen. Denn auch wenn diese Rettungsaktion in der Tat unglaublich ist und dabei auch so gut es nur geht inszeniert wird sowie spektakuläre Bilder eines Sturms auf hoher See bietet - erzählerisch ist da wirklich nicht viel zu holen, weswegen es auch nicht so recht berühren mag.
Schauspielerisches Schwergewicht darf man hier natürlich auch nicht erwarten, denn die ohnehin nur sehr marginal gezeichneten Figuren sind eigentlich nur dazu da, um auf gewisse, unerwartete Naturspektakel zu reagieren. Den physischen Löwenanteil verrichtet dabei Simu Shang-Chi Liu, der als rettender Taucher eine starke Performance hinlegt - auch weil sein Kontrast zwischen dem wortkarg-unhöflichen Profi und dem sein Leben riskierenden Kameraden funktioniert. Die andere, durchaus erinnerungswürdige Performance liefert dann Cliff Curtis, der als Kapitän des Frachters immer wieder schwierige Entscheidungen treffen muss - schade, dass diesem Plot nicht noch etwas mehr Gewicht gegeben wurde, hätte er doch durchaus das Potenzial für ein paar emotionalere Momente gehabt. Im Gegensatz zu einem True-Survival-Thriller wie 127 Hours oder dem fiktiven Der Marsianer darf der eigentlich Verlorengegangene, in diesem Fall Finn Cole, aber kaum noch eine Rolle spielen, denn der hat am Meeresgrund praktisch nichts mehr zu tun. Der Fokus liegt also ganz klar auf den Suchenden, was so natürlich ebenfalls von der wahren Geschichte vorgegeben ist, aber auch noch mal gehörig wenig Abwechslung bietet.
Fazit: Besser kann man diese wahre Geschichte zwar wahrscheinlich nicht verfilmen, trotzdem zeigt sich, dass sie dem filmischen Medium nur wenig zu bieten hat. Alle Beteiligten mühen sich redlich, können aber nicht verhehlen, dass aufgrund des begrenzten Szenarios und der kompletten Vorhersehbarkeit der Geschehnisse keine echte Spannung aufkommen möchte.
Note: 3-
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