Schon seit ihrer gemeinsamen Zeit auf der Uni sind Simon (Brett Goldstein) und Laura (Imogen Poots) beste Freunde - auf einer rein platonischen Ebene. Als sich Laura, wie Millionen Menschen vor ihr, für einen Test bei der Firma "Soul Connex" anmeldet, womit mittels eines kurzen Augenscans der Mensch für sie gefunden wird, zu dem sie "passt", steht Simon dem mehr als skeptisch gegenüber, möchte er seine Seelenverwandte, sofern es sie denn gibt, doch lieber auf die altmodische Art zufällig treffen. Tatsächlich schlägt der Test bei Laura an und kurz darauf ist sie in einer Beziehung - Simons Befürchtung, dass ihre Freundschaft darunter leiden könnte, bestätigt sich jedoch mit der Zeit. Die Sache wird zudem verkompliziert, als es nach einer Beerdigung eines engen Familienmitglieds Lauras zu einer Situation kommt, die beide später tief bereuen...
Das hier ist tatsächlich eine Zukunftsvision, auf die uns der Film aber nur sehr marginal aufmerksam macht - so ist nicht nur diese markante Technologie, durch die man blitzschnell (und gegen die Zahlung des nötigen Kleingeldes natürlich) den Partner fürs Leben finden kann, eine klare Sci-Fi-Technologie, sondern bei genauerem Hinsehen auch diverse Automodelle und Hotelzimmer. Viel mehr hat All of You mit dieser Idee eines Blicks in unsere Dating-Zukunft aber nicht am Hut, denn weder interessiert sich der Film für diese Technologie noch setzt er sich auf rein technischer Ebene so wirklich kritisch mit ihr auseinander. Und zugegeben: Auch wenn ich den Ansatz spannend fand, diese Technik einfach so hinzunehmen und nicht weiter zu hinterfragen, wie sie denn nun wirklich funktioniert (denn solcherlei ist von unserer realen Welt bestimmt nicht mehr weit entfernt), so juckte es mich doch in den Fingern, mehr darüber zu erfahren, auch wenn dies nicht nötig gewesen wäre. Zudem hätte mich eine tiefere Auseinandersetzung, die über manch ein kritisches Beäugen der Technologie hinausgeht, ebenfalls angesprochen.
Was der Film stattdessen macht: Er erzählt eine tragische Liebesgeschichte... die insofern im Grunde schon kompakt als komplette Kritik an diesem Technikzeugs gewertet werden kann. Denn offensichtlich finden sich die beiden Personen, die sichtlich zueinander gehören, eben nicht, weil dieses Programm für Laura einen anderen Mann auswählt. Und da die Menschen gelernt haben, auf diesen Tipp zu hören (da er bei etlichen anderen bereits zum Erfolg führte), rennt man ihm halt nach... und vergisst, was eigentlich vorher schon da war. Hier und da hätte man sich damit durchaus tiefgründiger auseinandersetzen können, denn die Geschichte verläuft, auch in ihrer spannenden Erzähldynamik, die immer wieder um Monate oder gar Jahre nach vorne springt, recht vorhersehbar. Zudem droht All of You gerade im letzten Drittel bisweilen ein wenig ins Melodramatische zu kippen, obwohl solcherlei Kitsch zuvor stets recht galant umschifft worden war - zu diesem Zeitpunkt hat mich der Film nicht vollständig, aber zumindest ein bisschen verloren.
Doch am wichtigsten für solch einen Film, der etwas Signifikantes über die Liebe des Lebens sagen möchte, ist ohnehin das Hauptdarsteller-Paar. Und mit diesem hat das Team im Grunde alles richtig gemacht, denn die Chemie zwischen Imogen Poots und Brett Goldstein ist auf jeder Ebene absolut stimmig - wobei Poots hier wie gehabt so natürlich und charmant agiert, wie man es von dieser höchst unterschätzten Schauspielerin stets gewohnt ist. Goldstein macht seine Sache ebenfalls gut, doch hatte ich mit seiner oft nicht wirklich markanten Performance und dem, was das Drehbuch aus ihm macht, immer wieder Probleme. So wirkte er vor allem zu Beginn wie ein ziemliches Arschloch, was die Handlung später auch nur noch bedingt abfedert - da war mir Laura, trotz ihrer rosaroten Brille, durchweg sympathischer. Die Liebesgeschichte mit all ihren Haken und Windungen funktioniert dennoch, zeichnet die Charaktere angenehm ambivalent und weiß auch zu berühren, sodass man am Ende durchaus zufrieden und ein wenig melancholisch aus dem Film hinausgeht.
Fazit: Auch wenn er hier und da nicht immer den richtigen Ton trifft und gerne noch etwas tiefgründiger hätte sein können, funktioniert All of You als romantisches Drama mit einem spannenden Grundkonflikt ziemlich gut... vor allem dank einer mal wieder wirklich starken Imogen Poots.
Note: 3
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