Im Jahr 1995 betraut der Rockstar Tommy Lee (Sebastian Stan) eine Gruppe von Arbeitern mit einem Bau eines Liebesnestes in seiner Villa. Aufgrund ständiger, anderer Entscheidungen droht die Arbeitergruppe rund um Schreiner Rand Gauthier (Seth Rogen) jedoch das Handtuch zu werfen und verlangt eine Vorab-Bezahlung, nachdem Lee ihnen schon einen fünfstelligen Betrag schuldet. Lee jedoch feuert die Handwerker kurzfristig und setzt sie auf die Straße. In seinem Zorn beschließt Gauthier, in das Haus des Rockstars und seiner Frau, der berühmten Schauspielerin Pamela Anderson (Lily James), einzubrechen und Bargeld und Gegenstände zu stehlen, die den Wert der ausgebliebenen Bezahlung decken. Dabei fällt Gauthier auch ein privates Videotape in die Hände... und der Rest ist ein allzu bekannter, furchtbarer Skandal, der Hollywood-Geschichte schreiben soll.
Die Serie rund um den wahren Sextape-Skandal der Schauspielerin Pamela Anderson räumt gleich vorweg mit ein paar Vorurteilen auf. Es handelt sich hier nämlich mitnichten um die nächste Hollywood-Serie, die sich durch die Aufarbeitung eines realen Skandals und somit auf dem Rücken der Opfer bereichern möchte, sondern um eine Auseinandersetzung mit vielen, zeitgenössischen Themen. So geht es besonders darum, wie Frauen sich in einer Welt, in der sie nicht dazu gedacht sind, sich gegen ihre männlichen Mitmenschen zu wehren, zurechtfinden... und schließlich auch aufstehen und für ihr eigenes Recht kämpfen. Zudem nimmt die Serie solch spannende Themen wie die Anfangstage des Internets, das Recht auf eigene Privatsphäre und toxische Beziehungen auf und verknüddelt diese zu einem durchweg packenden, manchmal herrlich-skurrilen, aber auch sehr ehrlichen Mix, bei dem sich trotz einiger spürbarer Längen über acht Episoden keinerlei Abnutzungserscheinungen einstellen... und das obwohl so ziemlich jeder zumindest den Kern dieser Geschichte bereits aus diversen Klatschblättern kennen wird.
Tatsächlich beginnt Pam & Tommy nämlich erstmal wie eine sehr, sehr skurrile Komödie, wenn der ständig im String herumlaufende und Dialoge mit seinem Penis (!) haltende Tommy Lee so dermaßen über jegliche moralische Stränge schlägt, dass sich die Balken biegen... während Seth Rogen in einer für ihn typischen, aber deswegen auch sehr passenden Rolle einen völlig irren Plan ausheckt, um sich an diesem Typen zu rächen. Alleine das wäre schon der Stoff für eine echte verrückte Komödie (gerne auch aus dem Hause Rogen), doch die Geschichte dreht sich dann erst wirklich weiter. Die Konsequenzen des Handelns dieser beiden Männer sorgen mehrfach für Furore und mit Pamela Anderson bekommen wir somit eine Protagonistin, die als einzige keinerlei Schuld an dem trägt, was vorgefallen ist... aber am Ende am meisten unter den Konsequenzen leiden muss. Das ist schon eine starke, oftmals auch ziemlich harsche Geschichte, die nicht nur den verrissenen Skandal rund um ein Sextape aufrollt, sondern sich dabei vor allem sehr detailliert mit dem Opfer dieser Schmutzkampagne beschäftigt und somit in den Zeiten des heutigen Internets auch eine sehr wichtige, weil moderne Geschichte erzählt.
Die Performance von Lily James geht dabei in Ordnung, da der Swiped-Star nicht so überzeichnet wie in vielen anderen ihrer Performances. Deutlich beeindruckender als James' Schauspielleistung ist jedoch das Meisterwerk der Make-Up-Künstler*innen, die dafür sorgten, dass die Schauspielerin optisch nicht nur nicht wiederzuerkennen ist (im Ernst, ich habe James erst mit Mühen erkannt, nachdem ich ihren Namen im Abspann der zweiten Episode sah), sondern vor allem der realen Pamela Anderson ungemein ähnlich sieht. Das ist schon ein echtes Meisterstück und hätte, wenn es sich hier um einen Kinofilm handeln würde, sicherlich bei den Oscars mitgemischt. Die zweite ganz große Nummer ist dabei weder Seth Rogen (der seine Sache wie immer gut macht, aber im Grunde nur die dritte Geige spielt) noch Orange is the new Black-Star Taylor Schilling in der Rolle der Ex-Frau des Diebes, sondern überraschenderweise Sebastian Stan. Der vor allem für seine vielen Auftritte als Bucky Barnes im Marvel-Universum bekannte Schauspieler dreht hier so dermaßen frei, dass es eine wahre Freude ist und Stan schier völlig hinter der völlig abgefuckt-durchgekoksten Variante seiner Rolle verschwindet. Umso überraschender, dass das Drehbuch gerade für Tommy Lee immer wieder einige spannende Wendungen im Gepäck hat, die aus diesem anfänglich so toxischen Arschloch immer wieder ambivalente Seiten herausziehen... etwas, das Sebastian Stan in einer ebenso zügellosen wie emotional anrührenden Performance dann so dermaßen verwandelt, dass man seinen Blick kaum von ihm abwenden kann.
Fazit: Trotz einiger Längen ist Pam & Tommy eine spannende und auch ziemlich aktuelle Aufarbeitung eines realen Skandals, der skurril beginnt und umso erschütternder weitergeht. Die gelungene Mixtur aus groteskem Komödienstoff, der sich konsequent in ein echtes Drama verwandelt, ist dabei neben der brillanten Performance von Sebastian Stan als abgefuckter Mega-Rocker der wahre Star dieser Mini-Serie.
Note: 2-
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