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Die Schlange von Essex

Frisch verwitwet zieht die Amateurpaläontologin Cora Seaborne (Claire Danes) gegen Ende des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit ihrem Sohn an die Küste von Essex. Dort erzählen sich die Dorfbewohner von einem mystischen Ungeheuer, welches zuletzt ein junges Mädchen im Sumpf getötet haben soll. Beweise für die Existenz der Seeschlange, wie sie bezeichnet wird, gibt es nicht, doch mehrere Leute wollen sie gesehen haben. Für Cora ist das mehr als ausreichend, um sich mit diesem höchst seltsamen Fall zu beschäftigen. Dabei macht sie auch die Bekanntschaft mit dem Dorf-Pfarrer Will Ransome (Tom Hiddleston), der die Bevölkerung aufgrund der jüngsten Ereignisse beruhigen will und in Cora gleichsam einen Störenfried wie auch eine Hoffnung für eine Lösung des Mysteriums sieht...

AppleTV steht im Grunde immer für Serien von sehr hoher Qualität, ähnlich wie es auch HBO tut. So kann man sich darauf verlassen, dass man auf diesem Streamingdienst im Grunde niemals schnell heruntergefilmte Unterhaltung bekommt, sondern versierte Filmemacher dabei sind, die selbst im schnelllebigen Streaming-Zeitalter noch etwas wollen. Das ist prinzipiell auch bei Die Schlange von Essex nicht anders: Die sechsteilige Mini-Serie, beruhend auf einem bekannten Roman, ist mal wieder prominent besetzt, sehr hübsch gefilmt, prunkvoll ausgestattet und hält auf der oberflächlichen Qualitätsebene mit allen anderen Serien dieses Genres Schritt. Wobei das mit der Besetzung schon wieder so eine Sache ist, denn die Namen sind zwar groß und auch talentiert, allerdings bleibt ein Tom Hiddleston beispielsweise diesmal so blass wie vielleicht noch nie in seiner Karriere. Und Homeland-Star Claire Danes überzeichnet wie gewohnt, wobei sie sich mit allerlei ziemlich nervigen Grimassen durch die Handlung zieht - aber das ist nichts, was uns bei Danes noch irgendwie negativ überrascht und es gibt ja auch genügend Fans dieses zügellosen Actings.
Darüber hinaus war ich jedoch mehrere Male erstaunt - und das nicht im positiven Sinn. Am überraschendsten ist dabei, wie eine Serie so vollgestopft sein kann mit Handlungen, Figuren, Wendungen und immer neuen Erkenntnissen... und dabei dennoch so langweilig und spröde ist wie ein alter Groschenroman. So geht es eigentlich um sehr viel: Um das zentrale Mysterium rund um ein Monster im See; um Fortschritte in der Wissenschaft und der Medizin; um einen Konflikt mit einem Arzt, der neue Methoden erforscht; um ein seltsames Kind; und dann gibt es auch noch Romanzen und Herzschmerz und Verrat und verkorkste Ehen und den Kampf einer Frau innerhalb einer Männerdomäne und, und, und... Die Serie wirkt dennoch niemals überladen, vollbringt aber das Kunststück, trotz all dieser Themen wahnsinnig langatmig und zäh daherzukommen. Das liegt auch an dem unglaublich langsamen Erzähltempo, welches sich nur alle paar Jubeljahre beschleunigt und in der zurückhaltenden Atmosphäre wenig mehr zu berichten hat als die ohnehin nur marginal gezeichneten Figuren hin und wieder in einen neuen Konflikt zu schicken, der dann keinen Schwung entwickelt.
Denn selbst eine eher langweilige Handlung könnte durch interessante Figuren, die sich durch diese bewegen, noch gewinnen. Die Figuren, die hier dargeboten werden, verleiten jedoch allenfalls zu einem nachdrücklichen Gähnen. So wird nie so richtig klar, was die ohnehin stets sehr wirr agierende Figur von Claire Danes nun genau antreibt und der örtliche Pfarrer bleibt so konturlos, dass es kein Wunder ist, dass Tom Hiddleston aus diesem leeren Blatt Papier keine ansprechende, schauspielerische Leistung hervorzaubern konnte. Das Drehbuch müht sich zwar redlich, diese verschiedenen Figuren immer wieder auch gemeinsam in Situationen zu bringen, die schwierig und fordernd für sie sind - gerade das Beziehungskarussell wird hier in allerlei Richtungen gedreht. Etwas wirklich spannendes oder zumindest Originelles kommt dabei aber nicht herum, weswegen uns wenig anderes übrig bleibt, als uns an den hübsch komponierten, aber so auch schon mehrfach gesehenen Bildern zu erfreuen.

Fazit: Obwohl schier überfüllt mit allerlei Inhalt, ist dieses müde, historische Drama furchtbar langweilig. Die Handlung nimmt nie an Fahrt auf, die Figuren wirken völlig konturlos und die Inszenierung gerät trotz hübscher Bilder und einer gelungenen Atmosphäre ungemein träge.

Note: 4



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