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Becoming Karl Lagerfeld

In den 1970ern dominiert Yves Saint Laurent (Arnaud Valois) die Pariser Haute Couture. Im Gegensatz zu ihm ist Karl Lagerfeld (Daniel Brühl) zwar bereits ein Name, von dem manch ein modebegeisterter Mensch gehört hat, der aber bislang nicht in den Köpfen der Bevölkerung verblieben ist. Dies soll sich nun jedoch ändern, als Lagerfeld den jungen Jacques de Bascher (Theodore Pellerin) kennenlernt und von diesem Mut zugesprochen wird. Daraufhin steigt Lagerfeld als Kreativproduzent seiner kleinen Modekette auf und veranstaltet ebenfalls Shows auf dem Laufsteg - womit er ein klares Ausrufezeichen setzt. Seine gewagte Beziehung zu Jacques, der sich mehr und mehr in der Modeszene auszutoben beginnt, droht jedoch immer wieder, Lagerfelds anlaufende Karriere zu torpedieren.

Im Grunde gab es keinen Zweifel daran, dass Daniel Brühl seine Sache in diesem exklusiv auf Disney Plus als sechsteilige Miniserie veröffentlichtem Biopic nicht ganz hervorragend machen würde... doch einige glaubten aufgrund der nur wenigen, optischen Ähnlichkeiten zwischen ihm und Modeikone Karl Lagerfeld daran, dass dessen Performance womöglich doch etwas schwierig werden könnte. Doch wer beispielsweise Brühl's Performance im Formel-1-Drama Rush gesehen hat, der weiß, wie sehr der deutsche Schauspieler hinter einer realen Figur völlig verschwinden kann... und so ist es auch hier. Aufgrund dessen die Serie in den 70ern spielt, verbieten sich auch allzu genaue Vergleiche zwischen realer Figur und Schauspieler, und Brühl hat die kleinen Manirismen Lagerfelds trotzdem so punktgenau im Griff, ohne sie in eine reine Kopie zu stecken, dass man sich an ihm kaum sattsehen kann. Auch darüber hinaus ist die Serie, die passenderweise vordergründig mit französischen Mimen besetzt ist, durchweg hervorragend gespielt.
Ebenfalls nichts auszusetzen gibt es am Design - das Frankreich der 70er Jahre wird mit detailverliebten Sets und Kostümen passend wiederbelebt, prunkvolle Schlösser und Galas wechseln sich mit wunderbar-atmosphärischen Außenaufnahmen ab. Insbesondere die besonderen Entwürfe, die Lagerfeld immer wieder anführt, wissen dabei zu gefallen - auch wenn von der großen Kunst des Meisters letztendlich weniger zu sehen ist als vorher angenommen. Weniger fokussiert sich die Serie nämlich auf den (für das Genre des Biopics typischen) steinigen Aufstieg des Künstlers, hinauf aufs Podest des Siegers, sondern viel mehr auf eine ziemlich tragische Liebesgeschichte. Nicht ganz ohne Grund ist in der ersten Folge nämlich nicht erst Lagerfeld selbst zu sehen, sondern dessen späterer Kompagnon Jacques... der hier im Grunde so etwas wie die weitere Hauptfigur darstellt. Und auch wenn diese Liebesgeschichte sich bisweilen ein wenig im Kreis zu drehen droht, so funktioniert sie als bisweilen düsteres und alarmierendes Herzstück einer solchen Show ziemlich gut und riskiert so einen anderen Blick auf den bekannten Modedesigner.
Der aber ansonsten als Charakter recht schwer zu greifen ist, was kaum überraschen dürfte. Lagerfeld galt seit jeher als etwas scheu und als jemand, der den anderen Menschen um ihn herum etwas vormachte, der selbst wie eine erfundene Kunstfigur daherkam, um sein wahres Selbst zu schützen. Dementsprechend müssen sich die Autor*innen ganz schön anstrengen, um aus diesem extravaganten Menschen noch eine stimmige Dramaturgie herauszuholen. Deswegen geht die Leichtigkeit, dieses über den Dingen schwebende Sein des echten Lagerfeld zugunsten einer bisweilen etwas melodramatischen Düsternis in der Serie ein wenig verloren, wobei sich vor allem die zweite Hälfte der Show ein wenig in die Länge zu ziehen beginnt. Auch der Einblick in die queere Kultur der 70er und was für Gefahren ein solches Leben mit sich brachte, fällt dabei ziemlich mau aus, da man sich diesem Thema kaum tiefgründig widmet und es recht schnell wieder zu den Akten legt. Trotz dieser dramaturgischen Schwächen weiß die Serie aber bis zum Ende der sechsten Folge immer wieder zu fesseln - was vor allem an dem kongenialen Schauspiel und dem schönen Look liegt.

Fazit: Lagerfeld als Mensch wird immer irgendwie ein Geheimnis bleiben - daran ändert auch die Serie nichts, die bisweilen zu melodramatisch vorgeht und das Besondere, das Skurrile dieses Künstlers vergisst. Darüber hinaus ist die Serie aber auch so fesselnd portraitiert, so gut gespielt und in ihrer Dynamik so sogartig, dass man ihr schwer widerstehen kann, auch wenn sie nicht immer den richtigen Ton trifft.

Note: 3+



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