Ein Beben geht durch die amerikanische Fernsehlandschaft: Nach über fünfzehn Jahren wird der beliebte Moderator der Frühstückssendung "Morning Show", Mitch Kessler (Steve Carell), aufgrund sexuellen Fehlverhaltens entlassen. Seine Co-Moderatorin Alex Levy (Jennifer Aniston), die von den Vorfällen ebenso schockiert scheint wie alle anderen, steht nun plötzlich alleine da, weswegen sich der neue Chef der Nachrichtensparte, Cory Ellison (Billy Crudup), um einen Neuaufbau der ganzen Sendung bemüht. Um den Skandal möglichst schnell hinter sich zu lassen, soll auch Alex auf absehbare Zeit abgesägt werden und Platz gemacht werden für neue, frische Gesichter. Dass dabei aber ausgerechnet die kleine Lokalreporterin Bradley Jackson (Reese Witherspoon), die zuvor aufgrund eines emotionalen Ausrasters vor laufenden Kameras zu einem Internet-Phänomen wurde, hätte sich auch Ellison kaum ausmalen können...
Als Apple im November 2019 seinen Streamingdienst an den Start brachte, ließ man sich wahrlich nicht lumpen und präsentierte eine ganze Armada von Stars, die dafür sorgen sollten, dass wirklich jeder neugierig auf die prestigeträchtigen Original-Produktionen war. Ausgerechnet eine Sendung über die ziemlich finsteren Hintergrund-Geschehnisse einer fiktiven Frühstückssendung sollte dabei das große Aushängeschild werden, was zumindest hierzulande für allerlei Fragezeichen sorgte. Doch in Deutschland können wir kaum nachvollziehen, was das Frühstücksfernsehen in den USA für eine gigantische Institution ist: Scheinbar alle schauen es, scheinbar alle brauchen es, alle kennen es. Das ist hierzulande praktisch mit keiner Fernsehsendung vergleichbar und hat dementsprechend sogleich allerlei Fans. Und wenn eine Sendung nun plötzlich ein großes Drama, verstrickt mit den vor allem damals so aktuellen Me-Too-Debatten und einer Geschichte um Frauen auf der Karriereleiter, innerhalb dieses TV-Kosmos entwickeln will, dann versprechen sich davon viele Leute in den USA eine ganze Menge.
Und sie kriegen eine ganze Menge: Mit der ersten Staffel von The Morning Show setzte Apple damals ein stellvertretendes Ausrufezeichen für das, was in Sachen Serien von dem damals neuen Streamingdienst zu erwarten war. Große Stars, hohe Produktionswerte, packende Drehbücher, originelle Ideen - vergleichsweise wenige, dafür aber durchweg prestigeträchtige Serien, die seitdem allesamt immer wieder Preise einsammeln und von Kritikern umjubelt werden. Und da gehört diese Show, die es mittlerweile schon auf ganze vier Staffeln bringt, auch zu: Die Stars freuen sich, dass sie in solch einer wichtigen Show mitwirken dürfen und legen sich daher mächtig ins Zeug - über den herrlich-fiesen Billy Crudup, die brillante Jennifer Aniston und vor allem Walk the Line-Star Reese Witherspoon ist das hier bestes Schauspiel-Kino, mit wunderbar geschliffenen Dialogen, einer butterweichen Inszenierung und allerlei Highlights.
Man darf nur keinesfalls eine beschwingte Komödie zum Thema erwarten, wie es einige Jahre vorher der charmante Morning Glory vorgemacht hatte. Nein, das hier ist definitiv ein Drama... und eines, welches wirklich düster daherkommt und kaum ein Blatt vor den Mund nimmt. Die vor allem im Jahr 2019 noch immer hochaktuelle Me-Too-Thematik steht hier eindeutig im Fokus und wird sehr, sehr ernstgenommen - da ist für Schrulligkeiten kein Platz, es wird stattdessen mit sehr harten Bandagen gekämpft. Das hält praktisch durchweg gut bei der Stange, auch weil die zentralen Figuren gut unterstützt werden von mindestens ebenso spannenden Nebencharakteren und deren eigenen Plotlines... und auch hier werden dann mit Lost-Star Nestor Carbonell, der grandiosen Marcia Gay Harden oder dem aus der Pirates of the Caribbean-Trilogie bekannten Jack Davenport, um nur drei von vielen zu nennen, allerlei bekannte Gesichter aufzufahren. Zehn Folgen, die sich dabei allesamt rund um die Ein-Stunden-Marke bewegen, mögen dabei zwar ein bisschen viel sein - dass es auch zwei, drei weniger getan hätten und eine generelle Straffung sinnvoll gewesen wäre, merkt man der Staffel im Mittelteil ein wenig an. Trotzdem ist der Unterhaltungswert immens und dürfte sich, sofern man diese Qualität hält, in den späteren Staffeln noch steigern.
Fazit: Wie man es von Apple meist gewohnt ist, ist The Morning Show gut geschrieben, noch besser inszeniert und gespielt und unterhält als vielschichtiges, intelligentes Drama, welches sich aktuellen und brisanten Themen annimmt. Dass dabei manchmal ein bisschen zu dick aufgetragen wird und die zehn Folgen etwas zu viel des Guten sind, nimmt man angesichts so vieler, ganz starker Fernsehmomente, die wirklich bewegen und packen, gerne in Kauf.
Note: 2-
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