Vor acht Monaten hat Alex Levy (Jennifer Aniston) die "Morning Show" verlassen und sich in ein Leben außerhalb des Rampenlichts zurückgezogen. Seitdem kämpfen der Sender UBA und ihr neuer Chef Corey Ellison (Billy Crudup) damit, die Show irgendwie am Leben zu halten. Doch der Aufbau von Bradley Jackson (Reese Witherspoon) als feministische Ikone ging dabei nicht richtig auf, die Quoten sinken rapide und es geht gar das Gerücht um, Bradley würde die Sendung bald verlassen, um sich größeren Dingen zu widmen. In diesem Chaos rund um den Jahreswechsel ins neue Jahr 2020 versucht Corey, Alex von einer Rückkehr zu überzeugen, die einen solchen jedoch vehement ablehnt. Zudem ahnt die gesamte Besatzung der Show noch nicht, was für Katastrophen das neue Jahr für die gesamte Welt bereithalten soll...
So ziemlich alle laufenden Fernsehshows wurden im Jahr 2020 von der Realität eingeholt, als das Coronavirus quasi alle Projekte zum Stillstand brachte und gewisse Produktionen, die sich sehr nah am echten Leben aufhalten wollten, förmlich dazu zwangen, dieses Thema nun ebenfalls aufzunehmen. Auch The Morning Show wollte unbedingt aktuell bleiben und nach der Me-Too-Debatte der ersten Staffel nun unbedingt den nächsten Krisenzug einfahren lassen. Dass dies nicht von Anfang an geplant war, merkt man jedoch, denn der grassierende Virus nimmt lange nur eine Art Hintergrunddröhnen ein und wird im weiteren Verlauf nun auch nicht so gut genutzt, dass man daraus jetzt eine spannende Geschichte für die Show kreieren würde. Stattdessen ist das Thema noch eines oben drauf in einer Staffel, die ohnehin schon völlig überladen ist. In dem Zwang, möglichst alle Themen, die derzeit in unserer Gesellschaft relevant sind, irgendwie noch mitzunehmen und daneben auch noch alle Figuren der ersten Staffel weiter zu erzählen und diverse Cliffhanger aufzulösen, geht der Fokus mehr als einmal flöten... sofern es denn überhaupt einen gibt.
Das führt dazu, dass (und das haben wir ja schon öfters gesehen) kein Plot so richtig atmen kann. Vielen fehlt es dann auch an echtem Drang und so muss man sich desöfteren auf Klischees verlassen, um die Handlung so voranzutreiben, wie es gerade nötig ist. Ein romantischer Subplot, der natürlich auch noch zum Skandal aufgeblasen werden soll, verkommt daher zu einer Art Vorabend-Soap-Gefühl, während wiederum andere Handlungen und Charaktere erst mit großem Brimborium angekündigt werden, um sie dann einfach zu vergessen... denn es wartet ja schon die nächste Sensation am Horizont. Dabei gelingen den Machern immer wieder ein paar richtig starke Momente und auch einzelne Highlight-Folgen - gerade die Fortführung der Geschichte des gecancelten Moderators Mitch weiß hier wirklich zu bewegen. An anderen Stellen bewegt man sich aber auch Cringe-Niveau, wenn Figuren, die man zuvor trotz ihrer moralischen Abgründe als Menschen ernstgenommen hat, angesichts der neuesten, gesellschaftlichen Grenzen und Regeln plötzlich nur noch wie alberne Abziehbilder von Blödel-Boomern daherkommen.
Das läuft dem eigentlichen Ziel, hieraus eine ernstzunehmende Dramaserie zu machen, immer wieder entgegen... und das obwohl die Macher ja immer wieder Momente kreieren, die durchaus echte Wucht haben. Geblieben sind auch die enorm hohen Produktionswerte und die grandiosen Leistungen aller Beteiligten, insbesondere vor der Kamera, auch wenn angesichts so vieler Ideen und Plots nun nicht mehr für jeden noch ein lichter Moment übrig geblieben ist, andere sogar komplett mit Abwesenheit glänzen. So hat man diesmal eher den Eindruck eines ständigen Gewusels, wobei aus diesem echten Wust aus Inhalt natürlich immer wieder großartige Ideen hervorspringen, man aber dennoch der Meinung ist, dass es einfach zu viel von allem ist. So bleiben einzelne Geschichten, da man ihnen nkicht genug Aufmerksamkeit widmen kann, zu oberflächlich, was angesichts manch eines heiklen, realen Themas streckenweise richtig kritisch werden kann. Man kann also nur hoffen, dass die Serie wieder einen genaueren Fokus findet, dem sie folgen will, damit sie wieder auf das qualitative Niveau der ersten Staffel zurückfindet, denn momentan wirken sogar zehn einstündige Episoden, die zum Bersten mit Inhalt gefüllt sind, fast noch zu wenig, um wirklich alles auszuerzählen, was hier nun angeschoben wurde.
Fazit: The Morning Show hat in seiner zweiten Staffel so viele Ideen, dass es selbst für zehn Stunden zu viel ist. Der Fokus geht verloren, viele Themen werden nur klischeehaft angerissen, es fehlt an einem kohärenten Bogen. Dass innerhalb dieses Gewusels auch immer wieder grandiose Momente und Folgen hervorspringen, ist durchaus beachtenswert, aber es ist trotzdem schade, dass die Serie hier zu solch einer Parade der Sensationen verkommt.
Note: 3-
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