Zwei Jahre nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie scheint sich die Welt zumindest auf gesundheitlicher Ebene wieder langsam zu normalisieren. Diese zwei Jahre brachten für den Sender UBA jedoch einige Veränderungen mit sich: Alex Levy (Jennifer Aniston) ist der "Morning Show" zwar treu geblieben, doch ihre Kollegin und Co-Moderatorin Bradley Jackson (Reese Witherspoon) ist mittlerweile zu den Abendnachrichten übergegangen und hat sich somit einen großen Traum erfüllt. Dieser bekommt jedoch Risse, als sie erfährt, dass sie einen wichtigen und kritischen Beitrag über illegale Abtreibungen in Texas so nicht machen darf. Indes versucht Senderchef Corey Ellison (Billy Crudup) mit mehr Spektakel die Quoten zu sichern. So soll Alex zum zwanzigjährigen Jubiläum ihrer Tätigkeiten für den Sender an der Seite des Milliardärs Paul Marks (Jon Hamm) ins All geschossen werden... und die Nerven der Moderatorin liegen schon Tage vor diesem gewagten Mega-Stunt schlicht blank.
Zwar ist auch die dritte Staffel von The Morning Show erneut vollgepackt mit allerlei Themen und Dramen, weswegen man zu Beginn doch wieder recht erfolglos nach einem richtigen, roten Faden sucht. Allerdings stellt sich dieser nach ein paar Folgen dann doch eindeutig her, auch wenn es noch etwas längere Zeit an einem wirklich greifbaren Konflikt und einem übergeordneten Thema mangelt. Nach der Me-Too-Anklage der ersten Staffel und der plötzlich über den Sender hereinbrechenden Corona-Pandemie der zweiten Season geht es nun um in Hinterzimmern ausgetüftelte Pläne für die Zukunft des Senders. Zuvor werden noch allerlei Konflikte rund um einen grausamen Hack, um weitere Beziehungsdramen sowie der Ungleichheit der Mitarbeiter hinsichtlich der Bezahlung aufgemacht. Und obwohl diese zehn Episoden dementsprechend wieder prall gefüllt sind, wirkt die dritte Staffel wesentlich aufgeräumter und konzentrierter als die vorherige Season... auch weil den Autoren diesmal mehr eingefallen ist, als kritischen Themen einfach nur mit richtiger, letztendlich aber auch wenig gehaltvoller Empörung zu begegnen.
Gerade die romantischen Subplots machen dabei erneut den Eindruck einer (superteuren) Seifenoper und haben dabei ähnlich viel Tiefgang. Dass man aus den ständig wechselnden Paaren nun ganze Folgen zimmert, schlägt sich auf den sonst so bissigen Unterhaltungsfaktor nieder - auch weil die daraus resultierenden Dramen doch reichlich vorhersehbar sind. Deutlich mehr Schwung haben da schon die wirklich gehaltvollen Konflikte rund um den Sender und deren ziemlich düstere Arbeitspolitik. Langsam baut sich hier eine regelrechte Vendetta auf, die sich in einem grandiosen Staffelfinale endlich entlädt - bis dahin vergeht dann aber auch ziemlich viel Zeit für allerlei Nichtigkeiten und (mittlerweile auffällig) einige Wiederholungen von bereits bekannten Themen. So spürt man, dass die Macher mittlerweile wesentlich mehr Hirnschmalz aufwenden müssen, um die eigentlich sattsam ausgespielten Hauptfiguren noch im Ring zu halten und dass sich ein erneut aufgebauschter Konflikt zwischen Anna und Bradley schon arg nach etwas anfühlt, das wir nun schon oft gesehen haben.
Die Produktionsqualität bleibt dabei natürlich auf einem sehr hohen Niveau - auch die Dialoge sind in den meisten Szenen mal wieder herrlich und geraten auch nicht mehr so arg überspitzt wie noch in der zweiten Staffel. Einige Figuren entwickeln sich fein weiter, wobei vor allem Stella (mittlerweile definitiv eine meiner Favoritinnen unter den zahlreichen Charakteren) mehr in den Fokos rückt und einige echte Highlights verantwortet. Neu im Cast ist zudem Mad Men-Star Jon Hamm, der als superreicher Mega-Geschäftsmann sehr galant irgendwo zwischen Charmebolzen und ekelhaftem Egomanen tänzelt und dabei mal wieder herrlich abliefert. Eine echte Bank ist zudem auch immer noch Billy Crudup, der als skrupelloser Senderchef diesmal auch echte Gefühle abliefern darf und zu deutlich mehr heranwächst als einem Antagonisten. Witherspoon und Aniston machen ihre Sache natürlich ebenfalls weiterhin hervorragend, wobei bei ihren Figuren jedoch mittlerweile auffällt, dass sie demnächst auserzählt sein könnten und andere Charaktere rund um sie herum wesentlich spannender und ambivalenter geschrieben sind.
Fazit: Obwohl auch diese Staffel wieder bis zum Dach vollgepackt ist mit Dramen, realen Konflikten und allerlei Machtkämpfen, wirkt sie konzentrierter und fokussierter als die zweite Season. Einigen echten Highlights, bravourösen Schauspielleistungen und einer galanten Inszenierung stehen aber auch wenig gehaltvolle Nebenhandlungen gegenüber, welche die zehn Episoden immer wieder zu einer zähen Geduldsprobe machen.
Note: 3+
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