Für Simon Williams (Yahya Abdul-Mateen) gibt es seit seiner Jugend nur einen Traum: Er möchte ein großer Filmstar werden. Dass er selbst dann, wenn er es mal an ein Filmset schafft, mit seinen allzu perfektionistischen Vorstellungen mehr als nur aneckt, ist für ihn aber noch das geringste Problem. Viel schwerwiegender ist dabei, dass Simon Superkräfte hat - laut einer Klausel Menschen mit Superkräften aber keinesfalls in Filmproduktionen mitwirken dürfen. Mit etlichen Castings und seinem großen Geheimnis hadernd, jagt Simon seinem Traum hinterher... bis er den berüchtigten Schauspieler Trevor Slattery (Ben Kingsley), ehemals als Mandarin-Double für die zehn Ringe eingesetzt, begegnet. Die Wege der beiden kreuzen sich bei einem großen Vorsprechen erneut und beide scheinen festzustellen, dass sie sich gegenseitig nützlich sein könnten... auch wenn Slattery ebenfalls ein Geheimnis hat, von welchem Simon nichts wissen darf.
Während in den großen Kinofilmen aufgrund der horrenden Budgets mittlerweile nur noch wenige Wagnisse eingegangen werden, versucht Marvel mit seinen TV-Serien zumindest hier und da noch neues Terrain zu betreten. In den letzten Jahren blieben diese Versuche aber hinter den Erwartungen zurück, denn auch wenn man darin Neues wagte, so überzeugten weder der ziemlich banale Echo noch diverse, hyperaktive Animations-Ableger wie Marvel Zombies. Mit Wonder Man versucht das Studio nun den doch ziemlich seltsamen Ansatz anzuschieben, innerhalb eines Superhelden-Universums eine Geschichte zu erzählen, in der Superhelden im Grunde nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. So ist das Problem rund um Simons Superkräfte zwar eines, welches die gesamte Handlung beeinflusst, aber da die Lösung darin besteht, diese Kräfte stets geheim zu halten, muss man von dieser Serie nicht die typische Marvel-Action erwarten... und auch nicht die altbekannte Formel. Fans der Filme, die vor allem für richtig epischen Krach hier sind, werden sich also ohnehin langweilen. Die neuen Ideen, die diese Formel ersetzen sollen, zünden hingegen nur in der ersten Hälfte, bevor diese sich aufgrund mehrerer Fehler recht eindeutig totzulaufen beginnen.
Zu Beginn macht die ganze Nummer aber vor allem aufgrund der sehr stimmigen Chemie zwischen Aquaman-Star Yahya Abdul-Mateen und Schauspiellegende Ben Kingsley, der seine prägnante Marvel-Rolle des Trevor Slattery nach Iron Man 3 und seinem herrlichen Überraschungsauftritt in Shang-Chi and the Legend of the ten Rings nun schon zum dritten Mal spielt, ziemlich viel Laune. Mit einiges an klischeehaftem Herz verbeugt sich die Serie vor der Kunst des Schauspiels, aber auch vor den etwas düstereren Momenten, wenn Künstler im Grunde von Tag zu Tag leben müssen, um ihrem Traum nachzujagen. Szenen voller feinem Humor, allerlei ehrlichen Kommentaren und vor allem auch von ganz großer Schauspielkunst werden aneinandergereiht - die Geschichte, die dabei erzählt wird, liefert aber weder echte Überraschungen noch viel Tiefgang. Die einzelnen Konflikte werden zwar ellenlang buchstabiert, bekommen aber wenig Tragkraft. Und die Seitenhiebe auf das heutige Hollywood fallen nicht nur sehr handzahm aus, sondern wirken auch noch völlig deplatziert, als hätte man bei Marvel plötzlich doch nicht mehr ganz so viel Lust gehabt, hier auf ein paar typische Klischees des Filmemachens draufzuhauen.
Gerettet wird dieses recht wirre Treiben also von den beiden Hauptfiguren, die nicht nur viel Humor, sondern unerwartet auch eine ganze Menge Herz einbringen. Das trägt aber nicht über acht Episoden, denn besonders die anfangs schier magische, aber später doch recht gewohnte Performance von Ben Kingsley dreht sich dann doch im Kreis - man versuchte, allerlei Material aus dieser populären Figur herauszuholen, doch allzu viel ist den Machern dabei gar nicht eingefallen. Stattdessen verlässt man sich auf einzelne Episoden, die auf genau einer inszenatorischen oder dramaturgischen Idee herumreiten, die kaum für fünf Minuten taugt - auch Wonder Man ereilt dabei also das Schicksal beinahe aller bisherigen Marvel-Serien, einfach zu lang zu sein und eine Handlung, die höchstens für einen Spielfilm gereicht hätte, zwangsläufig aufplustern zu müssen. Dabei erklärt sich auch nicht wirklich, warum hier mit Shang Chi-Regisseur Deston Daniel Cretton ein Mann herangezogen werden musste, der grandiose Actionszenen beherrscht, diese hier aber gar nicht liefern darf. Im Gegenteil ist Wonder Man gerade in den hektischeren Momenten bisweilen schlampig gefilmt, meist fürchterlich ausgeleuchtet und sieht einfach nicht schön aus... etwas, was man so aber leider über viele Serien, die gerade auf Disneys Streamingdienst bis ins kleinste Korn verrauscht und komprimiert werden, sagen muss.
Fazit: Die Grundidee mag charmant gewesen sein und trägt dank der beiden herrlich aufspielenden Hauptdarsteller auch über einige Episoden. Doch die Luft ist aufgrund der arg dünnen Handlung und der mauen Inszenierung zu schnell raus.
Note: 3-
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