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Weiße Jungs bringen's nicht

Der ehemalige Basketball-Profi Billy Hoyle (Woody Harrelson) ist mittlerweile hoch verschuldet und gemeinsam mit seiner Freundin Gloria (Rosie Perez) ständig auf der Flucht vor Gangstern, bei denen er mit rund 8.000 Dollar in der Kreide steht. Um wieder einigermaßen flüssig zu werden, hat sich Hoyle in schmuddelige Klamotten geworfen und fordert, aussehend wie ein Typ von der Straße, andere Basketballer zu Duellen um Geld heraus... Duelle, die er meist gewinnt, da seine Gegner ihn auch aufgrund seiner Hautfarbe zumeist unterschätzen. Bei einer dieser kleinen Betrügereien begegnet er auch Sidney Deane (Wesley Snipes), der auf ähnliche Art und Weise an Geld zu kommen versucht. Nach ersten Streitereien beschließen die beiden, sich für diese krumme Touren zusammenzutun und andere Sportler auszunehmen...

Keine Frage, die beiden Hauptdarsteller agieren hier, im Jahr 1992 beide noch eher am Anfang ihrer großen Karrieren, absolut hervorragend. Besonders das Zusammenspiel, wenn sich die beiden in hohem Tempo allerlei Sprüche an den Kopf werfen, funktioniert zwischen Woody Harrelson und Demolition Man-Star Wesley Snipes so gut, dass man auch nach minutenlangen, von Beleidigungen nur so wimmelnden Wortduellen niemals das Interesse an der Szenerie verliert. Ebenso beachtlich ist zudem, wie beide sich physisch in Form bringen - nicht nur als Muskelpakete, sondern auch hinsichtlich ihrer körperlichen Verfassung, wenn es um die Sportszenen geht. Sollten hier doch Stuntleute zum Einsatz gekommen sein, wurden sie durchaus gut verschleiert, weswegen ich davon ausgehe, dass Harrelson und Snipes die Basketball-Szenen mit allerlei Training selbst gestemmt haben... und das ist in der Tat beeindruckend, wenn man betrachtet, wie temporeich und glaubwürdig diese vonstatten gehen.
Wobei wir jedoch beim wahren Star dieses kleinen, aber feinen Kultfilms vom Anfang der 90er sind: Regisseur Ron Shelton. Der hat nämlich einerseits die bereits erwähnten Basketball-Szenen so gut im Griff, dass man mehrfach den Atem anhält... und das weitestgehend ohne banale, filmische Mittel wie Superzeitlupen oder die Untermalung von möglichst dramatischer Musik. Stattdessen setzt Shelton auf Tempo, auf dynamische Schnitte und fesselnde Spielmechaniken, die hier sehr flott abgefilmt und stets genau passend inszeniert werden. Darüber hinaus hat der Regisseur ein sehr feines Händchen dafür, wenn es darum geht, die Atmosphäre der Unterschicht auf den Straßen von L.A. abzubilden. Zwar kommt er hier auch um das ein oder andere Klischee nicht herum, trotzdem wirkt die Stimmung sehr authentisch und wenig aufgesetzt. Vor diesem Hintergrund funktionieren auch die Figuren, die schnell zu Abziehbildern hätten verkommen können, aber durch das ständige Gewusel der Stadt und der passenden Inszenierung eben dieser sehr glaubhaft daherkommen.
Nicht ganz so eloquent kommt der Film auf einigen seiner Nebenschauplätze daher - gerade die zentrale Liebesgeschichte ist ziemlich mau geschrieben. Das ist schade, da insbesondere Ananas Express-Star Rosie Perez hier in der tragendsten aller weiblichen Rollen des Films mit grandioser Energie agiert und dabei ihren männlichen Kollegen mehr als einmal die lange Nase zeigt. Immerhin wagt der Film bei dieser Geschichte gegen Ende noch etwas, was sich womöglich nicht viele Streifen aus dieser Zeit getraut hätten. Man muss zudem anmerken, dass Weiße Jungs bringens nicht zwar durchweg vital daherkommt, aber mit seinen beinahe zwei Stunden Laufzeit trotzdem immer wieder unangenehm durchhängt. Da der Film aber zu vielen seiner Themen stets passend etwas zu sagen hat und dabei auch wichtige Themen wie Alltagsrassismus (auf verschiedenen Seiten), das Leben auf der Straße und den Sport als Mittelpunkt des Lebens anfasst, wird es einem niemals ernsthaft langweilig. Und auch wenn er hier und da nicht ganz so gut gealtert ist, wenn es vor allem um das Frauenbild geht, kann der Film auf gewissen Stationen noch immer nicht nur amüsieren, sondern auch zum Nachdenken anregen.

Fazit: Besonders die ungekünstelte Atmosphäre sowie die spektakulären Basketballszenen und die Chemie zwischen den beiden frotzelnden Hauptdarstellern überzeugt... auch wenn hier und da ein paar dramaturgische Hänger zu beklagen sind.

Note: 3+



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