Direkt zum Hauptbereich

Fingernails

In einer nicht näher bezifferten Zukunft haben Paare die Möglichkeit, ihre Liebe am sogenannten Love Institut einer Prüfung zu unterziehen. Mittels mehrerer Tests und schließlich dem Opfern je eines Fingernagels, durch welchen man herausfinden kann, wie die Personen zueinander stehen, kann analysiert werden, ob die Liebe von beiden Seiten aus wirklich echt ist. Auch Anna (Jessie Buckley) und ihr Freund Ryan (Jeremy Allen White) haben diesen Test abgelegt und mit Bravour bestanden. Doch nun fängt Anna einen neuen Job an, ausgerechnet am Love Institute selbst, wo sie Paare durch die verschiedenen Tests begleiten soll. Als sie ihren Kollegen Amir (Riz Ahmed) kennenlernt, dem sie zum Anlernen über einen gewissen Zeitraum über die Schulter schauen soll, entdeckt sie seltsame Gefühle in sich... und fragt sich, wie aussagekräftig ein solcher Test eigentlich sein kann, wenn sich die Personen doch offensichtlich ohnehin so sehr lieben.

Diese erst etwas skurril anmutende, aber doch irgendwie aufregende Zukunftsvision hat zwar eine ganze Menge Ideen im Gepäck, die sich dann aber nur schwer zu einem passenden Ganzen vereinen lassen. So beginnt der Film mit dem Zitat eines unbekannten Wissenschaftlers, der feststellte, dass sich Herzprobleme eines Menschen gleich zu Beginn über die Fingernägel äußern - weswegen dieser Körperteil auch eine ganz besondere Rolle dabei spielen soll, die wahren Gefühle eines Menschen zu einem anderen zu enthüllen. Klingt abenteuerlich, aber irgendwie auch interessant... nur leider wird dieses Konzept, wie so viele Ideen in diesem Film, nicht richtig weiterverfolgt. Gerade das ganze Gewese rund um diesen Liebestest bleibt ähnlich unkonkret wie die gesamte Zukunftsvision, die (warum auch immer) optisch klar in den 80ern verankert ist. So fragt man sich mehrfach, was denn nun ein Nicht-Bestehen bei diesem Test für Folgen für das Paar hat, wenn Bestehende ein Zertifikat ausgehändigt bekommen, was deren gegenseitige Liebe "erlaubt". Viel mehr als diese Brotkrumen bekommen wir hinsichtlich dieses Themas kaum zugeworfen, dabei hätte gerade das angesichts dieses allumfassenden Themas durchaus Brennstoff gehabt.
Nun mag man anmerken, dass solch eine detailliert aufgebaute und kritisch beäugte Zukunftsvision nun nicht so wichtig ist, wenn denn die Charaktere und deren große Gefühls-Katastrophen stimmen. Doch das kann man so nicht ganz unterschreiben, denn auch die Probleme der einzelnen Figuren haben stets etwas mit diesem Test zu tun - ihre Beziehungen, ihre beruflichen Agendas und sogar ihre Gefühle basieren auf diesem Test, der darüber hinaus nicht weiter erklärt wird. Das sorgt immer für Fragezeichen und für das Gefühl, zwischendurch wichtige Informationen verpasst zu haben... dem ist aber nicht so, denn Fingernails enthält uns diese schlichtweg vor und sorgt angesichts der darauf aufbauenden Prämisse für den Eindruck eines sehr unsauberen Worldbuildings. Das führt dann auch dazu, dass sich der Film in seinem Thema komplex und meta-kritisch gibt, in seinem Kern aber ungemein simpel daherkommt und eine Message transportiert, die vorhersehbarer kaum sein könnte. Das führt dazu, dass er gegen Ende ziemlich ausdümpelt, wenn klar wird, wie einfach das ist, was er uns sagen will - das große, auch technische Gewese drumherum wäre da kaum nötig gewesen.
Dieses inkonsistente Drehbuch, auch wenn sich dabei immer wieder sehr, sehr charmante Momente finden, die vor allem zwischen den einzelnen Figuren ausgetragen werden, macht also einige Probleme. Ansprechend besetzt ist Fingernails (wie ja praktisch jede Apple-Produktion) aber, und solch großartige Könner wie Oscarpreisträger Riz Ahmed und Judy-Star Jessie Buckley machen ihre Sache gewohnt stark. Für Jeremy Allen White ist derweil zwar nur eine Nebenrolle übrig geblieben, die im Grunde auch nur als etwas zurückhaltender Konfliktstoff dient, doch White hat natürlich weiterhin eine solch schier hypnotische Ausstrahlung, dass er selbst aus dieser am Reißbrett entstandenen Rolle noch ungemein viel herausholt. An den Look muss man sich hingegen gewöhnen, denn dieser transportiert wieder das gefürchtete Apple-Grau und lässt viele Bilder, die eigentlich recht hübsch komponiert sein könnten, in untersaturierten Farbsäumen vermatschen. Der Soundtrack, der diese Bilder unterlegt, ist aber dafür ganz wundervoll ausgewählt und unterstützt dabei auch die verschiedenen Ideen hinsichtlich des bisweilen herrlich schräg anmutenden Liebestests.

Fazit: Die Grundidee wirkt nicht sonderlich weit gedacht, weswegen die gesamte Geschichte rund um einen gewissen Liebestest etwas unerzählt daherkommt. Obwohl stark besetzt und mit einigen interessanten Ansätzen ausgestattet, wagt sich Fingernails in seinem Gesamtkonzept nicht weit genug, um wirklich aufzufallen.

Note: 3-

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eraser

Arnold Schwarzenegger, wohl neben Sylvester Stallone die Action-Ikone der 80er und 90er Jahre schlechthin, ist endlich zurück. Nachdem er sein Amt als Gouverneur von Kalifornien niedergelegt hat, dürfen wir ihn seit einiger Zeit endlich wieder in genügend rauen, spaßigen Actionfilmen wiedersehen. Auch wenn in der heutigen Zeit ganz klar Statham, Diesel und Co. die Actionhelden sind, macht es aber dennoch Spaß, den "Terminator"-Star wiederzusehen. Und natürlich auch seine vergangenen Filme, von denen ich bislang kaum einen gesehen habe und die ich nun mal nachholen möchte. Angefangen habe ich nun mit "Eraser" aus dem Jahr 1996... ERASER US-Marshall John Kruger (Arnold Schwarzenegger) arbeitet in einer geheimen Vereinigung der USA im Zeugenschutzprogramm. Darin beschützt er die Leben von Kronzeugen, welche vor Gericht Aussagen tätigen sollen und verschafft ihnen eine neue Identität, um sie vor dem Tod zu bewahren. Sein neuester Job ist eine junge Mitarbeiterin bei...

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...

London Boulevard

Es gibt Filme, die lassen sich schlichtweg nicht in ein festes Genre pressen. Das kann ab und an richtig spannend sein, wenn sich ein Film nicht einem Stil hingibt, kann überraschen und fesseln, aber auch außer Kontrolle geraten und so irgendwann ziellos oder gar anstrengend und ungekonnt wirken. "London Boulevard" ist so ein Mischkind, welches über Thriller, Komödie, Drama und Gangster-Krimi alles mögliche abdecken will, dabei aber immer wieder unangenehm ins Trudeln gerät. LONDON BOULEVARD Mitchel (Colin Farrell) saß drei Jahre wegen gewalttätiger Vergehen im Gefängnis. Nach seiner Entlassung will er der kriminellen Szene, in welcher ihn sein ehemaliger Partner und Freund Billy (Ben Chaplin) immer wieder hineinzudrängen versucht, absagen und nimmt anstattdessen einen ehrlichen Job an: Als Personenschutz der berühmten Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley) hält er der Frau aufdringliche Papparazzi vom Leib... und schnell kommen sich die beiden näher. Doch die Krimina...