Es sollte alles friedlich ablaufen: Ohne sich weitestgehend gegenseitig zu kennen und mit unterschiedlichen Grundsätzen wollen tausende Menschen vor dem Parteitag in Chicago gegen den Vietnam-Krieg und die Einziehung junger Männer protestieren. Doch die Bewegung gerät außer Kontrolle, Blut wird auf den Straßen Chicagos vergossen. Aus diesem Grund stehen nun acht Männer vor Gericht, welche als Führer der Bewegung dazu aufgerufen haben sollen, mit Gewalt gegen die Polizei vorzugehen. Der vorsitzende Richter Julius Hoffman (Frank Langella) scheint von Grundauf befangen, weswegen es für Verteidiger William Kunstler (Mark Rylance) einem Spießrutenlauf gleichen soll, aus diesem Verfahren mit Gerechtigkeit herauszukommen... ein Verfahren, welches zuletzt ein politisches Feuer entzünden könnte.
Ich vergöttere Aaron Sorkin. Sicherlich habe ich das in der ein oder anderen Kritik zu den Filmen, für welche er als Drehbuchautor im Sattel saß, bereits erwähnt, doch ich muss es hier erneut dringlichst aufzeigen. Sorkin ist eine lebende Legende, ein Genie des Schreibens, der für mich bereits so großartige Werke wie "The Social Network" oder "Moneyball" zu dem machte, was sie nun sind. Und nun führt er bei dem vielleicht aussichtsreichsten Kandidaten für die nächsten Oscars gar die Regie, wobei er natürlich auch das Drehbuch zu diesem schmerzhaften, brillant inszenierten und hochemotionalen Gerichtsthriller verfasst hat. "The Trial of the Chicago 7" ist dabei nicht nur hochspannend, streckenweise schallend lustig, bewegend und bombastisch besetzt. Es ist auch ein politischer Fingerzeig, der heute besonders deswegen so schockiert, weil wir uns gefühlt nicht weiterentwickelt haben. Aufgrund der heutigen Vorfälle von grausamer Polizeigewalt, von Vorurteilen und gezinkten Prozessen erreicht dieser Film eine Aktualität, die ebenso aufrüttelt wie gruselt.
Nun mag man Sorkin ankreiden, dass er in diesem Aspekt arg schematisch agiert - die Guten und die Bösen sind klar voneinander getrennt (mit Ausnahme des zweischneidigen Staatsanwaltes, herausragend gespielt von "Don Jon"-Star Joseph Gordon-Levitt) und den "Helden" in diesem Film werden dabei keinerlei Fehler zugesprochen. Das ist dienlich für eine funktionierende Emotionalität, manchmal aber auch ein wenig zu simpel. Das ist dann aber schon der einzige kleine Makel in einem ansonsten so kraftvollen und klugen, wichtigen und herzzerreißenden Werk, welches sich jeder, aber auch wirklich jeder, der auch nur ansatzweise etwas von Gerechtigkeit versteht oder verstehen will, so schnell wie möglich ansehen sollte. Sorkin beräuchert diese wahre Geschichte mit seinem schier unnachahmlichen Talent und legt der Besetzung dabei sowohl im humoristischen als auch im wagemutigen Bereich Dialogzeilen in den Mund, die so perfekt geschrieben, so durchdacht und klug sind, manchmal aber auch so entwaffnend witzig und schlagfertig, dass man ihm gleich mehrere Denkmäler errichten will. Es hat lange nicht mehr, vielleicht auch noch nie, einen Autoren gegeben, der mit schierer Leichtigkeit und mit so viel Willen seine Darsteller dank dieser Texte zu Leistungen anfeuert, die filmhistorische Bedeutung haben könnten. Die Oscars werden von diesen beherrscht werden.
Dieser Film schmerzt aufgrund seiner grausamen Brutalität, wenn Sorkin unter die ohnehin intensiven Gewaltszenen auch in Sekundenbruchteilen echte Aufnahmen der damaligen Demonstrationen unterspielt. Noch mehr schmerzt aber, was vor Gericht geschieht. Selten habe ich so oft den Fernseher anbrüllen wollen, war so fassungslos aufgrund der wahren Geschehnisse, die sich innerhalb des Gerichtssaals abgespielt haben. Man mag es beinahe für eine Karikatur halten, für eine unsinnige und überzeichnete Fantasie... wenn man nicht wüsste, dass solcherlei Vorkommnisse damals und gar noch heute an der Tagesordnung stehen. Gruselig, grausam, so wichtig, es aufzuzeigen. Da verzeiht man gerne den ein oder anderen etwas zu patriotisch angehauchten Schwenker, der angesichts der schneidenden Atmosphäre aber auch zu passen scheint. Nichts verzeihen muss man den Darstellern, denn da werden keine Entschuldigungen fällig: Die namhafte Besetzung agiert so grandios, dass man keinen von ihnen herausstellen kann oder soll. Sie agieren als massive Einheit, beflügelt von Sorkins Worten und Regie. Wäre es möglich, müssten Mark Rylance, Eddie Redmayne, Sacha Baron Cohen, Joseph Gordon-Levitt, Frank Langella und Jeremy Strong allesamt einen Oscar erhalten. Wer diese Trophäe dann hoffentlich entgegennehmen darf, das dürfte für die Academy eine wahnsinnig schwere Entscheidung werden.
Fazit: Ein Gerichtsdrama sondergleichen, beflügelt von einem erneuten Meisterwerk des Schreibens seitens Aaron Sorkin. Herausragend besetzt, brillant geschrieben und inszeniert, hochaktuell, wichtig, aufrüttelnd und bestechend.
Note: 1-
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