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Einfach hinsehen: Filmkritik zu Netflix' "Bird Box: Barcelona"

Die Ankunft merkwürdiger, unsichtbarer Wesen, die Menschen urplötzlich in den Selbstmord treiben, hat auf der ganzen Welt stattgefunden... so auch in Barcelona. Auch Sebastian (Mario Casas) wurde damals von der plötzlichen Apokalypse überrumpelt und musste sich nach dem Tod seiner Frau Laura (Celia Freijero) alleine mit seiner Tochter Anna (Alejandra Howard) durch eine Welt schlagen, in welcher jeder Blick den Tod bedeuten kann. Mehrere Monate nach dem Ausbruch der Apokalypse zieht Sebastian nun mit einer eigenen Mission durch das Land und muss dabei versuchen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Diese Mission stellt sich jedoch als tödliche Gefahr heraus... vor allem für alle, die mit Sebastian in Berührung kommen.

Für die Quasi-Fortsetzung von einem der größten Hits aus dem Portfolio des Streaminggiganten Netflix hat man sich für einen recht spannenden Ansatz entschieden, der nicht noch einmal stumpf das recht geradlinige Horror-Szenario des Originals wiederholt. Viel erzählen mag man darüber nicht, da man somit schon einige recht frühe Überraschungen, die den Plot des Films in eine erfrischende Richtung lenken, vorwegnehmen würde. Doch so viel sei gesagt: Die Geschichte des ersten Teils wird hier nicht weitergeführt, stattdessen werden wir Zeuge von ganz neuen Charakteren an einem gänzlich anderen Teil unseres Planeten, die ebenfalls mit der Apokalypse und dem Endzeitszenario zu kämpfen haben. Die erste Überraschung, nach welcher wir wissen, in welche Richtung "Bird Box: Barcelona", ganz im Kontrast zum ersten Film, hier geht, hat es mächtig in sich. Leider lässt der Film danach recht deutlich Federn, wenn sich eben diese angeschobene Handlung im weiteren Verlauf doch arg im Kreis dreht und bis zum bemerkenswert spannenden Finale nicht mehr viele Akzente setzen kann.
Das mag auch an dem neuen Hauptdarsteller liegen: Die emotionalen Konflikte, die Hauptfigur Sebastian in dieser Geschichte durchmachen muss, sind absolut gigantisch. Leider ist es Mario Casas zu selten in der Lage, diese tiefe Zerrissenheit seiner Figur auch wirklich greifbar zu machen und wirkt oftmals überfordert. Die emotionalen Traumata seines Charakters sind zwar so enorm, dass damit auch talentiertere Mimen noch ihre Schwierigkeiten haben könnten, doch fällt eine Verbindung an Casas' Figur aufgrund seiner doch recht limitierten Fähigkeiten bisweilen schwer. Der Rest des Casts macht seine Sache bedeutend besser, hat aber auch deutlich weniger zu tun - es fehlt dabei an dem Charme der Figuren aus dem ersten Teil, die zwar auch nicht wirklich originell gezeichnet waren, aber immerhin noch eine stimmige Gruppendynamik vorweisen konnten. Diese fehlt (ebenso wie der Starstatus von Schauspieler*innen wie Sandra Bullock und John Malkovich) hier nun aber, da sämtliche Nebenfiguren hier doch eher zum Randgeschehen gedrängt werden und man ihre Schicksale so alsbald an einer Hand abwägen kann.
Immerhin öffnet sich dieser Film aber zugunsten der Mysterien, die der erste Teil noch aufbaute, jedoch auch vollkommen unberührt ließ. Ganz konkrete Antworten gibt uns auch dieses Spin-Off nicht, ist aber dennoch wesnetlich klarer und differenzierter in einigen seiner Geheimnisse - so zum Beispiel, wieso die meisten Menschen beim direkten Augenkontakt mit den seltsamen Wesen in den Selbstmord getrieben werden, während andere offenbar verschont werden, anschließend aber unter einer Art Kontrolle stehen. Das sind recht spannende Brotkrumen, die aber erst gegen Ende so richtig relevant werden, wenn "Bird Box: Barcelona" in einem kraftvollen, spannenden und visuell sehr packenden Finale noch ein wenig die Daumenschrauben anzieht. Damit ist der Film auf dramaturgischer Ebene leider ein wenig spät dran, da er zuvor doch wenig lieferte, was man als mehr als reiner Genre-Klischees beschreiben kann. Immerhin beweist das Spin-Off auf den letzten Metern aber noch mehr Substanz, als man ihm vorab zugetraut hätte - was es damit dann genau auf sich hat, werden aber wohl erst eventuelle weitere Fortsetzungen und Franchise-Einträge klären, die bei einem erneuten Erfolg wohl früh ausgemachte Sache sein dürften.

Fazit: Der Ansatz für dieses Horror-Spin-Off ist frisch, hält aber nicht über die gesamte Laufzeit bei der Stange. Nach einem starken Beginn und vor einem hochspannden Finale sackt "Bird Box: Barcelona" deutlich ab und dreht sich recht angestrengt im Kreis. Dafür ist er jedoch dramaturgisch recht originell, wenn auch nicht so intensiv inszeniert wie der Vorgänger.

Note: 3-



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