In der Zukunft steht die gesamte Menschheit unter einer totalen Gen-Überwachung, wobei streng zwischen validen und invaliden Menschen unterschieden wird. Valide Menschen wurden aus quasi perfekten Genen noch vor ihrer Geburt zusammengebaut, während invalide Personen diese Vorzüge nicht genießen. Der Wunsch des invaliden Vincent Freeman (Ethan Hawke), mit einem Raumschiff zu reisen und den Planeten zu verlassen, kann deswegen auch niemals in Erfüllung gehen. Doch eines Tages hat der als Putzkraft arbeitende Vincent genug von seinem Dasein als ewiger Außenseiter und beschließt, sich seinen Traum doch noch zu erfüllen. Dafür muss er die Identität eines anderen annehmen und etliche, perfekte Sicherheitssysteme und Überwachungen austricksen, die ihn sonst durch eine einzelne Haarsträhne identifizieren könnten. Als perfekter Gegenpart zeichnet sich der im Rollstuhl sitzende Jerome (Jude Law) aus...
Im Jahr 2010 erschuf Christopher Nolan mit Inception ein hochspannendes Konstrukt aus Regeln und Gesetzen, die er dem Publikum haarklein erklärte. Der geniale Clou (bzw. einer von vielen in diesem meisterhaften Film): In der zweiten Hälfte des Films mussten die Figuren diese zuvor so genau erklärten Gesetze umgehen, biegen oder sogar brechen. Ähnlich geht auch der Sci-Fi-Thriller Gattaca aus dem Jahr 1997 vor, auch wenn das Setting ein ganz anderes ist. Jedoch wird auch hier ein echtes Konstrukt aus eben diesen Gesetzen, technologischen Regeln und Wahrheiten aufgebaut (diesmal im Sinne einer erstaunlich glaubhaften Zukunftsvision)... welches schließlich dazu gebraucht wird, um die Hauptfigur vor eine ganze Wagenladung aus Schwierigkeiten zu stellen. Denn um in dieser Welt eine andere Identität anzunehmen, reicht kein gefälschter Pass mehr - man muss genetisch förmlich zu dieser anderen Person werden. Und wie der Film mit dieser Ausgangssituation verfährt, nachdem wir letztendlich genau wissen, wie perfekt diese Technologien eigentlich verfahren, ist ziemlich spannend.
Das Drehbuch vollzieht immer wieder nachvollziehbare Hüpfer und Wendungen, um die Ausgangslage spannend zu halten, findet aber auch stets glaubwürdige Wege, um unseren Protagonisten in der Spur zu halten. Der beinahe dreißig Jahre alte Film zeigt dabei, wie wichtig das Drehbuch bei solch einem Konzept ist: Gefahrensituationen und passende Lösungen müssen zusammenstehen, um nicht billig oder zusammengeschustert daherzukommen, und um das zu erreichen, ist auch das Worldbuilding wichtig. Dabei haben wir Zukunftsvisionen Ende der Neunziger und Anfang der 2000er Jahre schon durchaus spektakulärer (wie in Alex Proyas' I,Robot) oder auch glaubwürdiger und vertrackter gesehen (wie in Steven Spielbergs meisterhaftem Minority Report). Das macht aber nichts, denn wo es an verspielten Details und dem letzten Zünglein auf der Waage fehlt, macht man dies mit innerer Spannung und einem gar nicht so dummen, politischen Anstrich wieder wett. Zudem funktionieren auch die Hauptfiguren innerhalb dieses Treibens und geben dem einen persönlichen Anstrich - auch wenn die typische Liebesgeschichte ebenso blass daherkommt wie manch eine Nebenfigur, denen man nicht mit der gleichen Aufmerksamkeit beikam.
Und obwohl das gesamte Konzept durchaus spannend ist und aufgrund eines späteren Mordfalles noch mehr an Brisanz beginnt (denn dann darf unter anderem auch noch der geniale Alan Arkin als kaltschnäuziger Detective mitmischen), hat mich Gattaca letztendlich deutlich weniger begeistert als angenommen. Vielleicht war es der Look, der für einen Sci-Fi-Film doch etwas zu normal herüberkam. Oder es war die Richtung, in die sich die Geschichte mit der Zeit bewegte und die er in einen (spannenden) Krimi überleitete als mehr über diese Welt zu erzählen. Denn von dieser hätte ich so gern noch mehr erfahren, wo die ersten zwanzig Minuten uns allerlei Details vorhalten, die später dann aber leider kaum noch eine Rolle spielen. Es ist sicherlich etwas Gutes, wenn eine Welt an und für sich so gut konzipiert ist, dass man unbedingt mehr von ihr sehen will... es ist aber auch frustrierend, wenn der Film an sich schon viel zu wenig Zeit aufwendet, um uns diese abseits von vielen Fakten näherzubringen. Darüber hinaus bleibt auch das eigentliche Ziel des Protagonisten, da es weitestgehend nur auf der Behauptungsebene funktioniert, ein wenig unnahbar.
Fazit: Eine packende Zukunftsvision, die aber leider zu wenig über die Welt an sich und dafür mehr über einen Krimi innerhalb dieser Welt erzählt. Zwar gerät auch dieser spannend und gefällt durch viele Details dieser glaubhaften Zukunft, reißt aber nicht durchgehend mit.
Note: 3+
Kommentare
Kommentar veröffentlichen