Nach mehreren Monaten im Krankenhaus kehrt Dorothy Turner (Lauren Ambrose) nach Hause zurück. Dort sieht sich das Kindermädchen Leanne (Nell Tiger Free) noch immer den Attacken der Sekte ausgesetzt, weswegen sie alles daran setzt, den kleinen Jericho vor den Gefahren zu beschützen und sich auch erneut mit den Obdachlosen in der näheren Umgebung zusammenschließt, um gegen die Feinde vorzugehen. Der Konflikt zwischen Leanne und Dorothy erreicht indes ein ganz neues Level, als Leanne zu bestimmen beginnt, wie Dorothy nun ihre Genesung zu vollziehen hat... und ihre strengen Regeln dabei mit aller Wucht durchsetzt. Dorothy jedoch nimmt den Kampf auf ihre Art und Weise auf, was zu einem letzten, fulminanten Duell der beiden Frauen führen soll.
Die gute Nachricht vorweg: Servant wird mit der vierten Staffel einigermaßen rund und zufriedenstellend abgeschlossen, auch wenn man sich an einigen Stellen noch etwas (zu) vage hält und auf eine Enthüllung gegen Ende, die wohl als WTF-Rausschmeißer fungieren sollte, auch einfach hätte verzichten können. Dass es aber tatsächlich zu einem recht runden Ende kommen würde, daran durfte man ja lange Zweifel haben, denn über drei Staffeln hinweg kam der Plot lange nicht wirklich voran und offenbarte auch nie ein richtiges Ziel. Dieses blieb auch zum Finale der dritten Season merkwürdig offen, weswegen weder das Feindbild wirklich klar war noch worum es nun im Kern gehen sollte. Um dieses Ziel nun endlich zu fokussieren, schafft die vierte Staffel gleich in mehreren Bereichen Klarheit - besonders hinsichtlich der Ausrichtung manch einer Figur, bei denen man nie genau wusste, woran man war, nun aber eine deutliche Richtung angeboten bekommt, um in Richtung Showdown schreiten zu können.
Man spürt jedoch, dass hier viele Dinge ein wenig mit der heißen Nadel gestrickt werden mussten. So ist der zumeist ruhige Tonfall der vorherigen Staffeln nun nicht durchgehend passee, aber zumindest einer deutlich flotteren Fortschreitung der Handlung gewichen. Das führt dazu, dass Charaktere, die zuvor eher ambivalent waren, nun eine regelrechte 180-Grad-Drehung durchmachen und einzelne, zuvor lange aufgebaute Konflikte nun im Eiltempo abgefrühstückt werden. Das ist in mancherlei Hinsicht schade, in anderen Richtungen aber auch verständlich, da lange absehbar war, dass man sich hier und da ohnehin recht hilflos verheddert hatte. Ob diese Eile nun daran lag, dass Produzent Shyamalan ja anfangs eigentlich auf mindestens fünf oder gar sechs Staffeln gehofft hatte und nun deutlich mehr Material als vorgesehen in die letzten zehn Episoden quetschen musste; oder ob es doch die Schuld der Autor*innen war, die vielleicht nicht den richtigen Masterplan für das gesamte Konzept haben, bleibt unklar. Man spürt aber quasi durchweg, dass nur langsam brodelnde Konflikte plötzlich sehr schnell und bisweilen regelrecht übertrieben zu einer Eskalation kommen müssen.
Dass Figuren dabei gerne wenig nachvollziehbar handeln, um den Plot am Laufen zu halten, überrascht dabei wenig. Trotzdem zieht man sich hinsichtlich der einzelnen Schicksale der Charaktere noch recht gut aus der Affäre, auch wenn ersichtlich ist, dass der Fokus im Finale eindeutig auf den beiden weiblichen Hauptfiguren liegt. Da ist es eigentlich umso trauriger, dass zuvor schon wieder viel Zeit darauf verwendet wurde, in Nebengassen zu streunern und andere Handlungselemente vorzubereiten, die dann doch nicht wirklich wichtig waren - dieses Problem schleppt die Serie ja praktisch schon seit der ersten Staffel mit sich herum. Immerhin dient der deutlich klarere Konflikt zwischen Dorothy und Leanne aber auch dazu, erstere als Protagonistin nahbarer zu gestalten. Das führt sogar dazu, dass Lauren Ambrose's Darstellung nicht nur nicht nervt, sondern richtiggehend mitreißt... zwar auf Kosten einer tieferen Charakterisierung ihrer Gegenspielerin, aber dennoch ein Fortschritt. Das ganze Drumherum rund um Sekten, religiöse Obdachlose oder Koch Tobe wird dann eher banal aufgelöst, aber immerhin bleiben keine ganz signifikanten Fragen offen. Fans werden aufgrund der schnörkellosen Inszenierung und der guten Leistungen des Casts ein letztes Mal gut abgeholt - alle anderen sehen ein solides Finale einer sehr wechselhaften Serie, bei der man das Flicken einiger undichter Stellen leider zu oft sieht.
Fazit: Die ganze Nummer endet zwar recht rund, muss zuvor aber sichtlich vereinfachte Konflikte über sich ergehen lassen, um die Geschichte irgendwie auf ein Finale zusteuern zu lassen. Das ist zwar etwas geradliniger, dafür aber auch konzentrierter, wenn auch einige Wendungen zu flach ausfallen, um wirklich zu begeistern.
Note: 3-
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